Lebenszeichen aus der Selbstisolation

    07. April 2020 15:44 von Paul Widrig

    Ich denke heute an die vielen, die jetzt zu Hause bleiben müssen. Kollegen, die im HomeOffice arbeiten, Personen die über 65 Jahre alt sind, allgemeine Risikogruppen und solche, die am neuen Coronavirus erkrankt sind oder vorsorglich in Selbstisolation leben.

    Wäre ich in dieser Situation, würden mir folgende Fragen durch den Kopf gehen: Wie geht’s nun weiter? Was mache ich mit den Kindern - als Familie? Wer kauft nun für mich ein? Kann ich weiterhin meinen Beruf ausüben? Soll ich noch spazieren gehen? Das Gefühl, eingesperrt in den eigenen vier Wänden zu sein, kann längerfristig zur Belastung werden. Der Kontakt zur Aussenwelt findet nur noch über Telefon, WhatsApp und Skype statt.

    Mein Arbeitskollege und Freund gehört zur sogenannten Risikogruppe. Täglich bin ich mit ihm via WhatsApp oder Telefon in Kontakt. Dabei erkundige ich mich nach seinem Wohlbefinden. Er lebt zusammen mit seiner fünfköpfigen Familie in einer 5 ½ Zimmer-Wohnung. Ich fragte ihn, wie er sich momentan fühlt.

    „Mir fällt manchmal fast die Decke auf den Kopf! Es ist das Plötzliche, Ungewohnte, Unvorbereitete, ja fast Unwahre – bei uns in der heilen Schweiz. Es fällt mir schwer, in der unfreiwilligen häuslichen Isolation zu leben. Ich fühle mich beengt. Das Coronavirus ist ein unberechenbarer und unsichtbarer Feind für meine Gesundheit. Meine persönliche Freiheit und meine sozialen Kontakte sind eingeschränkt. Gut, ich kann Einkaufen gehen oder mit dem Hund eine kleine Runde drehen. Ungewohnt für mich ist, dass nun alle einen Sicherheitsabstand zueinander nehmen. Aber in diesen Zeiten einfach ein absolutes Muss. Mich beschäftigt, dass ich nicht mehr arbeiten kann. Es ist ein Gefühl der Unsicherheit, von der übrigen Gesellschaft ausgegrenzt zu sein. Ich sorge mich um meine eigene Gesundheit, um die meiner Familie und Freunde. Hin und wieder kämpfe ich auch mit der Angst vor und der Hilflosigkeit gegnüber dem Virus. Mir fehlen die persönlichen sozialen Kontakte mit meinen Mitmenschen. Schön, dass ich Freunde und Bekannte habe, die sich um mich kümmern.“

    Paul Widrig beim Lesen eines Buches.

    Zu Hause liest Paul gerne ein Buch. Da vergeht die Zeit auch, wenn man nicht raus kann..

    Momentan bin ich als Vater selber betroffen. Meine Tochter steht seit dieser Woche unter Selbstisolation. Sie leidet unter den typischen Krankheitsanzeichen. Zu wissen, dass sie Atemnot hat und ich nicht bei Ihr sein kann, belastet mich sehr. Ich fragte meine Tochter, wie ihr Tag in der Isolation verlaufe.

    „Also… mein alltäglicher Stress ist mittlerweile komplett vergessen. Ich glaube, meine Wohnung habe ich schon mehrmals von oben bis unten komplett gereinigt. Am Morgen stehe ich erst auf, wenn ich einigermassen munter bin, denn ich schlafe zurzeit nicht sonderlich gut. Ich muss am Morgen ja auch keinen Wecker für die Arbeit stellen. Langsam kommt dann die Langeweile durch. Zum Glück habe ich eine Katze, die mir Gesellschaft leistet. TV und Internet sind für mich da schon eine willkommene Abwechslung. Die Isolation ist für mich nicht nur Selbstschutz, sondern auch ein notwendiger Schutz vor der Weiterverbreitung. Ich finde die Massnahmen in Ordnung. Es sollten sich alle daran halten, nicht nur jene, die schon krank sind.“

    Katze

    Die Katze von Pauls Tochter: Auch tierische Gesellschaft verhindert, dass man sich einsam fühlt.

