Archiv für '2018 Mai'

    Kindernachmittage auf der Kreuzbleiche und in Winkeln

    28. Mai 2018 15:29 von Christian Gisler

    Im Laufe der letzten Woche fanden auf der Kreuzbleiche und in Winkeln Kindernachmittage statt, bei welchen ich das Polizeiauto und meine beiden Polizeihunde vor neugierigen Kindergesichtern vorführen durfte. Der Kindernachmittag auf der Kreuzbleiche wurde vom Quartierverein St.Otmar organisiert und fand bei regnerischem Wetter statt. Der zweite Kindernachmittag ging in einem kleineren Rahmen und bei deutlich besseren Wetterbedingungen in Winkeln über die Bühne. Meine beiden Kollegen, Quartierpolizist Thomas Christen und Manuel Egger samt Jasper, unterstützen mich in Winkeln mit spannenden Ausführungen ihrerseits. Von unserer guten und engen Zusammenarbeit konnten die anwesenden Kinder und ihre Eltern profitieren, denn jeder trug auf seine Art und Weise zu einem erfolgreichen und spannenden Kindernachmittag bei.

    Der zweite der beiden Kindernachmittage fand in Winkeln statt.

    Der zweite der beiden Kindernachmittage fand in Winkeln statt.

    Die Vorführung des Polizeiautos war ein Teil des Programms. Mit grossen Augen begutachteten die Kinder die Demonstration des Einsatzmaterials, welches im Polizeiauto mitgeführt wird. „Für was ist dieses orange Ding?“, fragte ein Kind. „Dieses orange Ding wird Pylone genannt und wir stellen es beispielsweise bei einem Verkehrsunfall auf“. Das Frage-Antwort-Spiel ging auch beim übrigen demonstrierten Equipment in diesem Stil weiter und so stand ich Rede und Antwort. Aber was wäre ein Polizeiauto ohne Blaulicht und Sirene? Natürlich durften diese beiden polizeitypischen Elemente bei der Kindervorführung nicht fehlen. Als das Blaulicht und die Sirene schliesslich eingeschaltet waren, konnte die grosse Begeisterung der Kinder darüber niemandem entgehen.

    Die Kinder durften das Auto aber nicht nur von aussen begutachten, sondern auch auf den Sitzen Platz nehmen und sich für einen kurzen Moment wie richtige Polizistinnen und Polizisten fühlen. Es fand ein regelrechtes Gerangel im Fahrzeuginnern statt. „He, ich will mich auch mal hinters Steuer setzen!“, war nur eine von den vielen Hintergrundkonversationen der Kinder, die ich während den Gesprächen mit den Eltern aufgeschnappt habe.

    Ein weiteres Highlight für die Kinder waren die Darbietungen der beiden Polizeihunde Lyonnesse und Balko. Von Lyonnesse, meiner Personenspürhündin, haben wahrscheinlich die meisten schon einmal etwas gehört. Wir sind bereits seit 10 Jahren gemeinsam unterwegs und konnten schon so mancher Personenspur nachgehen. Aber Balko? Balko ist das neuste tierische Mitglied der Stadtpolizei St.Gallen.

    Die Stadtpolizei St.Gallen erhielt mit Balko neuen tierischen Zuwachs.

    Die Stadtpolizei St.Gallen erhielt mit Balko neuen tierischen Zuwachs.

    Er ist ein deutscher Schäferhund und erst 16 Wochen alt. In den kommenden Monaten werde ich intensiv mit Balko trainieren, damit er uns zukünftig als ausgebildeter Schutzhund zur Seite steht. Er wird die gleiche Ausbildung absolvieren wie Jasper, der diese kürzlich erfolgreich abschloss.

    Als ich ankündigte, zuerst einmal Lyonnesse aus dem Auto zu holen, beschlich einige Kinder ein mulmiges Gefühl. Sofort kamen Fragen auf, wie gross Lyonnesse denn sei oder ob sie denn beisse. Die Kinder brauchten sich aber natürlich keine Sorgen zu machen. Ich fing daher sofort mit der ersten Übung mit Lyonnesse an. Die Übung bestand darin, dass mir ein Kind einen persönlichen Gegenstand von sich gab und sich anschliessend an einem unbekannten Ort, der einige Meter entfernt war, versteckte. Zwei weitere Kinder schickte ich ebenfalls los, sich ein Versteck in der Nähe zu suchen. Dies, um Lyonnesse eine falsche Fährte zu legen. Anschliessend konfrontierte ich Lyonnesse mit dem persönlichen Gegenstand der zu suchenden Person und los ging es.

    Lyonnesse nimmt die Spur der gesuchten Person auf.

