Archiv für '2018 September'

    Social Media und Gipfeli

    26. September 2018 16:08 von Roger Spirig

    Als bloggender Quartierpolizist besuchte ich am 20. September 2018 den ersten Social-Media-Gipfel für Polizei und Justiz in Winterthur. Die Tagung startete ihrem Namen entsprechend mit Kaffee und Gipfeli. Mit dabei waren mein Quartierpolizeikollege Thomas Christen und Roman Kohler von unserer Kommunikationsabteilung. Roman leitete einen Workshop an der Tagung. Seine Ansichten zu Social Media und Polizei gibt’s übrigens im BIogbeitrag von Bernet Relations nachzulesen. Neben spannenden Referaten und Workshops stand vor allem der Austausch mit Experten und anderen Polizistinnen und Polizisten im Vordergrund. Am Schluss blieb die Erkenntnis, dass wir schon vieles im Bereich von Online-Community-Policing gut machen. Unser Ziel, auch online so nahe wie möglich bei der Bevölkerung zu sein, wird uns aber auch in den kommenden Jahren beschäftigen und immer wieder vor neue Herausforderungen stellen.

    Referenten und Workshop-Leiterinnen und Workshop-Leiter am Social-Media-Gipfel für Polizei und Justiz.

    Referenten und Workshop-Leiterinnen und Workshop-Leiter am Social-Media-Gipfel für Polizei und Justiz. Mit dabei unser Leiter Kommunikation, Roman Kohler (zweiter von links).

    Für die Polizei ist Vertrauen sehr wichtig. Nur wenn man uns vertraut, können wir bestmöglich für Sicherheit und Ordnung sorgen. Vertrauen erreichen wir mit einer ehrlichen, transparenten und niederschwelligen Kommunikation. Als Quartierpolizisten, die vor allem präventiv aktiv sind, können wir einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum guten Ruf der Stadtpolizei leisten. Im Community Policing, also unserer täglichen Arbeit, ist zudem eine hohe Präsenz wichtig. Schliesslich können Bürgerinnen und Bürger nur mit ihren Anliegen und Problemen zu uns kommen, wenn sie wissen, wo sie uns erreichen oder antreffen. Für eine gute Präsenz müssen wir heute eben auch online erreichbar sein.  So zum Beispiel mit diesem Quartierblog, unserer Facebook-Seite, Twitter oder Instagram.

    Cool: Eine Zeichnerin hielt die wichtigsten Erkenntnisse der Tagung visuell fest.

    Cool: Eine Zeichnerin hielt die wichtigsten Erkenntnisse der Tagung visuell fest.

    Wie diese Präsenz in sozialen Medien in Zukunft genau aussehen soll, dazu machen wir uns immer wieder Gedanken. Dabei stellen wir uns ganz unterschiedliche Fragen:

    • Welche Kanäle können uns in unserer täglichen Arbeit unterstützen?
    • Wie erreichen wir Bürgerinnen und Bürger am besten – und umgekehrt?
    • Was erwarten die Bürgerinnen und Bürger von uns?
    • Wie sieht Community Policing in fünf Jahren aus?

    Mit Blick auf diese Fragen war es natürlich spannend, sich mit Polizeikolleginnen und -kollegen auszutauschen, die Social Media schon intensiver nutzen als wir. Eine davon ist Rahel Egli von der Stadtpolizei Winterthur. Sie ist seit einigen Monaten auf Instagram aktiv (@winstaporahel) und konnte mir und Thomas von ihren Erfahrungen berichten. Das war spannend und es gab uns neue Ideen für die Quartierarbeit in St.Gallen.

    Rahel Egli von der Stadtpolizei Winterthur (@winstaporahel) berichtet über ihre Erfahrungen mit Instagram.

    Rahel Egli von der Stadtpolizei Winterthur (@winstaporahel) berichtet über ihre Erfahrungen mit Instagram.

    Nick Keane, Polizeiberater aus England, berichtet über Social-Media-Aktivitäten unserer Polizeikolleginnen und -kollegen in England und Holland.

    Nick Keane, Polizeiberater aus England, berichtet über Social-Media-Aktivitäten unserer Polizeikolleginnen und -kollegen in England und Holland.

    Mir wurde aber auch bewusst, dass nicht alles was in Holland oder England heute auf Social-Media-Kanälen der Polizeien abgeht, sich auf für St.Gallen eignet. Polizeiposten in Online-Games oder Stadtpolizisten auf Tinder – gibt es in anderen Ländern tatsächlich – kann ich mir für St.Gallen (noch) nicht vorstellen. Jedenfalls werden wir auch zukünftig genau prüfen, welche Kanäle unsere Arbeit sinnvoll ergänzen könnten. Die Bürgerinnen und Bürger von St.Gallen dürfen also gespannt sein, wo sie uns Quartierpolizisten in Zukunft auch noch antreffen werden.

