Du hast während 22 Jahren unser Personalmagazin «Stadtspiegel» betreut und zahlreiche Artikel verfasst. Gibt es eine Geschichte, die Dir besonders geblieben ist?
Es sind nicht einzelne Geschichten, die in Erinnerung bleiben, es sind die Menschen. Viele Kolleginnen und Kollegen haben mir Einblick in ihre Arbeit und in ihre Projekte gegeben, einige auch in ihr Leben. Dafür bin ich dankbar, denn diese Begegnungen haben meine Arbeit nicht nur spannend, sondern auch bereichernd gemacht.
Eine Stadtspiegel-Nummer erfordert viel Arbeit, wie entsteht das Personalmagazin eigentlich?
Jede Ausgabe des Stadtspiegels ist ein Gemeinschaftswerk. Vor Corona haben sich die Mitglieder der Redaktion jeweils persönlich zur Inhaltsplanung und Arbeitsvergabe getroffen – in den letzten Monaten leider nur noch online. Jede und jeder bringt seine Ideen und Vorschläge ein, Projekte aus der jeweiligen Direktion, manchmal auch persönliche Interessen. Gibt es etwas Spannenderes, als zum Beispiel eine Nachtschicht bei der Stadtpolizei zu begleiten, den Botanischen Garten oder das Kehrichtheizkraftwerk mit Privatführung zu besuchen, um nachher darüber zu schreiben?
Interne Kommunikation ist oft eine Gratwanderung zwischen Interessenwahrung der Arbeitgeberin und schonungslosem Berichten. Wie bist Du damit umgegangen, letztlich eben doch mit der «Stadtbrille» zu schreiben?
Die Personalzeitschrift ist nicht der richtige Ort für kontroverse Diskussionen. Im besten Fall kann man verschiedene Stimmen abholen zu einem Thema, aber richtig böse will sich dann letztlich doch niemand äussern. Für einige ist der Stadtspiegel wohl deshalb zu wenig frech.
Wurde auch einmal Zensur geübt?
Einmal musste ich nach dem Gut zum Druck die Titelgeschichte streichen. Es war der Bericht eines Stadtpolizisten über seinen Einsatz am WEF (World Economic Forum). Er erzählte, wie er sich fühlte, als am Bahnhof Landquart zuerst «Schlötterlig» dann Schottersteine flogen… Grund dafür war aber nicht Zensur, sondern eine sehr strenge Auslegung des Erstinformationsrechts für das Stadtparlament.
Aus Spargründen wurde die Printausgabe des Stadtspiegels vor gut einem Jahr eingestellt. Was macht den Reiz von Print aus?
Man kann eine Zeitschrift nicht einfach wegklicken. Ich kann lesen, wo und wann ich Zeit und Lust habe, beim Frühstück, in der Pause, im Garten, auf dem Sofa und ich kann sie an Freunde oder Familienmitglieder weitergeben oder ein wenig auf dem Salontisch liegen lassen. Und vor allem kann ich sie anfassen und durchblättern. Bei allem Verständnis für die Digitalisierung: Das ist eine komplett andere Leseerfahrung.
Wie sind die Reaktionen auf den Online-Stadtspiegel ausgefallen?
Positiv, obwohl es nicht viele direkte Reaktionen gab. Aber wir sind im September 2021 mit rund 700 Adressen gestartet und haben inzwischen über 1000 Abonnentinnen und Abonnenten.
Schreiben liegt Dir im Blut, wie lebst Du Dein Schreibtalent im Ruhestand nun aus?
Dieses Talent wird vermutlich einige Zeit ruhen. Ich freue mich auf alles, was man ohne Computer tun kann.
Herzlichen Dank, Marianne, für Deine unzähligen Geschichten, die Du uns aus der Stadtverwaltung erzählt hast. Alles Gute!