    Lyonnesse nimmt die Spur der gesuchten Person auf.

    Die Hündin liess sich von unserer falschen Fährte nicht beeindrucken und fand die gesuchte Person innert kurzer Zeit. Mit Balko führte ich eine ähnliche Übung durch. Da er im Unterschied zu Lyonesse erst in den Anfängen seiner Ausbildung ist, sah er die Person verschwinden, die er anschliessend suchen musste. Balko meisterte seine Aufgabe aber, genau wie Lyonnesse, sehr gut. Die abschliessenden Streicheleinheiten durften natürlich auch nicht fehlen. Diese wurden von den Hunden sichtlich genossen.

    Die Kinder, welche am Kindernachmittag in Winkeln teilnahmen, durften sogar noch in den Genuss von einer Vorführung von Manuel und Jasper kommen. Für einen Teil dieser Vorführung zog ich einen Schutzanzug an, damit wir eine reale Situation demonstrieren konnten, bei welcher Jasper zupackt.

    Jasper erhielt den Befehl, den „Räuber“ zu schnappen. Die Kinder schauten gespannt zu.

    Jasper erhielt den Befehl, den „Räuber“ zu schnappen. Die Kinder schauten gespannt zu.

    Die Kindernachmittage neigten sich, nachdem wir alle Programmpunkte abgespult und alle Fragen beantwortet hatten, dem Ende zu. Ich konnte in lauter strahlende und zufriedene Gesichter schauen. Meiner Ansicht nach waren die beiden Nachmittage ein voller Erfolg, wovon die Kinder hoffentlich noch ganz lange erzählen werden.

     

    Christian Gisler
    Quartierpolizist Dietli-Hölzli-Schoren/Lachen/Rosenberg/St.Otmar 

    Elterntaxis – Eine Gefahr für die Schulwegsicherheit

    08. Mai 2018 08:20 von Paul Widrig

    Wildes Parken, hektisches Aussteigen und waghalsige Wendemanöver – vor vielen Schulen herrscht morgens und mittags Verkehrschaos. In der Stadt St.Gallen wollen Eltern, Schulleitungen und die Stadtpolizei St.Gallen Elterntaxis vor Schulen eindämmen. Auch aus Sicherheitsgründen für die Kinder.

    Morgens, um 7:20 Uhr, auf der Oberhaldenstrasse im Quartier St.Fiden-Neudorf. Es ist ein herrlicher Frühlingstag, die Blumen spriessen und überall hört man die Vögel zwitschern. In diesem Konzert von Vogelgezwitscher hört man lachende, schwatzende und singende Kinder. Sie sind auf dem Weg zur Schule.

    Vor wenigen Minuten fuhren in der ruhigen Wohnstrasse nur wenige Autos. Doch jetzt bildet sich auf der Oberhaldenstrasse ein Autokonvoi in Richtung Primarschule Halden. Ein Personenwagen reiht sich an den anderen. Immer morgens, immer mittags, an jedem Schultag, kurz bevor in der Primarschule Halden der Schulunterricht beginnt.

    Ich mache die Eltern auf die Gefahrensituation aufmerksam.

    Ich mache die Eltern auf die Gefahrensituation aufmerksam.

    Heute habe ich mir vorgenommen, eine Schulwegüberwachung auf der Oberhaldenstrasse durchzuführen. Diese führe ich aufgrund von vermehrten Reklamationen aus der Bevölkerung durch. An der Oberhaldenstrasse sind, wie auch an vielen anderen Orten, die Elterntaxis, welche die Kinder bis vor den Eingang der Schule fahren, das Problem. Schon lange ist dieses Verhalten bei Anwohnenden und denjenigen Eltern, dessen Kinder nicht mit dem Auto zur Schule gefahren werden, ein Dorn im Auge. „Schlimm ist das! Ganz schlimm!“, sagt eine Mutter, die ihr Velo schiebt und mehrere Kinder zu Fuss begleitet. „Ich hab immer vier, fünf Kinder morgens dabei, die gehören nicht alle zu mir.“
                                                                                                                                                                                                                     
    Bei der heutigen Schulwegüberwachung kontrolliere ich auch, ob die Kinder unterwegs im Auto gesichert sind und wo die Eltern die Kinder im Kurvenbereich vor dem Schulhaus rauslassen. Denn auf der engen Zufahrtsstrasse könnte es gerade im Kurvenbereich vor dem Schulhaus gefährlich werden für die Kinder. Deshalb stoppe ich auf der Oberhaldenstrasse die Autos nacheinander. Die Fahrerinnen und Fahrer lassen die Seitenfenster bei ihrem Fahrzeug runter. „Grüezi, guete Morge! I mach ä Schulwegsüberwachung". Zwei Kinder sitzen im Kindersitz, beide sind angeschnallt. „Guet, isch alles okay! I wünsch Ihne än schöne Tag – uf Wiedersehe!“