    Roger Spirig
    Quartierpolizist: Langgasse, Heiligkreuz, Rotmonten 

    Ein Quartierpolizist für alle Fälle

    06. September 2018 15:51 von Heinz Sieber

    Hallo, ich bin Heinz Sieber. In der Stadt kennt man mich als Quartierspolizisten für die Innenstadt, wo ich zusammen mit dem anderen Heinz – meinem Kollegen Heinz Bucher – Kontakte knüpfe und der Bevölkerung helfen kann. Zu rund 50% unterstütze ich ihn in der täglichen Arbeit in seinem rege besuchten Gebiet. Schon als ich vor 42 Jahren bei der Stadtpolizei in St.Gallen angefangen habe, war für mich die Innenstadt St.Gallen der Ort, an dem einfach immer etwas los war und am dem es wohl auch immer etwas zu tun gab. Als gebürtiger und immer noch stolzer Rheintaler habe ich mich auch deshalb für eine Stelle in der Stadt, ja sogar im Zentrum, eingesetzt. Die restlichen 50% meiner Zeit bei der Arbeit verbringe ich einerseits im Büro als stellvertretender Leiter der Quartierarbeit, aber auch mit Aufgaben, die mir etwas Abstand vom Treiben im Zentrum ermöglichen. So bin ich auch Instruktor für den Verkehrsdienst und die herkömmliche Verkehrsregelung. Zudem bin ich Fahrtrainer für unsere Motorradfahrer und mache diese nach den wenigen Töff-Kilometern im Winter im Frühling wieder fit für die Strasse. Zeitweilig war ich auch Präzisionsschütze und habe noch diverse weitere Aufgaben angenommen. Das System dabei war immer dasselbe: für eine vakante Stelle wurde intern eine Nachfolge gesucht und schnell einmal hiess es: „Der Sieber, das wäre doch einer für diesen Job“ – sei es dank meiner Gelassenheit, dank meiner stolzen Ausstrahlung in der Uniform oder aufgrund meiner Erfahrung als Motorradfahrer im Strassenverkehr.

    Porträt von Heinz Sieber

    Quartierspolizist, stellvertretender Leiter der Quartierarbeit, Verkehrsdienst-Instruktor und Motorrad-Fahrlehrer – stets mit einem Lächeln dabei.

    Man sieht, gewissermassen darf man mich auch als „Polizist für alle Fälle“ betiteln. Die Arbeit im Stadtzentrum ist neben dem Motorradfahren, dem ich mich seit meinem 18. Geburtstag verschrieben habe, aber schon meine Lieblingsbeschäftigung. Als Quartierspolizist bin ich der Gute. Man schätzt wenn ich vorbeischaue und versuche, den Puls im Quartier zu fühlen oder wenn ich zusammen mit meinem Kollegen die Wünsche der Bevölkerung erfüllen darf. Natürlich gehört da auch ein regelmässiger Besuch in den diversen Lokalen der Innenstadt dazu – bei einem Kaffee können sich viele spannende und für mich wertvolle Gespräche ergeben. „Nehmt uns den Heinz nicht weg“, heisst es da jeweils und lustigerweise trifft dies ja gleichermassen auf meinen Kollegen Bucher und mich zu.

    Polizist Heinz Sieber erklärt den Kursteilnehmern nochmals die Zeichengabe.

    In der Arbeit mit Jungen oder in den täglichen Kontakten: das Leben als Polizist gefällt mir sehr.

    Ebenso schätze ich es aber, mein Wissen über das Quartier oder über die Polizeiarbeit allgemein meinen jüngeren Nachfolgern weiterzugeben. Als Instruktor für den Verkehrsdienst darf ich regelmässig – sei es in der Polizeischule oder beim Zivilschutz – mit jungen Menschen zusammenarbeiten und sie für die Ernsteinsätze vorbereiten oder ihr Wissen auffrischen. Auch diese Woche stehen wieder Wiederholungskurse mit der St.Galler Polizeidienst-Kompanie vom Zivilschutz an. Wir repetieren die wichtigsten Zeichen und Regeln und üben das Erlernte auf der Strasse. Speziell um das Fussballstadion gibt es mehrere Kreuzungen, auf denen wir immer wieder Verkehrsregler einsetzen müssen. Auch am Samstag beim Spiel der Schweizer Nationalmannschaft gegen Island wird die Polizeidienst-Kompanie wieder im Einsatz stehen und uns von der Stadtpolizei unterstützen. Und weil die meisten Fans am Samstag mit dem Auto nach St.Gallen reisen werden und diese in ganz Winkeln verteilt abgestellt werden müssen, wird die Kreuzung Appenzeller-/Biderstrasse markant stärker befahren sein, als sie dies normalerweise ist. So drängt sich auf, dass wir auf genau dieser Kreuzung heute üben.

    Sieber überwacht die Verkehrsregelung seines Schülers.

    Während der Ausbildung beobachte ich meine «Schüler» genau und überwache zugleich auch die Strasse.

    Auch für den guten Verkehrsregler zählt dabei vor allem ein selbstbewusstes Auftreten. Die kleinsten Fehler werden von den Autofahrern bemerkt und ausgenutzt. Mit meiner Haltung versuche ich, als Vorbild voranzugehen. Zugegeben, nach 42 Jahren im aktiven Dienst hat sich die stolze Haltung bei mir natürlich etwas eingebrannt. Man soll aber auch bei den Angehörigen des Zivilschutzes merken, dass sie die Arbeit mit Freude machen, selbst wenn es manchmal auch stressig sein kann. Meine heutige Gruppe macht das gut, nur wenig muss ich ihnen noch besser beibringen. Aber das mache ich gerne. Generell fällt es mir schwer, bei all meinen Ämtern einen Favorit zu küren. Eigentlich bin ich einfach am liebsten Polizist – und zwar in Uniform, nicht zivil. Ich habe lieber, wenn man mich erkennt und in meiner täglichen Arbeit als unterstützender Quartierspolizist auch gerne anspricht.

    Sieber erklärt die Aufgaben und sorgt für Lacher bei den Schülern.

    Eine gute Stimmung ist mir während meinen Kursen sehr wichtig.

    Heinz Sieber
    Stellvertretender Leiter Quartierpolizei, Quartierpolizist Zentrum / St.Mangen