«Die Liedli send o numme neu ond glich no guet zom Gnüüsse!» – Der Text von Ulrich Diem aus dem Jahr 1897 zeigt, dass man sich schon vor über 125 Jahren auf allseits bekannte und zum Fest passende Klänge verlassen konnte. Dass das Kinderfest auch in den folgenden Jahren verschiedenste Lyrikerinnen und Lyriker inspirierte, zeigt die Vielzahl der überlieferten Texte und Lieder, beispielsweise von Frida Hilty-Gröbly, Johann Linder oder dem oft genannten Georg Thürer zusammen mit Paul Huber.
Mehr über das Kinderfest und seine Lieder aus vergangenen Tagen finden Interessierte hier neues Fenster. (Kapitel «Texte und Lieder»)
Allen Liedern gemeinsam ist die szenische Schilderung des Kinderfestes, die die Hörerschaft mit auf die Wiese hoch über der Stadt nimmt und die grillierten Bratwürste riechen lässt. Die Musikstücke versetzen direkt in die Vorbereitungen oder das Geschehen des Festes. Im neuen Lied von Roman Riklin fehlt dieser Kern. Vielmehr geht es um die Jugendlichen von heute, was sie beschäftigt und was ihnen wichtig ist.
Von der Matura direkt auf die Bühne
Roman Riklin, seit über 30 Jahren als Musiker, Songwriter und Autor unterwegs, konnte schon in jungen Jahren eines am besten: auf der Bühne stehen. Nach der Matura ist er als junger Familienvater einfach reingerutscht. Aber im Nachhinein betrachtet, wollte er wohl ohnehin nie eine Ausbildung machen. Er hatte schon früh mehr als genug eigene Ideen und einen starken Antrieb. Lernsüchtig, wie er sich selbst bezeichnet, hat er damit den für ihn perfekten Weg eingeschlagen.
Der Erfolg liess glücklicherweise nicht lange auf sich warten: Zwei Jahre nach der Gründung seiner Band Mumpitz wird diese als beste Schweizer Nachwuchsband ausgezeichnet. Es folgten zahlreiche Theaterstücke, Musicals und eigene Bühnenauftritte als Sänger und Musiker. Die Kraft, die ein Lied haben kann, um Gefühle und Werte zu transportieren, war ihm von Anfang an bewusst und stand auch beim Schreiben des neuen Kinderfestliedes im Vordergrund.
Weder nostalgisch noch futuristisch
Bereits vor dem Schreiben war Roman Riklin klar, dass das neue Kinderfestlied nicht die Stadt selbst thematisieren sollte, denn «das würde niemanden interessieren». Vielmehr sollten die Worte der Jungen aus der Stadt im Fokus sein. Aus diesem Grund ist dann auch die Zusammenarbeit mit der Chorklasse des OZ Schönau inklusive des Musiklehrers und Chorleiters Manuel Hengartner entstanden. Nach anfänglich aufgestellten Leitplanken sei der ganze Prozess von einem «hohen Mass an Vertrauen und geringer Kontrolle» geprägt gewesen, so Riklin.
Die Zusammenarbeit begann mit einer Textwerkstatt, in der über 200 Wörter gesammelt wurden, um ein Gefühl für die Anliegen und Werte der Jugendlichen zu bekommen.
Anschliessend sammelten sie mögliche Botschaften des Songs, die auch als Grundlage für einen Titel dienen sollten. Was dabei immer wieder auftauchte, war die Überzeugung, dass man sich selbst sein sollte und dass alle etwas gemeinsam haben. So vermittelt auch das Endresultat, dass alle ein individueller Teil eines Kollektivs sind. Damit ist auch die Vision von Roman Riklin Wirklichkeit geworden:
Für mich war es sehr wichtig, dass die Jugendlichen ihre Stimme erheben konnten und dass das Lied etwas Positives mit ihnen macht. Dass sie merken, dass sie mehr sind als die Summe ihrer Teile und dass das vielleicht auch zu einem gewissen Selbstwirksamkeitsgefühl beitragen kann.
Er selbst verstand sich lediglich als Medium, das den Jugendlichen eine Stimme gab und ihren Input mit dem Handwerk des Songwritings in ein Lied übersetzte. Dementsprechend steckt hinter jeder Zeile des Songs eine konkrete Aussage der Chorklasse. Trotz des Mottos des diesjährigen Jubiläums «1824 - 2024 - 2224» ist der Ton daher weder nostalgisch noch futuristisch: Das Lied spiegelt die aktuellen Gefühle und Anliegen der heutigen Jugend wider.
Jedes Jahr ein neues Lied?
Ob das Lied nur in diesem Jahr gespielt und gesungen wird oder ob es auch in Zukunft verwendet wird, bleibt abzuwarten. Die Hoffnung von Roman Riklin ist aber, dass sich auch über die Chorklasse hinaus möglichst viele Kinder damit identifizieren können. Dass «sein» Lied zu einem festen Bestandteil des Kinderfestes wird, ist ihm nicht wichtig. Vielmehr würde er sich freuen, wenn für künftige Feste wieder neue Lieder entstehen, auch mit anderen Songwritern und Songwriterinnen, die selbst schon am Fest teilgenommen haben. «Es gäbe ja noch viele andere», sagt er, «und dass ich ausgewählt wurde, sehe ich als Zufall.» Ein zentraler Punkt ist für ihn aber, dass sein Lied nicht speziell das Kinderfest thematisiert und daher vielseitiger eingesetzt werden kann als frühere Versionen, die oft etwas verloren gingen.
Der Song ist nun fertig geschrieben. Massimo Buonanno produziert ihn in Absprache mit Roman Riklin. Gleichzeitig nimmt Manuel Hengartner, Musiklehrer am OZ Schönau, den Song mit der Chorklasse auf. Es wird nicht mehr lange dauern, bis ihn die Öffentlichkeit zu hören bekommt. Am 2. April ist es so weit.
