Sprung ins kalte Wasser

    20. Februar 2018 16:48 Von Christoph Graf

    Kaum habe ich meine neue Aufgabe als Quartierpolizist aufgenommen, geht es in meinem Quartier bereits drunter und drüber. Am Kammelenberg in St.Georgen riecht es seit dem Fasnachtssonntag aus den Abwasserschächten nach Heizöl. Erst seit dem 1. Februar 2018 bin ich neuer Quartierpolizist in den Quartieren Riethüsli, St.Georgen und Notkersegg. Doch einen ruhigen Einstieg hatte ich keineswegs. Denn bei Heizölgeschmack im Quartier stinkt’s den Bewohnerinnen und Bewohnern schnell.

    Quartierpolizist Christoph Graf

    An meinem ersten Arbeitstag hatte ich noch gut lachen, denn gestunken hat es da in St.Georgen noch nicht.

    Draussen im Quartier suche ich nach Hinweisen

    Auf der Suche nach einer möglichen Ursache durchforste ich das gesamte Gebiet zwischen der St.Georgen-Strasse und dem oberen Bereich der Biserhofstrasse, gehe Hinweisen aus der Bevölkerung nach und kontrolliere Baustellen. Als Quartierpolizist bin ich, wenn immer möglich, draussen im Quartier unterwegs. Das gefällt mir, denn ich könnte mir keinen reinen Bürojob vorstellen. Dies ist auch einer der Gründe, wieso ich nach meiner Lehre als Buch-/und Offsetdrucker 1984 zur Stadtpolizei St.Gallen gewechselt bin. Die Polizeiarbeit bietet viel Abwechslung und ich komme mit Menschen in Kontakt, das schätze ich sehr.

    Christoph Graf im Gespräch

    Bei der Primarschule Hebel-Bach gehe ich persönlich vorbei, um über den Heizölgeruch zu informieren.

    Der Kontakt zur Bevölkerung soll uns weiterbringen

    Die Ursache des Geruchs lässt sich in den ersten Tagen nicht eruieren. Die Vermutung: Der Geruch stammt von auslaufendem Heizöl aus einem Öltank oder der zugehörigen Heizung. Gemeinsam mit anderen Quartierpolizisten und der Feuerwehr St.Gallen begutachte ich am Freitagnachmittag diverse Heizungen und Heizöltanks in der Umgebung. Kolleginnen und Kollegen der Stadtpolizei St.Gallen verteilen zusätzlich ein Informationsschreiben an die Anwohnenden, um sie über die Vorgehensweise aufzuklären.

    Polizisten im Gespräch mit Feuerwehmännern

    Zusammen der Feuerwehr St.Gallen besprechen meine Kollegen und ich das weitere Vorgehen bei der Suche nach der Geruchsquelle.

    Durch den Kontakt zur Bevölkerung erhoffen wir uns, weitere Hinweise zum Heizölgeruch zu erhalten. Die Kontaktaufnahme und -pflege gehört zu den Hauptaufgaben eines Quartierpolizisten. Dank guten Kontakten erfahre ich, was im Quartier wann und wo passiert. In den ersten Tagen unterstützt mich vor allem mein Kollege Kurt Würth bei der Kontaktaufnahme mit den Quartierbewohnerinnen und –bewohnern. Er ist seit zehn Jahren Quartierpolizist im Gebiet Oberstrasse, Tschudiwies-Zentrum und Bruggen und war die letzten drei Monate stellvertretend auch für mein Quartier zuständig. Dadurch kennt er das Quartier mittlerweile sehr gut. Ich bin froh, dass ich von seiner Erfahrung profitieren kann und wir uns gegenseitig bei unserer Arbeit unterstützen.

    Kurt Würth und Christoph Graf zu Fuss unterwegs

    Am Anfang werde ich von Quartierpolizist Kurt Würth (links) in die Arbeit eingeführt.

    Dem Heizölgeruch auf der Spur

    An der Biserhofstrasse spricht uns tatsächlich eine Anwohnerin an. Sie hat den Heizölgeruch besonders stark wahrgenommen und vermutet die Quelle des Geruchs in ihrer Nachbarschaft. Wir gehen dem Hinweis nach und entdecken eine Ölspur vor einer Liegenschaft. Rund um das Haus ist der Heizölgeruch gut wahrnehmbar. Tatsächlich stossen wir in der Liegenschaft auf eine Heizung, aus welcher Öl in einen Schacht und später vermutlich in die Kanalisation geflossen ist. Der Aufwand der Ermittlungen hat sich also gelohnt. Nun muss das ausgelaufene Öl durch die Feuerwehr abgepumpt und die betroffenen Abwasserkanäle ausgespült werden. Glücklicherweise besteht keine Gefahr für Mensch und Umwelt.

    Christoph Graf am Telefon

    Erleichtert über die Entdeckung der Ursache, kümmere ich mich um die weiteren Abklärungen.

