Stadtspiegel: Im Jahr 2022 sind Sie der höchste St.Galler. Was ist das für ein Gefühl?
Jürg Brunner: Bis jetzt ein ganz gutes! Das Amt ist wegen meiner Sehbehinderung ein wenig eine Herausforderung, aber es macht mir viel Freude.
Sind Sie jetzt ein beliebter Mensch?
Wenn man ein politisches Amt ausübt, ist man bei einigen Leuten leider eher mal unbeliebt, weil das Desinteresse in der Bevölkerung an der Politik immer grösser wird – und das hat sich in den letzten beiden Jahren wegen Corona noch verstärkt.
Warum sind Sie Politiker?
Die Welt verändert sich laufend. Und wenn es einem nicht egal ist, wie die Zukunft aussieht, muss man sich in der Politik engagieren – aber vielleicht liegt es auch in meinen Genen.
Was mögen Sie an/in der Stadt St.Gallen?
Mir gefällt das meiste an St.Gallen, deshalb sage ich Ihnen Einfachheit halber lieber, was mir an St.Gallen weniger gefällt, nämlich dass die Stadt nicht an einem grösseren Gewässer liegt. St.Gallen an einem See oder Fluss, das wäre toll.
Worüber ärgern Sie sich?
Ich ärgere mich selten. Und wenn, dann über Dinge, über die man nicht lachen kann. Man sollte sich mehr freuen und über Geschehnisse lachen können. Negative Gefühle lösen Problem nie.
Was würden Sie verändern, wenn es alleine in Ihrer Macht stünde?
Einiges – aber ehrlich gesagt bin ich schon damit genug beschäftigt, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Aber so auf die Einfache würde ich mir wünschen, dass sich mehr Menschen für das Geschehen im In- und Ausland interessieren und sich engagieren würden. Bezogen auf heute, 28.2.2022: Putin raus aus der Ukraine!
Wer ist Ihr Vorbild und warum?
Meinen Vater, mein Grossvater, weil sie immer Zeit für die Familie hatten und trotzdem wirtschaftlich sowie gesellschaftlich etwas Positives bewegt haben. Dennoch fanden sie auch Zeit für die schönen Seiten des Lebens (Hobbies). Sie haben nie über Work-Life-Balance gesprochen, sie konnten einfach ihre Lebenszeit einteilen.
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei Kolleginnen und Kollegen?
Ich schätze Einfachheit und Humor. Mit solchen Menschen ist der Umgang unkompliziert, man findet Lösungen und kann miteinander etwas unternehmen.
Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Orthografiefehler.
Wie würden Ihre Arbeits- und Parlamentskolleginnen und -kollegen Sie beschreiben?
Sie sagen, ich sei so nett, so kompetent und sie hätten noch nie einen besseren Chef/Parlamentspräsidenten kennen gelernt und ich soll mich als Geschäftsführer der Spitex St.Gallen AG melden – okay, das war ein Witz. Ich möchte niemandem Worte in den Mund legen!
Was nervt andere an Ihnen?
Keine Ahnung – aber vielleicht ärgert es einige Leute, dass ich ein bisschen eine politische Wundertüte bin und zum Beispiel nicht immer auf der SVP-Welle reite.
Womit kann man Sie wütend machen?
Gewalt an Frauen, Schwächeren und Minderheiten machen mit wütend.
Gibt es Bücher auf lhrem Nachttisch? Welche?
Da es mir immer schwerer fällt Bücher zu lesen – Bücher haben ja meistens die Schriftgrösse 9 und kleiner – lese ich im Bett nur selten. Zuletzt war es aber Sahra Wagenknechts Plädoyer ›Reichtum ohne Gier‹
Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung ausserhalb Arbeit und Politik?
Kochen für die Familie und Gäste. Als Hobby mache in noch ein wenig Familienforschung.