    Spätestens beim Anblick von mir – ich trage die orange, leuchtende Verkehrsweste – verhalten sich die Eltern vorschriftsgemäss, wer hinten in der Kolonne steht, schnallt noch schnell sein Kind an – oder lässt es früher aussteigen. Dabei müssten viele Eltern gar nicht fahren. Erfahrungsgemäss werden meistens Kinder zur Schule und in den Kindergarten gebracht, die gerade nicht einmal ein Kilometer von der Schule entfernt wohnen. Sie könnten problemlos alleine oder mit den Eltern zu Fuss gehen.

    Teils Eltern fürchten sich um die Sicherheit ihrer Kinder auf dem Schulweg. Der Tatsache, dass die Sicherheit vieler anderer Kinder durch die Elterntaxis stark gefährdet wird, wird oft nicht genug Rechnung getragen. Denn durch das wilde Parkieren, das hektische Aussteigenlassen und schnelle Wendemanöver entstehen chaotische Situationen, die die Kinder in Gefahr bringen können.

    Regelmässige Kontrollen sollen die Elterntaxis eindämmen.

    Regelmässige Kontrollen sollen die Elterntaxis eindämmen.

    Unser eigentliches Ziel ist es aber natürlich, dass die Kinder gar nicht erst mit dem Auto in die Schule gefahren werden, sondern wertvolle Erfahrungen auf dem Schulweg sammeln können – und nicht auf eine gefährliche Verkehrssituation vor ihrem Schulhaus treffen müssen.

    Die Stadt St.Gallen hat das Problem der Elterntaxis bei den Schulen erkannt und in den Medien mehrmals thematisiert. Der Versuch, ein so genannter „Pedibus“ in Rotmonten und in St. Georgen einzurichten, von wo aus Kinder unter Elternleitung zusammen loslaufen können, ist früh gescheitert. Nur wenige Eltern waren bereit, einen Dienst für den Pedibus zu übernehmen.

    Der Pedibus musste schnell kapitulieren.

    Der Pedibus musste schnell kapitulieren.

    Schulleiterin Annina Fricker sagt: „Wir hatten schon so viele Aktionen. Es sind auch Eltern durch die Stadtpolizei verwarnt bzw. gebüsst worden, weil sie falsch auf der Strasse parkierten, weil sie ihre Kinder nicht angeschnallt hatten, weil, weil, weil,…, aber es hat nicht die gewünschte Reaktion gebracht, die wir uns von der Primarschule Halden erhofft hatten.“

    Was fehlt, ist offenbar das Vertrauen vieler Eltern in die Fähigkeit ihrer Kinder. Dass es aber auch anders geht, zeigt der 9-jährige Thomas: „Am ersten Schultag wurde ich noch zur Schule gefahren, aber ab meinem zweiten Schultag musste ich laufen. Ich find es auch gut, so ein wenig frische Luft zu schnappen.“ Ein paar Meter weiter vorne sind seine beiden Freunde: „Wir gehen immer zu Fuss in die Schule.“ Und warum lassen viele Eltern ihre Kinder nicht gehen? Die Beiden erklären: „Also, die Eltern haben Angst.. Dass uns was passiert oder sowas.“ Ich erläutere den Kindern: „Wenn man in Gruppen geht, dann passiert meistens nichts.“

    Mein Eindruck von der heutigen Situation zeigt mir, dass diejenigen Kinder, die zu Fuss unterwegs sind, ihren Schulweg sehr vorbildlich bewältigen. Die Kinder wissen nämlich genau, was sie zu tun und zu lassen haben. Ausserdem hat es viele Vorteile, die Kinder fit für den Schulweg zu machen und ihnen nicht alle Wege abzunehmen. Diese Botschaft möchten Polizei, Schulleitung und Stadt den Eltern mitgeben. Meine Bilanz nach der heutigen Verkehrssituation: Es war nicht das Chaos, das wir sonst haben. Wir hoffen, dass dies nachhaltig ist. Aber das wird die Zukunft zeigen.

     „Ich hoffe sehr, dass es mir gelingt, den Eltern den Mehrwert des Schulwegs aufzuzeigen. Dass sie den Mut und Vertrauen haben, die Kinder gehen zu lassen und sich dazu genügend Zeit einräumen“ , sagt die Schulleiterin Annina Fricker. Und das Gleiche hoffen auch ich und natürlich meine Kollegen der Stadtpolizei.

     

    Paul Widrig
    Quartierpolizist Grossacker/Krontal/Neudorf