Hurra, der Quartierpolizist kommt in den Kindergarten!

02. März 2018 09:50 von Paul Widrig

Es ist 8 Uhr morgens, als ich den Kindergarten am Achslenweg in St. Gallen aufsuche. 17 Kinder rutschen ungeduldig auf ihren im Kreis stehenden Stühlen herum, schwatzen durcheinander, lachen und gestikulieren. Dann betrete ich in meiner blauen Uniform das Zimmer, es wird für einen Moment lang ruhig. „Grüezi Herr Polizist“, rufen die Kinder. Einige Kids stehen auf und geben mir die Hand.  Dann geht das fröhliche Geschnatter der Kindergärtler weiter.

Kurzes Vorstellen und Kennenlernen, während alle im Kreis sitzen.

Zweimal im Jahr besuche ich den Kindergarten am Achslenweg, um den Kleinen etwas über Sicherheit im Verkehr beizubringen. Damit unterstütze ich unsere Verkehrs- und Sicherheitsinstruktoren. Insgesamt betreue ich als Quartierpolizist acht Kindergärten sowie die Tagesbetreuung St. Fiden.

Zur Verkehrsinstruktion gehört ein Spaziergang mit der Gruppe durch das Quartier, doch vorher stimme ich die Kindergärtler auf das Thema „Sicherheit im Strassenverkehr“ ein. Ich setze mich ebenfalls auf einen Kinderstuhl. „Was kommt einem auf der Strasse entgegen?“, will ich wissen. „Autos!“, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen, „Traktor! Velos! Töffs! Busse!“, tönt es weiter. „Bevor me laufe cha, mues me warte, luege, lose und dänn erst laufe“, weiss eines der Kinder. Nach dieser Fragerunde rolle ich einen Plastik-Fussgängerstreifen aus. Die Kinder dürfen Holzbauklötze holen. Gemeinsam mit den Kindern baue ich eine Strasse und ein Trottoir.

Anhand der nachgebauten Strassensituation üben wir zuerst im sicheren und vertrauten Unterrichtszimmer.

Nach dieser Übungssequenz fordere ich die Kinder auf, sich warm anzuziehen. „Draussen ist es bitter kalt!“, rufe ich den Kindergärtlern nach. Die Kinder verschwinden in der Garderobe, wo sie die Finken gegen Turnschuhe und Stiefel austauschen. Sie ziehen ihre Winterjacken, Halstücher und Wollkappen an. Mit dem „Kindsgistreifen“ über den Kleidern, einem orangen Bändel mit reflektierenden Streifen, bilden sie eine Zweierreihe, halten sich an den Händen und warten artig vor dem Kindergarten, bis ich sage, wohin es geht. Die 4- bis 6-jährigen Kinder setzen sich in Bewegung und erreichen nach wenigen Metern via Achslenweg die Fuchsenstrasse. Dabei werden wir von der Kindergarten-Lehrperson, Mirjam Tanner, begleitet. Bei der Strassenverengung auf der Fuchsenstrasse machen wir Halt, repetieren nochmals die wichtigste Regel, „warte, luege, lose, laufe“, drehen den Kopf nach rechts und nach links. Anschliessend überqueren alle nacheinander die Strasse unter der Aufsicht von mir.

Die Kinder überqueren eine kleine Nebenstrasse und wenden dabei das Gelernte an.

„Sind alle parat?“, frage ich, als die Kinder auf der anderen Strassenseite angekommen sind. „Ja!“, schallt es wie aus einer Kehle, und weiter geht es auf dem Trottoir der Fuchsenstrasse in Richtung Martinsbruggstrasse. Nun müssen die Kinder üben, wie man die Strasse zwischen zwei parkierten Autos überquert. „Was müsst ihr zuerst machen, bevor ihr zwischen die beiden Autos geht?“ frage ich die Kinder. „Zuerst hineinschauen, ob jemand im Auto bzw. hinter dem Lenkrad sitzt!“ ruft ein Mädchen. „Danach kann man zwischen die Autos gehen!“ erklärt ein Knabe. „Wo s’Auto ufhört, muss i nomol stoh bliebe, lose und luege!“ rufen die Kinder im Chor. Nach dieser Übung geht es weiter zur Martinsbruggstrasse.

Ich zeige den Kindern, wie man korrekt zwischen geparkten Autos die Strasse überquert.

Hier kommt die härteste Probe. „Jetzt alle aufpassen, jetzt wird's ganz schwierig“, kündige ich an. „Keinen Blödsinn machen!“. Es gilt, die Martinsbruggstrasse zu überqueren. Wieder wird alleine geübt. Auf der Verkehrsinsel in der Mitte der Strasse machen alle einen Zwischenstopp, grüssen brav die Autofahrer, die vor dem Fussgängerstreifen halten, und marschieren dann weiter. Der Weg führt zurück zum Kindergarten.

Zum Abschluss überqueren die Kinder mit der Martinsbruggstrasse eine „grosse“ Strasse mit Verkehrsinsel.

Zurück im Kindergarten setzen sich die Kinder wieder in einen Kreis. Noch einmal werden die wichtigsten Punkte durchgesprochen. Ich zeige den Kindern anhand von Bildern verschiedene Verkehrssituationen auf dem Trottoir und auf der Strasse. Dabei frage ich sie: „Was ist richtig oder was ist falsch? Ihr wisst jetzt, die Strasse ist gefährlich“, sage ich zum Schluss.

Alle Kindergärtler erhalten von mir ein Säcklein mit Gummibärchen, was ich mit der Warnung verknüpfe, von fremden Personen nie etwas anzunehmen.

„Herr Widrig, Herr Widrig, wa isch das? Isch das ä echte Pistole? Händ si au scho än Räuber gfange?“ Die Polizeiuniform mit der Pistole, Handfesseln, Taschenlampe, Funkgerät und dem Mehrzweckstock, wie auch das Polizeiauto sind für die Kinder einfach der Megahit. „Sie Herr Widrig, wänn chunsch wieder?" fragten die Kinder, als ich mich verabschiedete.

Paul Widrig,

Quartierpolizist Grossacker/Krontal/Neudorf


 








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