Ein bisschen Ruhe vor dem Ansturm

    21. Oktober 2018 10:00 von Roger Spirig

    Die OLMA und der Herbstjahrmarkt – für mich als Quartierpolizist ist dies immer die intensivste, aber wohl auch spannendste Zeit des Jahres. Auch dieses Jahr stehe ich wieder während neun Tagen in Uniform auf dem Areal und sogar an meinen beiden freien Tagen lasse ich mir dieses Ereignis nicht entgehen. Tausende von Besucherinnen und Besucher pilgern Mitte Oktober in mein Quartier und so soll sich dieses doch von seiner besten und schönsten Seite zeigen.

    Morgenstimmung über St.Gallen

    So schön zeigte sich die Sonne bei meiner morgendlichen Fahrt durchs Quartier.

    Damit dies möglich ist, beginnt mein Arbeitstag jeweils schon drei Stunden vor der Eröffnung des Jahrmarkts und der OLMA-Hallen. Ich lese das Polizei-Journal durch und bringe mich auf den neusten Stand. Danach kontrolliere ich, ob alle Tafeln rund um den Herbstjahrmarkt noch am richtigen Ort stehen und helfe den Sicherheitsassistentinnen und -assistenten beim Parkplatz «Güterbahnhof». Dann eine kurze Rundfahrt durchs gesamte Quartier – schön siehst du aus! Ich parkiere mein Auto und gehe zum Stand von Doris‘ Öpfelchüechli. Dort treffe ich jeden Morgen jene Männer, welche nächtelang mit Besen und Reinigungsmaschinen die Gegend putzen: die Strassenwärter. Beim gemeinsamen Znüni plaudern wir über alles Mögliche und nicht selten bekomme ich von ihnen noch einen wichtigen Hinweis, wo es noch etwas zu tun oder zu beobachten gilt.

    Mani Fischer wird bald pensioniert – auf ihn ist und war immer Verlass.

    Mani Fischer wird bald pensioniert – auf ihn ist und war immer Verlass.

    Einen Strassenwart sehe ich dieses Jahr zum letzten Mal. Für Manfred Fischer ist 2018 die 28. OLMA in Folge, an der er für die Sauberkeit rund um das Messegelände sorgt. Er organisierte und koordinierte alle Aufgaben, die Standorte der Müllfässer und das Material für seine Truppe – ihm gehört ein grosser Anteil am schönen Erscheinungsbild meines Quartiers in diesen Tagen. Danke, Mani! Die direkten Kontakte zu pflegen ist mir generell sehr wichtig. Mit Jürg Diriwächli, dem Präsident des Schweizerischen Marktverbands, tausche ich mich öfters bei seinem Öpfelchüechli-Stand aus und lausche seinen Anliegen. Auch bei der Sanität schaue ich noch vor der Hallenöffnung vorbei – bei Zwischenfällen auf dem gesamten Areal sind sie wichtige Helfer von uns.

    Die Sanitäterinnen helfen uns, wann immer nötig – Danke Euch!

    Die Sanitäterinnen helfen uns, wann immer nötig – Danke Euch!

    Am Morgen ist es hier jeweils noch eher ruhig. Die Markthändler liefern ihre frische Ware an und ich schaue, dass sie mit ihren Autos wieder rechtzeitig wegfahren. Um halb zehn kommen schliesslich meine Kollegen von der Dienststelle am Jahrmarkt an. Alleine könnte ich in diesem riesigen Trubel nicht den Überblick behalten. Ich instruiere die Einsatzkräfte an unserem Polizei-Stand, dem Einsatzfahrzeug Vadiana, gleich neben dem OLMA Haupteingang. Zum Schluss wünsche ich ihnen einen schönen und erfolgreichen Arbeitstag.

    Den Mitarbeitern von der Dienststelle gebe ich ein paar wichtige Infos mit in den Arbeitstag.

    Den Mitarbeitern von der Dienststelle gebe ich ein paar wichtige Infos mit in den Arbeitstag.

    Immer mehr Leute trudeln ein. Bei diesem wunderbaren Wetter erwarte ich auch heute wieder tausende Besucher. Die Markthändler, vor allem die Essensstände, machen dieses Jahr Rekordumsätze – ich gönne es ihnen, wenn ich sehe, wie lang und wie früh sie jeweils schon auf Platz sind. Seit meiner ersten OLMA im Jahr 2015 habe ich noch nie so viele Leute hier gesehen und dennoch gab es keine grösseren Zwischenfälle oder Probleme. Schön, wie friedlich so viele Menschen miteinander feiern können. Noch schöner, dass dies in meinem Quartier passiert und es sich in bestem Licht zeigen kann. Dafür nehme ich auch gerne die eine oder andere Zusatzschicht auf mich.

    Es läuft viel an diesen elf Tagen – für mich aber überhaupt kein Problem.

    Es läuft viel an diesen elf Tagen – für mich aber überhaupt kein Problem.

    Autor: Roger Spirig
    Quartierpolizist Nord-Ost, Süd-Ost, St.Fiden

    «Töfffahrer, Reiter, Musik, Ehrengäste!»

