In der Stadtverwaltung St.Gallen sind heute 275 Fahrzeuge, darunter 142 Personenwagen und 133 Lieferwagen, unterwegs. Davon sind 17 Personenwagen und sechs Lieferwagen rein elektrisch betrieben, was rund 8,4 Prozent entspricht. Zudem stehen zehn Plugin-Hybrid-Personenwagen zur Verfügung. Das erste bewilligte E-Fahrzeug der Stadtverwaltung ist ein Peugeot iON. Er wurde am 16. Juli 2012 eingelöst und von Entsorgung St.Gallen genutzt.
Für die Bewilligung eines Fahrzeugs ist die Dienststelle «Umwelt und Energie» der Stadt St.Gallen zuständig. Die Beschaffung hängt von zahlreichen Kriterien ab: Als erstes wird geklärt, ob ein Fahrzeug überhaupt notwendig ist oder ob alternativ Carpooling bzw. Carsharing möglich ist. Wenn ein neues Fahrzeug beschafft werden muss, wird die Art anhand des Einsatzzweckes entschieden. Grundsätzlich möchte die Stadt St.Gallen in Zukunft – besonders in Hinsicht auf die Erreichung der Ziele aus dem Energiekonzept – nur reine E-Fahrzeuge beschaffen. Ausnahmen kommen vor, müssen jedoch begründet werden. Bei den Personenwagen gibt es – ausser bei Fahrzeugen der Blaulichtorganisationen – kaum noch Gründe für eine Ausnahme. Bei den Lieferwagen ist die Auswahl deutlich kleiner und Kriterien, wie der fehlende Allradantrieb oder das begrenzte Zuladungsgewicht sind oft Gründe für eine Abweichung. Alternativ werden in solchen Fällen zurzeit noch Plugin-Hybride, Gas- oder Dieselfahrzeuge beschafft.
E-Mobilität zahlt sich aus
Auch die städtischen Dienststellen und Betriebe profitieren beim Kauf von E-Fahrzeugen von Förderbeiträgen aus dem Energiefonds. Gefördert werden Kauf und Leasing von rein elektrisch betriebenen Personen- und Lieferwagen mit einem Neupreis unter CHF 60‘000 für die gewerbliche Nutzung. Auch hier müssen aber gewisse Bedingungen gegeben sein. Zum Beispiel muss das Fahrzeug so gestaltet sein, dass die gewerbliche Nutzung von aussen deutlich erkennbar ist, z.B. durch eine Beschriftung. Die Förderbeiträge variieren je nach Art des Fahrzeugs. Für Personenwagen mit rein elektrischem Antrieb beträgt der Beitrag CHF 4‘500. Falls das Fahrzeug zusätzlich mit einer Wärmepumpenheizung ausgestattet ist, sind es CHF 5‘000. Für elektrisch angetriebene Motorräder gibt es CHF 1‘500 und für elektrisch angetriebene Lastenfahrräder, sogenannte E-Cargobikes, CHF 1‘000.
Neben der Beschaffung von elektrisch betriebenen Fahrzeugen ist auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur eine wichtige Massnahme zur Förderung der Elektromobilität in der Stadt St.Gallen. In den nächsten Jahren soll deshalb ein bedarfsgerechtes Angebot an öffentlichen Ladestationen für Elektrofahrzeuge aufgebaut werden. Die St.Galler Stadtwerke (sgsw) betreiben bereits fünf Schnellladestationen und 60 öffentliche Ladepunkte auf Stadtgebiet.
Von der Grüngutsammlung bis zum Patrouilleneinsatz
Die Stadt St.Gallen hat sich im Rahmen des «Energiekonzepts 2050» das Ziel gesetzt, bis im Jahr 2050 den Anteil der Elektrofahrzeuge im Personenverkehr auf 100% zu steigern. Die Dienststellen unterstützen dieses Ziel, gehen mit gutem Beispiel voran und zeigen, dass Elektromobilität im Alltag der Stadtverwaltung umsetzbar ist.
Bei Entsorgung St.Gallen ist seit Ende August ein voll elektrifiziertes Sammelfahrzeug in der Grüngutabfuhr in Betrieb. Damit wird die Grüngutabfuhr noch ökologischer. Der Elektrolastwagen eignet sich insbesondere für den Einsatz auf Kurzstrecken mit vielen Stopps, wie dies bei der Grüngutsammlung der Fall ist. Im Betrieb verursacht das neue Fahrzeug weder Schadstoffe noch Russpartikel, ausserdem ist es geräuscharm. Selbst die Reinigung der Grüngut-Container ist ökologisch. Das Kehrichtheizkraftwerk verwertet den bisher energetisch ungenutzten Brüdendampf zur Warmwasseraufbereitung. Das gewonnene Warmwasser wird im Fahrzeug in einem Sauberwassertank mitgeführt und bei Bedarf für die Containerreinigung genutzt.
Stadtgrün hat Ende dieses Jahres gleich drei neue elektrisch betriebene Lieferwagen beschafft. Sie werden in den Unterhaltsgruppen für Material- und Personentransporte eingesetzt. Zwei davon sind etwas kleiner, um die Wege in den Parkanalagen besser befahren zu können. Auf den Friedhöfen sind schon seit vielen Jahren mehrere Elektrofahrzeuge unterwegs. Gemäss Adrian Stolz, Dienststellenleiter Stadtgrün, eigne sich die kleinere Fahrzeugkategorie bestens für den internen Betrieb und die Nutzungsbedürfnisse von Stadtgrün. Die Elektrofahrzeuge werden hauptsächlich für Unterhaltsarbeiten eingesetzt, aber auch für die üblicherweise kurzen Strecken, welche die Dienststelle innerhalb der Stadt zurücklegt.
Auch die Stadtpolizei St.Gallen möchte ihre Verbrennungsmotorfahrzeuge durch solche mit ökologischeren Antriebssystemen ersetzen. Im Rahmen einer Diplomarbeit wurde die aktuelle Situation hinsichtlich der Beschaffung von Elektrofahrzeugen in der Stadtpolizei analysiert. Die Arbeit hat gezeigt, dass auch ein E-Fahrzeug ohne grössere Einschränkungen als Streifenwagen genutzt werden kann. Nach einer Testphase wurde eine Empfehlung für ein geeignetes E-Fahrzeug ausgesprochen. Die Wahl fiel auf einen Audi e-tron. Das Modell deckt die Anforderungen für den Betrieb als Streifenwagen am besten ab. Ausserdem geniesst es eine hohe Akzeptanz bei der künftigen Nutzerschaft. Der neue Audi e-tron soll noch dieses Jahr in Betrieb gehen. Laut Sandro Niklaus, Leiter Logistik bei der Stadtpolizei, bestehe die grösste Herausforderung darin, dass das Fahrzeug 24 Stunden zur Verfügung stehen muss. Somit könne man keine fixen Zeitfenster festlegen, um es laden zu können. Je nach Ladezustand müsse das Fahrzeug deshalb bei einer Schnellladestation abgestellt oder zwischenzeitlich für die Weiterverwendung gesperrt werden. Hier gelte es Erfahrungen zu sammeln und wenn nötig Abläufe zu optimieren.
