Wochenserie 1/5: Warum es die bürgernahe Polizeiarbeit braucht

05. August 2019 12:38 von Paul Widrig

Er ist im Quartier unterwegs, man kennt ihn und winkt ihm zu und er kennt sein Quartier wie seine Hosentasche: der Quartierpolizist.

Quartierpolizisten übernehmen eine andere Aufgabe als die anderen Polizisten. Doch was sind die Aufgaben des Quartierpolizisten? Und wie entstand diese Funktion?

Ende der 1970er-Jahre, mit der zunehmenden Motorisierung und mit der Auflösung der Polizeiaussenposten im Jahr 1973, verlor die Stadtpolizei St.Gallen zunehmend den direkten Kontakt zur Stadtbevölkerung. Der Informationsaustausch zwischen der Bevölkerung und der Polizei funktionierte nicht optimal. Die Probleme in den Quartieren konnten nicht mehr von der Stadtpolizei frühzeitig wahrgenommen werden. Die Bürger hatten früher mit einem Polizeiposten im Quartier einen zuverlässigen Ansprechpartner bei der Polizei. Dort konnte jede Person seine Anliegen anbringen. Mit dem Wegfall der Polizeiaussenposten wurde diese Möglichkeit als Anlaufstelle für die Bevölkerung ersatzlos gestrichen.

Dieser negative Umstand wurde von der Bevölkerung nicht einfach so hingenommen. Sie reagierten mit einem politischen Vorstoss im Stadtparlament. Ein Quartierpräsident, der auch im Gemeinderat sass, setzte sich für die Wiedereinführung der Polizeiaussenposten ein. Im Zuge dieser Debatte wurden im Jahr 1980 anstelle von Polizeiaussenstationen sukzessive die Kontaktbeamten (Fachmitarbeiter Quartierpolizei) in den Stadtquartieren eingeführt.

Quartierpolizisten sind in ihrem Quartier unterwegs und pflegen einen regen Informationsaustausch mit der Bevölkerung.

Heute betreuen neun Quartierpolizisten die acht Reviere in der Stadt St.Gallen. Ihnen obliegen die tägliche Betreuung und der Informationsaustausch mit der Bevölkerung. Sie wenden das Konzept der bürgernahen Polizeiarbeit an, welches ursprünglich aus den USA stammt. Unter dem sogenannten «Community Policing» versteht man die Partnerschaft zwischen der Polizei und der Bevölkerung in einem permanenten Problemlösungsprozess. In den USA wurde das «Community Policing» zur Bekämpfung der Kriminalität und der Unfallprävention bei der Polizei angewandt. Nach dem gleichen Prinzip wird die bürgernahe Polizeiarbeit bei der Stadtpolizei St.Gallen gelebt.


 








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