    15. Oktober 2018 14:30 von Heinz Sieber

    Im Akkord gehe ich mit meinem Kollegen Christoph Graf noch einmal die Reihenfolge der Umzugsgruppen durch. Um Punkt zehn Uhr soll ich den Umzug freigeben und bereits jetzt gelangen die ersten Gruppen aus verschiedensten Richtungen in den Aufstellungsraum. Dass alles klappt, fängt mein Tag schon früh an: bereits um sieben Uhr findet die erste Sitzung mit den verschiedenen Verantwortlichen des Umzugs statt. Dabei sind die Vertreter der Olma-Messen, der Chef der Pfadfinder, welcher die Begleitung der einzelnen Gruppen durch die Pfadi koordiniert und meine Kollegen von der Stadtpolizei. Eine Stunde später instruiere ich die restlichen Einsatzkräfte der Stadtpolizei und des Zivilschutzes.

    Heinz Sieber

    Heute ist OLMA-Umzug - für mich immer ein schöner Tag.

    Heinz Sieber an der Befehlsausgabe

    An der Befehlsausgabe gebe ich meinen Mitarbeitenden die wichtigsten Infos mit auf den Weg.

    Auf der gesamten Umzugsstrecke gibt es unzählige Kreuzungen und Strassenübergänge, die für den Samstagmorgen gesperrt werden müssen. Natürlich versuchen wir, die Sperrungen so spät wie möglich einzurichten, damit der ÖV und der normale Verkehr möglichst lange nicht beeinträchtigt wird. Bevor der Umzug losgeht, fahre ich mit dem Velo noch einmal den Aufstellungsraum ab und kontrolliere, ob alle Schilder am richtigen Ort platziert sind. Auch kläre ich mit den Einsatzkräften auf den einzelnen Kreuzungen noch offene Fragen. Quartierspolizist Christoph Graf, der seit vielen Jahren den Einsatz beim OLMA-Umzug leitet, geht in der Zwischenzeit in den Aufstellungsraum und hilft beim Aufstellen der Fahrzeuge und Formationen. Heute ist es lange sehr ruhig. Die meisten Westschweizer kommen erst knapp vor Umzugsbeginn mit dem Zug in St.Gallen an. Dafür wird dann kurz vor dem Start sehr viel los sein.

    Heinz Sieber instruiert die Umzugs-Helfer

    An der Kreuzung Kornhausstrasse/Vadianstrasse instruiere ich meine Helfer ganz genau.

    Eine halbe Stunde vor dem Start gehe ich auf meinen Posten bei der Kreuzung Kornhausstrasse / Vadianstrasse. Hier ist sozusagen das Nadelöhr des Umzugs. Unsere Motorradfahrer, die den Umzug anführen, stellen sich auf. Gleich dahinter folgt unsere Reiterstaffel. Die Pferde sind bei so viel Publikum zu Beginn jeweils etwas nervös, was sich aber schnell legt. Jetzt ertönen die ersten Trommelklänge der Knabenmusik St.Gallen, welche sich ebenfalls für den Umzug aufstellen. Fast gleichzeitig kommen vom Bahnhof her die Ehrengäste der Olma-Messen, welche zuvor einen Apéro im Rathaus geniessen durften.

    Töfffahrer, Reiter, Musik, Ehrengäste - mit Christoph Graf gehe ich nochmals die Umzugs-Reihenfolge durch.

    Töfffahrer, Reiter, Musik, Ehrengäste - mit Christoph Graf gehe ich nochmals die Umzugs-Reihenfolge durch.

    Heute hat bis anhin alles reibungslos funktioniert, zum Glück waren alle pünktlich vor Ort. Auch die Davidstrasse, auf welcher sich diverse Formationen bereitstellen, hat sich ab neun Uhr schnell gefüllt. Die Stimmung im Aufstellungsraum, der bis zum Güterbahnhof reicht, ist fröhlich. Die Winzer aus der Westschweiz und aus dem Kanton St.Gallen haben leckere Getränke mitgebracht. Über 35 Formationen haben sich auch in diesem Jahr wieder herausgeputzt und sich etwas Spezielles einfallen lassen. Als leidenschaftlichen Jasser haben es meinem Kollegen Christoph vor allem die laufenden Jasskarten angetan und ich freue mich auf meine Kollegen von den Rheintaler Rebbergen.

    Die laufenden Jasskarten sind eine von 35 bunten und kreativen Formationen.

    Die laufenden Jasskarten sind eine von 35 bunten und kreativen Formationen.

    Nun schlägt es zehn Uhr und ich gebe den Polizei-Motorradfahrern das OK zur Abfahrt. Grosse Fahrzeuge oder Ochsengespanne unterstütze ich in der engen Kurve vor dem Neumarkt-Gebäude, um sie in den Umzug einschleusen zu können. Zwischendurch erhalte ich immer wieder Anrufe von den einzelnen Verkehrsposten, welche Fragen an mich haben. Beim Marktplatz ist es noch etwas hektischer, ein Absperrfahrzeug ist um zehn Uhr noch nicht vorgefahren. Ich rufe dort kurz an und löse das Problem. So klappt bis jetzt alles gut und schon bald kommen die ersten Gruppen beim Messegelände an. Auch von dort erhalte ich die Rückmeldung – alles hat funktioniert. Schön, wie dieser Anlass Jahr für Jahr Tausende von Schaulustigen in die St.Galler Innenstadt zieht. Christoph Graf und ich gehen zum Schluss noch einmal über die Umzugsroute und stellen alle Schilder und Hinweistafeln wieder auf die Seite. Der Verkehr durch St.Gallen ist wieder freigegeben und mein Einsatz am OLMA-Umzug 2018 beendet. Nun geselle ich mich zu meinen Kollegen von den Rheintaler Rebbergen und geniesse den schönen OLMA-Samstag.

     

    Autor: Heinz Sieber
    Stellvertretender Leiter Quartierpolizei, Quartierpolizist Zentrum / St.Mangen