    Wichtig dürfte sein, sich eine Tagesstruktur zu geben und sich realistische Ziele zu setzen. Man sollte sich überlegen, wie man seine Zeit sinnvoll ausfüllen kann. Mann kann Dinge tun, zu denen man vorher vielleicht nicht gekommen ist: Denkspiele, Puzzles, ein Buch lesen, Musik hören oder selber musizieren, etwas Handwerkliches – Hauptsache ist, mental fit zu bleiben und etwas Bewegung zu haben. Der aktive Kontakt zu Familie, Freunden und Bekannten soll gepflegt werden, biespielsweise via Telefon, WhatsApp oder Skype. Gerade der Kontakt mit Familie und Freunden kann helfen, dass einem die Decke nicht so schnell auf den Kopf fällt. Der Fokus sollte nicht auf dem liegen was nicht möglich ist. Schätzen sollte man hingegen, die Entschleunigung die der Lockdown und die Selbstisolation mit sich bringen.

    Gebt dem neuen Coronavirus keine Chance!

    24. März 2020 08:30 von Paul Widrig

    Wenn ich heute durch die Gassen und Parkanlage der Stadt St. Gallen gehe, kommt mir alles sehr unwirklich vor. Ich höre kein Kindergeschrei auf den Schulanlagen, sehe kein fröhliches Gesicht in den Gartenwirtschaften, fast menschenleere ÖV der reduziert verkehrt, keine geschäftigen Leute, die zur Arbeit eilen. Nur vereinzelte Passanten und Geschäftsleute halten sich in der Öffentlichkeit auf. Das allesbeherrschende Tagesthema ist „Corona“. Immer wieder werde ich von Menschen auf die aktuellen Richtlinien des Bundesamts für Gesundheit (BAG) angesprochen und auch die Bundesrats-Beschlüsse geben zu reden. Ich höre zu, kläre ab und gebe Auskunft. Es ist der Polizei ein Anliegen die Leute in dieser aussergewöhnlichen Lage zu sensibilisieren.

    Als Stellvertreter bin ich in der Innenstadt unterwegs und stelle fest: die Menschen halten am Bohl Abstand zueinander.

    Als Stellvertreter bin ich in der Innenstadt unterwegs und stelle fest: die Menschen halten am Bohl Abstand zueinander.

    Die Welt hat sich über Nacht verändert. Unser Leben steht völlig auf dem Kopf. Nichts ist mehr so, wie es war. Das Coronavirus hat uns medial fest im Griff. Jeden Tag kommen Nachrichten die einschneidend sind für unsere demokratische Gesellschaft. Wir sehen, wie die Spitäler gefordert sind, wie die Wirtschaft leidet und die ganze Gesellschaft sich im Ausnahmezustand befindet. Trotz aller Widerwertigkeit gibt es auch Lichtblicke am Horizont. Nachbarschaftshilfe beispielsweise in Form von Jungen die für die Pensionierte und Risikogruppen einkaufen gehen. Beeindruckend für mich ist, dass sich viele Personen freiwillig melden für diverse Arbeiten. Sei es in der Landwirtschaft, Hauslieferdienste, Kinderbetreuung oder in der sonstigen freiwilligen Arbeit in Spitäler und Heimen. Diese schwierige Zeit ist auch eine Chance, unser tägliches Verhalten zu überdenken.

    Auf das was da noch kommt!

    Wir von der Stadtpolizei St.Gallen sind für Sie da! Melden Sie sich bei Problemen und halten Sie sich bitte an die aktuellen Richtlinien des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Um die Verbreitung des neuen Coronavirus einzudämmen, braucht es uns alle. Seien Sie solidarisch.

    So schützen Sie sich und Ihre Mitmenschen:

    • keine Gruppen von mehr als fünf Personen
    • zwei Meter Abstand zueinander halten
    • regelmässig und gründlich die Hände waschen (30 Sekunden mit warmem Wasser und Seife)
    • in ein Taschentuch oder Armbeuge husten oder niesen
    • bei Fieber und Husten zu Hause bleiben
    • nur nach telefonischer Anmeldung in Arztpraxis oder Notfallstation

    Bei Fragen zum Coronavirus wenden Sie sich an die Infoline unter 058 229 22 33.

    Weitere Informationen unter:

    www.sg.ch/coronavirus

    www.facebook.com/kantonsg