Archiv für 'September 2017'

    Sicher aus der Shopping Arena

    20. September 2017 16:02 Von Thomas Christen

    Dienstagmorgen. Es ist 9:17 Uhr. Ich befinde mich in der Shopping Arena. Über die Sprechanlage ertönt der Notruf «Achtung, Achtung». Dreimal wird ausgerufen, dass das Gebäude über die Notausgänge zu verlassen ist. Wegen einer schwerwiegenden technischen Störung. Es dauert einen kleinen Moment, bis die einzelnen Personen die Aufforderung begreifen.

    Besucher verlassen die Shopping Arena

    Besucher der Shopping Arena verlassen langsam das Gebäude

    Dann bewegen sich langsam immer mehr Menschen Richtung Ausgang. Hier bewähren sich die verschiedenen Notausgänge und die üblichen, leuchtend-grünen Anzeigen.

    Ich am Informationsschalter

    Ich beziehe Stellung am Informationsschalter

    Ich begebe mich zu meinem Posten am Informationsschalter. Mein Job ist es, die Abläufe zu überwachen und dem Sicherheitsverantwortlichen anschliessend ein Feedback zu geben. Natürlich unterstütze ich auch Personen, die nervös sind und zeige ihnen den kürzesten Weg hinaus. Mein Kollege befindet sich bereits beim Sammelplatz und überwacht die dortigen Abläufe. 

    In jedem Geschäft schliesst eine Person ab, nachdem alle den Laden verlassen haben. Zusätzlich gibt es pro Geschäft einen Räumungshelfer mit Weste.

    Sicherheitsverantwortlicher instruiert Räumungshelfer

    Der «Chef Evakuation» instruiert die Räumungshelfer

    Ich mache einen letzten Kontrollgang im Gebäude und verlasse dann auch die Shopping Arena. Normalerweise ist das Einkaufszentrum um diese Uhrzeit von Gesprächen, Düften und dem Tippen der Kassen erfüllt. Jetzt ist es ganz ruhig und ich erinnere mich an diese Filme, in denen die Protagonisten aus Versehen am Abend im Einkaufszentrum eingeschlossen werden.

    Kontrollgang Shopping Arena

    Kontrollgang in der leeren Shopping Arena

    Was ist passiert? 

    Der «Chef Evakuation» und der «Chef Sammelplatz» haben sich mit den herausströmenden Menschen am Sammelplatz zusammengefunden. Dort melden sich die Räumungshelfer – es wird gewartet, bis sie vollzählig sind. Die Menschenmenge ist nicht sehr gross. Zu Stosszeiten sähe das ganz anders aus. Die Stimmung scheint entspannt zu sein; es weiss aber niemand genau, was los ist. «Bestimmt ein Fehlalarm», scheinen sich manche zu denken.

    Evakuierte Personen am Sammelplatz

    Die evakuierten Personen warten am Sammelplatz

    Dann können endlich alle wieder aufatmen. Der «Chef Evakuation» gibt per Megafon bekannt, dass es sich um eine angeordnete Evakuationsübung handelt. Die Shopping Arena wird eine knappe Viertelstunde nach Start der Übung wieder geöffnet.

    Sicherheitsverantwortlicher gibt Entwarnung

    Der «Chef Evakuation» gibt Entwarnung

    Zur Aufmunterung der unfreiwillig Beteiligten gibt’s gleich noch einen Getränkegutschein, den sie in der Shopping Arena einlösen dürfen.

    Getränksgutschein für unfreiwillig Beteiligte

    Aufmunterung für die unfreiwillig Beteiligten

    Ich wurde natürlich im Voraus über die Evakuationsübung informiert. In einer anschliessenden Besprechung mit dem Sicherheitsverantwortlichen haben wir etwaige Schwachpunkte der Evakuation besprochen. Sehr froh war ich darüber, hauptsächlich Lob aussprechen zu können. Die einzelnen Schritte der Evakuation wurden schnell und korrekt ausgeführt. 

    Als ich nach der Evakuationsübung ins Polizeiauto steige, hoffe ich, dass es nie zu einem solchen Ernstfall kommt. Daher ist es beruhigend zu wissen, dass wir auf den Ernstfall vorbereitet sind.

    Von klein auf sicher über die Strasse

    12. September 2017 09:59 Von Thomas Christen

    Ich bin ein bisschen aufgeregt. Schliesslich ist es mein erstes Mal als Quartierpolizist im «Chindsgi». Eine der schönen Seiten an meinem Beruf, wenn ich aktiv etwas dazu beitragen kann, Verkehrsunfälle zu verhindern. Mit Sack und Pack verlasse ich mein Polizeiauto. Ganz schön viel, was ich da alles mitschleppe: den schönen Polizei-Bobbycar, den Zebrastreifenteppich, Mitbringsel für die Kinder und Bilder, die ich beim Erklären zeige.

