Von klein auf sicher über die Strasse

Von Thomas Christen

Ich bin ein bisschen aufgeregt. Schliesslich ist es mein erstes Mal als Quartierpolizist im «Chindsgi». Eine der schönen Seiten an meinem Beruf, wenn ich aktiv etwas dazu beitragen kann, Verkehrsunfälle zu verhindern. Mit Sack und Pack verlasse ich mein Polizeiauto. Ganz schön viel, was ich da alles mitschleppe: den schönen Polizei-Bobbycar, den Zebrastreifenteppich, Mitbringsel für die Kinder und Bilder, die ich beim Erklären zeige.

Polizei-Bobbycar im Kindergartenzimmer

Der Polizei-Bobbycar kommt bei den Kindern immer gut an

Vor dem Kindergarten werde ich von aufgeregten Kindern begrüsst: «Hallo, Herr Polizist!» Ich gehe an ihnen vorbei ins Zimmer und bereite mich auf die Stunde vor. Dann kommen sie, einer nach dem anderen. Zuerst erkläre ich ihnen die wichtigsten Dinge. «Luäge, lose, laufe» kennen die meisten. Ich bin froh, dass es im Kindergarten auch Schmetterlinge hat – die «Grossen». Sie sind Vorbilder für die jüngeren Raupen und können ihnen auf der Strasse helfen. 

Kindergartenkinder ganz konzentriert

Die Kindergartenkinder ganz konzentriert

Ich zücke meine Bilder und frage die Kinder, was sie darauf sehen. An die fünf Hände schiessen in die Höhe. Nachdem wir alle Bilder angeschaut haben, zeige ich auf dem Zebrastreifenteppich, wie man korrekt über die Strasse geht. Die Kinder dürfen es nachmachen. Sie sind richtig gut darin.

Ich zeige den Kindern ein Bild

Die Kinder machen eifrig mit

Na los, auf geht’s! Als wir die Theorie angeschaut haben, wagen wir uns auf die Strasse. Beim Anziehen der Schuhe müssen wir noch aufpassen, dass die Kinder keine «Bananenfüsse» kriegen – die Schuhe also nicht verkehrt anziehen. Die Jacke wird auch angezogen, denn draussen ist es schon ein bisschen frisch. Nicht fehlen darf natürlich der obligate Kindergartenstreifen. Die Kinder in Zweierreihen, immer ein Schmetterling mit einer Raupe, machen wir uns auf den Weg. Einmal kurz um die Ecke und schon sehen wir den Zebrastreifen.

Vom Kindergartenzimmer auf die Strasse 

Ich zeige den Kindern erst einmal alles vor. Sie sind konzentriert und ruhig. An den Rand des Trottoirs stehen, auf beide Seiten schauen, gut hinhören und loslaufen, wenn kein Fahrzeug in der Nähe sicht- oder hörbar ist. Während ich die Strasse überquere, blicke ich noch einmal auf beide Seiten.

Die Kinder und ich blicken nach rechts

Die Kinder und ich blicken nach rechts, um zu schauen, ob ein Fahrzeug kommt

Nach mir sind die Kinder dran. Zuerst dürfen sie zu zweit. Einigen fällt es schwer, nicht nur das Sprüchli «Luäge, lose, laufe» aufzusagen, sondern es auch wirklich umzusetzen. Dann knie ich neben sie hin und helfe ihnen. Natürlich ist es wichtig, dass ich und die Kindergartenlehrperson gut mitschauen.

Ich zeige den Kindern, wie man über die Strasse geht

Der Schmetterling zeigt der Raupe, wie man korrekt über die Strasse geht

Plötzlich erlebe ich etwas Ungewöhnliches. Als ich an der Strasse stehe und den Kindern zeigen möchte, wie sie ganz allein die Strasse überqueren können, nähert sich ein Auto. Statt zu bremsen versucht der Autofahrer verbotenerweise weiterzufahren. Dieses Verhalten kann ich nicht tolerieren und ich stoppe den Wagen. Der Autofahrer ist mit mir nicht einig, weswegen ich ihn kurz zur Seite nehme. Nach einem kurzen Gespräch ist alles geklärt und ich bin froh, zu den Kindern zurückkehren zu können. Gut aber, dass sie gerade gesehen haben: Es läuft im Leben nicht immer so, wie man es erwartet. Man muss sich ganz sicher sein, ob ein Fahrzeug anhält oder nicht.

Eine Verschnaufpause gibt es nicht, wir machen gleich weiter. Mutig stellen sich die Raupen der Herausforderung. Auch ohne Schmetterling geht es. Und ich muss jetzt auch nicht mehr eingreifen, denn es gibt sie auch: Die anständigen Autofahrerinnen und Autofahrer, die anhalten, wenn eine Person die Strasse überqueren möchte. Deswegen gibt es gleich noch ein Daumenhoch für einen Autofahrer.

Ein Daumenhoch von mir an den Autofahrer

Super, wenn die Verkehrsbeteiligten auch mitmachen – da gibt’s gleich ein Daumenhoch von mir

So, meine Arbeit hier ist vorerst getan. Zum Abschluss taucht die Sirene unseres kleinen Polizei-Bobbycars das Kindergartenzimmer in blaues Licht und ich verabschiede mich klatschend von den Kindern. «Bis zum nächsten Mal!», sage ich. Denn im Frühling komme ich wieder und dann machen wir uns auf zu einer stärker befahrenen Strasse. Ich bin sicher, die Kinder werden das super meistern.


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