    Der Sprung ins kalte Wasser ist geglückt

    Obwohl ich bereits zu meinem Einstieg ins kalte Wasser springen musste, bin ich glücklich über meine neue und sehr vielseitige Funktion als Quartierpolizist. In den ersten Wochen kam ich nicht nur mit Heizölgeschmack, sondern auch mit der Bevölkerung, Gewerbetreibenden und Vereinen in Kontakt. Im Café Schwyter im Riethüsli erzählte mir die Geschäftsleiterin beispielsweise, dass jemand ein Portemonnaie liegengelassen habe. Ich gab ihr meine Visitenkarte, damit sie mich kontaktieren kann, sollte das Portemonnaie nicht abgeholt werden.

    Im Gespräch mit der Geschäftsleiterin des Cafés Schwyter.

    Kontakte knüpfe ich auch in der Kaffeepause. Oft werde ich hier direkt angesprochen und auf Probleme aufmerksam gemacht.

    Im Gespräch mit Markus Unholz

    Den reformierten Pfarrer von St.Georgen Markus Unholz treffe ich per Zufall auf der Strasse. Von ihm erhalte ich wichtige Informationen aus dem Quartier.

    Ich freue mich darauf, in den nächsten Wochen weitere Kontakte zu knüpfen und das Quartier noch besser kennen zu lernen. Sprechen Sie mich direkt an, wenn Sie eine Frage oder ein Anliegen haben. Gerne nehme ich mir Zeit für Gespräche auf der Strasse oder auch bei der Pause im Café. Natürlich beantworte ich Ihre Fragen auch hier im Blog, per Telefon oder auch über WhatsApp. Die Sicherheit im Quartier liegt mir am Herzen. Jeder hat seinen Beitrag zu leisten und es geht uns alle an.

    Christoph Graf,

    Quartierpolizist Riethüsli/St.Georgen/Notkersegg

    Wildes Treiben in den Gassen von St.Gallen

    9. Februar 2018 13:44 Von Heinz Bucher

    So still wie frühmorgens um 5:30 Uhr ist es im Stadtzentrum von St.Gallen selten. Nur wenige Passanten laufen am Polizeiposten in der Innenstadt vorbei. Hier gehe ich mit meinem Kollegen Paul Widrig den Tagesablauf durch. Doch was war denn das? Eine kuriose Gestalt huscht plötzlich am Schaufenster vorbei in Richtung Vadiandenkmal.

    Maskierter Mann

    Welcher «Teufel» treibt hier sein Unwesen?

    In den Gassen der Stadt treiben sich Musikanten in knalligen Kostümen, Kinder mit bemalten Gesichtern und mysteriöse Wesen herum. Sie alle versammeln sich neben dem Vadiandenkmal für das traditionelle Aaguggete – dem Beginn der St.Galler Fasnacht. Für uns als Quartierpolizisten bedeutet das, trotz der frühen Morgenstunde, besonders wachsam zu sein.

    Gruppe von Musikanten

    Die Guggenmusiken trotzen dem nassen und kalten Wetter.

    Währendem immer mehr Menschen aus allen Richtungen zur Neugassbühne kommen, gehen wir unseren Aufgaben nach. Wir weisen den Guggen die zur Verfügung gestellten Parkmöglichkeiten zu oder bahnen auch einmal einem Lieferwagen den Weg durch die Personengruppen.

    Heinz Bucher

    An grösseren Anlässen im Stadtzentrum wie der Fasnacht bin ich als Quartierpolizist immer vor Ort.

    Hie und da werde ich von einem bekannten Gesicht aus meinem Quartier begrüsst. Und auch der Präsident der St.Galler Fasnacht Bruno Bischof zeigt, dass er die Anwesenheit der Stadtpolizei schätzt. 

    Heinz Bucher und Bruno Bischof im Gespräch

    Der Präsident der St.Galler Fasnacht ist im Kostüm des Fasnachtskomitees gekleidet.

    Pünktlich um 6:00 Uhr beginnt es neben dem Vadiandenkmal zu trommeln, trompeten und posaunen. Die St.Galler Gugge WIRUS und die Adlerbrüeter aus Mörschwil geben auf der Neugassbühne den Takt vor. Zahlreiche Guggerinnen und Gugger stimmen mit ein und machen so viel Lärm wie nur möglich. Dies hebt die Stimmung unter den – teilweise doch etwas müden – Zuschauenden deutlich. Die Fasnacht hat damit offiziell auch in der Stadt St.Gallen begonnen.

    Guggenmusik

    Wäre Vadian nicht festgemauert, würde er sicher auch bald im Takt der Guggenmusik wippen.

    Aufmerksam beobachte ich das fröhliche Treiben und behalte stets den Überblick. Zwischendurch mische ich mich auch unter die Menschen und spüre dabei die gute Stimmung unter den Anwesenden. Toll, dass die Fasnacht so fröhlich und gesittet begonnen hat. Da freue ich mich umso mehr auf die nächsten Tage in meinem Quartier und vor allem auf den grossen Fasnachtsumzug am Sonntag. Lassen Sie sich nur nicht von den mysteriösen Gestalten in den Gassen erschrecken, die sind ganz gewöhnlich für diese Jahreszeit.

    Heinz Bucher

    Quartierpolizist St.Mangen/Zentrum