    Polizei-Bobbycar im Kindergartenzimmer

    Der Polizei-Bobbycar kommt bei den Kindern immer gut an

    Vor dem Kindergarten werde ich von aufgeregten Kindern begrüsst: «Hallo, Herr Polizist!» Ich gehe an ihnen vorbei ins Zimmer und bereite mich auf die Stunde vor. Dann kommen sie, einer nach dem anderen. Zuerst erkläre ich ihnen die wichtigsten Dinge. «Luäge, lose, laufe» kennen die meisten. Ich bin froh, dass es im Kindergarten auch Schmetterlinge hat – die «Grossen». Sie sind Vorbilder für die jüngeren Raupen und können ihnen auf der Strasse helfen. 

    Kindergartenkinder ganz konzentriert

    Die Kindergartenkinder ganz konzentriert

    Ich zücke meine Bilder und frage die Kinder, was sie darauf sehen. An die fünf Hände schiessen in die Höhe. Nachdem wir alle Bilder angeschaut haben, zeige ich auf dem Zebrastreifenteppich, wie man korrekt über die Strasse geht. Die Kinder dürfen es nachmachen. Sie sind richtig gut darin.

    Ich zeige den Kindern ein Bild

    Die Kinder machen eifrig mit

    Na los, auf geht’s! Als wir die Theorie angeschaut haben, wagen wir uns auf die Strasse. Beim Anziehen der Schuhe müssen wir noch aufpassen, dass die Kinder keine «Bananenfüsse» kriegen – die Schuhe also nicht verkehrt anziehen. Die Jacke wird auch angezogen, denn draussen ist es schon ein bisschen frisch. Nicht fehlen darf natürlich der obligate Kindergartenstreifen. Die Kinder in Zweierreihen, immer ein Schmetterling mit einer Raupe, machen wir uns auf den Weg. Einmal kurz um die Ecke und schon sehen wir den Zebrastreifen.

    Vom Kindergartenzimmer auf die Strasse 

    Ich zeige den Kindern erst einmal alles vor. Sie sind konzentriert und ruhig. An den Rand des Trottoirs stehen, auf beide Seiten schauen, gut hinhören und loslaufen, wenn kein Fahrzeug in der Nähe sicht- oder hörbar ist. Während ich die Strasse überquere, blicke ich noch einmal auf beide Seiten.

    Die Kinder und ich blicken nach rechts

    Die Kinder und ich blicken nach rechts, um zu schauen, ob ein Fahrzeug kommt

    Nach mir sind die Kinder dran. Zuerst dürfen sie zu zweit. Einigen fällt es schwer, nicht nur das Sprüchli «Luäge, lose, laufe» aufzusagen, sondern es auch wirklich umzusetzen. Dann knie ich neben sie hin und helfe ihnen. Natürlich ist es wichtig, dass ich und die Kindergartenlehrperson gut mitschauen.

    Ich zeige den Kindern, wie man über die Strasse geht

    Der Schmetterling zeigt der Raupe, wie man korrekt über die Strasse geht

    Plötzlich erlebe ich etwas Ungewöhnliches. Als ich an der Strasse stehe und den Kindern zeigen möchte, wie sie ganz allein die Strasse überqueren können, nähert sich ein Auto. Statt zu bremsen versucht der Autofahrer verbotenerweise weiterzufahren. Dieses Verhalten kann ich nicht tolerieren und ich stoppe den Wagen. Der Autofahrer ist mit mir nicht einig, weswegen ich ihn kurz zur Seite nehme. Nach einem kurzen Gespräch ist alles geklärt und ich bin froh, zu den Kindern zurückkehren zu können. Gut aber, dass sie gerade gesehen haben: Es läuft im Leben nicht immer so, wie man es erwartet. Man muss sich ganz sicher sein, ob ein Fahrzeug anhält oder nicht.

    Eine Verschnaufpause gibt es nicht, wir machen gleich weiter. Mutig stellen sich die Raupen der Herausforderung. Auch ohne Schmetterling geht es. Und ich muss jetzt auch nicht mehr eingreifen, denn es gibt sie auch: Die anständigen Autofahrerinnen und Autofahrer, die anhalten, wenn eine Person die Strasse überqueren möchte. Deswegen gibt es gleich noch ein Daumenhoch für einen Autofahrer.

    Ein Daumenhoch von mir an den Autofahrer

    Super, wenn die Verkehrsbeteiligten auch mitmachen – da gibt’s gleich ein Daumenhoch von mir

    So, meine Arbeit hier ist vorerst getan. Zum Abschluss taucht die Sirene unseres kleinen Polizei-Bobbycars das Kindergartenzimmer in blaues Licht und ich verabschiede mich klatschend von den Kindern. «Bis zum nächsten Mal!», sage ich. Denn im Frühling komme ich wieder und dann machen wir uns auf zu einer stärker befahrenen Strasse. Ich bin sicher, die Kinder werden das super meistern.