Archiv für 'November 2017'

    Die Bären sind los

    28. November 2017 14:27 Von Thomas Christen

    In der Garage des Kybunparks stelle ich meinen BMW-Patrouillenwagen ab und markiere mit Pylonen einen sicheren Bereich. Heute habe ich mal wieder mit unseren kleinen Bürgerinnen und Bürgern zu tun. Ich bin für einen Posten an der Stadiontour der Bärenbande des FC St.Gallen verantwortlich. Es werden über 200 Kinder erwartet. Da bin ich ja mal gespannt.

    Kinder auf Stadiontour

    Bärenbande auf Tour

    Dann höre ich sie. Sie lachen, plappern und eilen über die Treppe in die Garage. Mit dabei eine verantwortliche Person des FCSG sowie einige Mütter und Väter. Ich begrüsse die erste Gruppe von ungefähr fünfzehn Kindern. «Ich habe euch mein Polizeiauto mitgebracht.» Zuerst verkündige ich das Programm: Polizeiauto ansehen, Sirene anhören, ins Polizeiauto sitzen und dann zu den Gewahrsamsräumen gehen. Beim letzten Punkt beginnen einige Kinder nervös herumzutuscheln und fragen ein wenig ängstlich:  «Ist dort jemand drin?» Ich verneine, erkläre aber, dass ab und zu mal Fans dort rein müssen. Dies, wenn sie nicht wissen, wie sie sich zu benehmen haben.

    Ich begrüsse die Kinder

    Begrüssung der Kinder

    Überraschender Besuch

    Noch bevor wir richtig loslegen können, huscht plötzlich ein braunes, kuscheliges Etwas in die Garage. Ich brauche keine Sekunde zu überlegen und weiss, was es ist: Gallus, das Maskottchen des FCSG. Ich darf mit Gallus sogar für ein Foto posieren. Gallus und der Polizist – die Kinder freuen sich gleich doppelt. Er tätschelt einigen Kindern auf den Kopf. Gallus verhält sich ganz unauffällig und befolgt meine Anweisungen – wie auch die Kinder. Innerhalb der Absperrung stehen, nicht rennen! Im Auto keine Knöpfe drücken!

    Gallus und ich vor dem Polizeiauto

    Gallus und ich

    So warfen wir alle zusammen einen Blick in den Kofferraum des Polizeiautos. Der Inhalt? Ein grosser Pfefferspray, Pylonen, Blinklichter, Triopan-Faltsignale, Feuerlöscher und zwei schwere Schutzwesten. Als ich die Sirenen laufen lasse, halten sich nicht nur die Kinder, sondern auch Gallus die Ohren zu. Gleichzeitig erhellt der Balken auf dem Polizeiauto die Garage mit blauem Licht. Nach ein paar Sekunden schalte ich die Sirene wieder aus. «Galluuuuus!», schreien die Kinder und quieken. «Die Sirene ist aus, du musst dir die Ohren nicht mehr zuhalten.»

    Polizeiauto mit Blaulicht

    Vorführung von Sirene und Blaulicht

    Dann kommt Bewegung in die Runde und alle dürfen vorne oder hinten ins Polizeiauto sitzen. Gallus – sein Kopf ist zu gross für das Auto – wartet draussen. 

    In Gewahrsam 

    Weiter geht es mit dem letzten Programmpunkt. Wir steigen die Treppe hoch und nähern uns den Gewahrsamsräumen oder für Kinder: den Gefängniszellen. Die Kinder dürfen auf die Bank sitzen. Sie werden neugierig. «Und was kriegen denn die Gefangenen zu essen?» Ich winke ab. «Betroffene kriegen hier grundsätzlich nichts zu essen.» Die betroffenen Personen bleiben allerdings nur maximal vier Stunden dort.

    Gewahrsamsraum Kybunpark

    So sieht ein Gewahrsamsraum im Kybunpark aus

    Dann wird es spannend. Diejenigen, die das möchten, sperre ich für einige Sekunden ein. Ich schliesse die Tür und öffne das Guckloch. Die Kinder winken begeistert. Sie finden es zwar lustig im Gewahrsamsraum, aber das ist es normalerweise nicht. Denn diejenigen, die dort landen, haben ja auch etwas angestellt.

    Ich blicke durch das Guckloch zu den Kindern

    Durch das Guckloch schenke ich den Kindern ein Lächeln. Im Ernstfall gibt es natürlich nicht mehr viel zu Lachen.

    Es bleiben noch ein paar Minuten für Fragen, bevor die nächste Gruppe kommt. Ich zeige den Kindern zum Abschluss das Material, das ich am Gurt trage. Einen Schlagstock, einen Pfefferspray, Handschellen, eine Taschenlampe. Die Waffe ziehe ich natürlich nicht, obwohl die Kinder das unbedingt möchten. Das wäre viel zu gefährlich.

    Ich leuchte mit der Taschenlampe

    Meine Einsatzmittel ganz praktisch

    Das Thema Waffen interessiert die Kinder brennend und sie fragen mich darüber aus oder erzählen mir Geschichten, die sie irgendwo gehört haben. Wichtig ist mir auch, dass sie eines wissen: Spielzeugwaffen, die kaum zu unterscheiden sind von echten Waffen, sind nicht erlaubt und können gefährlich werden. Beispielsweise dann, wenn jemand meint, es sei eine echte Waffe und sich zu wehren versucht. Nach einer kurzen Fragerunde gehen die Kinder durch die Tür zum nächsten Posten. Ich mache mich in der Garage für die nächste Gruppe bereit.

    Die Füsse von Gallus und den Kindern

    Gallus und die Kinder haben bald Feierabend – ich auch

    Am Abend bin ich ganz schön geschafft. Es war spannend und hat mir Spass gemacht mit den Kindern. Ich räume alles wieder ins Polizeiauto und kontrolliere die Gewahrsamsräume – dass auch ja niemand aus Versehen dageblieben ist. Es ist ganz still und leer. Nicht einmal Gallus ist mehr hier. Auch er braucht jetzt sicher Erholung.

    Lernen durch Erleben

    10. November 2017 16:30 Von Thomas Christen

    Aus der ganzen Stadt kommen sie her. Rund 38 Klassen der 2. Oberstufe besuchen in Winkeln den Präventionsanlass «Lernen durch Erleben». Wir haben drei verschiedene Posten, die auf die Schülerinnen und Schüler warten.

    Schülerinnen und Schüler am Warten

    Die Schülerinnen und Schüler erwarten gespannt, was auf sie zukommt

    Beim Posten «Aufprallenergie und Schutzwirkung von Sicherheitsgurten erleben» wurde den Schülerinnen und Schülern Wissen über das Tragen von Sicherheitsgurten vermittelt. Nach dem Vortrag durften sie das Ganze konkret erleben: Im Gurtschlitten spürten sie, wie sich diese Aufprallenergie anfühlt.

    Ein Fahrlehrer zeigt den Jugendlichen beim Posten «Motorrad und Roller», wie lange der Bremsweg bei einem Motorrad und einem Auto ist und wann es «Peng!» macht. Es passiert nämlich schnell. Da reicht schon eine Sekunde Ablenkung bei 50 km/h und das Auto legt über 13 Meter zurück.

    Vollbremsung auf Motorrad

    Auf dem Motorrad darf der älteste Schüler spüren, wie sich eine Vollbremsung anfühlt

    Die Schülerinnen und Schüler werden ermutigt, lieber abzuwarten, als ungesehen in die Strasse zu laufen. Das soll natürlich das Verhalten der Lenkerinnen und Lenker keineswegs rechtfertigen. Aber schlussendlich stellt sich doch einfach die Frage, was es einem bringt, im Recht zu sein, wenn man überfahren wird? Alles Geld der Welt bringt einem dann die gesunden Beine nicht mehr zurück. Das jetzt mal ein drastisches Beispiel vom Fahrlehrer.

    Vortrag von Fahrlehrer

    Auch Lachen darf nicht fehlen: Den Schülern gefällt die humorvolle Art des Fahrlehrers

    Ich bin zu dieser Zeit aber im Schulzimmer und höre nur das Quietschen der Reifen, wenn der Fahrlehrer mit einem mit Schülern gefüllten Auto eine Vollbremsung macht. Bevor mein Vortrag beginnt, blicke ich aus dem Fenster. Den Schülerinnen und Schülern scheint die Übung im Auto Spass zu machen.

    Ich am Einrichten der Präsentation

    Ich mache mich bereit – bald schon trudeln die Schülerinnen und Schüler für meinen Vortrag ein

    Ich darf das Thema «Suchtmittel im Strassenverkehr» vermitteln. Ich möchte meinen Vortrag nicht einfach nur herunterleiern, sondern unbedingt auch Persönliches reinbringen. Mein Ziel ist erreicht, wenn die Jugendlichen ab jetzt in der Lage sind, die Stimme zu erheben, wenn jemand sie betrunken nach Hause fahren möchte. Und seien es die eigenen Eltern. Was mir am meisten am Herzen liegt, ist, dass die Jugendlichen ihre Getränke im Ausgang nicht unbeobachtet lassen. Das habe ich auch klar kommuniziert und die Botschaft mit einem lebensechten Beispiel unterstrichen. Ich möchte den Jugendlichen ersparen, was andere erlebt haben.

    Ich am referieren

    Meine wichtigsten Punkte sollen wirklich ankommen

    Ich möchte, dass den Jugendlichen klar wird, was die Folgen von Drogenkonsum sind. Wir betrachten die verschiedenen Drogen – auch die legalen. Dazu verwende ich als Beispiel einen Verkehrsunfall, bei dem Alkohol im Spiel war.

    Ich am referieren

    Alkohol: Die Jugendlichen sollen wissen, was die Folgen sein können

    Ich halte solche Vorträge gern. Letztes Jahr war ich auch schon dabei. Es erfüllt mich, Jugendlichen etwas Gutes auf den Weg mitzugeben und sie zu prägen. Spannend sind jeweils auch die Fragen, die sie mir am Schluss stellen.

    Schülerin streckt auf

    Die Schülerinnen und Schüler stellen spannende Fragen

    Nicht alle betreffen die Thematik Alkohol und Drogen, aber ich informiere gerne über meine polizeiliche Tätigkeit. Eine junge Dame fragt mich, ob ich schon einmal schiessen musste. Ich musste meine Waffe bereits ziehen, aber ich bin froh, dass ich noch nie schiessen musste. Und hoffe, das bleibt auch so.