Sinnstiftende und abwechslungsreiche Tätigkeit
«Bei der Arbeit ist man immer im Kontakt mit Menschen und man weiss nie, was einem erwartet», erzählt Patrick Stauffer. Er ist Ressortleiter und arbeitet bereits seit 14 Jahren beim Betreibungsamt. Das Betreibungsamt beschäftigt insgesamt 22 Mitarbeitende, die in vier Teams eingeteilt sind. Drei von vier Teams bearbeiten Betreibungsverfahren und sind im direkten Kontakt mit der Kundschaft. Das vierte Team kümmert sich vorwiegend um administrative Aufgaben und stellt beispielsweise Auszüge aus dem Betreibungsregister aus, führt die Buchhaltung der gesamten Dienststelle und ist erste Anlaufstelle für Fragen von Bürgerinnen und Bürgern. «Unsere Mitarbeitenden begleiten die Kundinnen und Kunden im gesamten Betreibungsprozess. Bei anderen Betreibungsämtern ist eine solch umfassende Betreuung nicht üblich. Dort ist man auf Teilgebiete spezialisiert», erklärt Bogdan Todic.
«Es ist eine sinnstiftende Arbeit, ein Zusammenspiel zwischen dem Rechtlichen und dem Menschen. Die Arbeit eines Betreibungsbeamten trägt zum Rechtsfrieden bei», ergänzt Patrick Stauffer. Zudem sei die Abwechslung bei der Arbeit immer gegeben, da jeder Tag anders aussehe: «Man sucht beispielsweise die Kundschaft zuhause im Aussendienst auf, sperrt Bankkonten, pfändet Vermögenswerte vor Ort oder führt Gespräche mit verschiedenen Anspruchsgruppen.»
Tägliche Aufgaben im Betreibungsamt
Zustellen von Zahlungsbefehlen, Pfändungen von Vermögenswerten, Einkommenspfändungen und Erstellen von Auszügen – das sind die Hauptaufgaben der Mitarbeitenden im Betreibungsamt. Laut Bogdan Todic, werden jährlich 15’000 Pfändungen vollzogen. Dabei werden Schuldnerinnen und Schuldner ausführlich einvernommen und es werden bewegliche Vermögenswerte wie Fahrzeuge, Uhren oder Schmuck sowie Forderungen wie Kontoguthaben bei Banken oder Anteile an Erbschaften gepfändet. Ein grosser Teil der Arbeit im Betreibungsamt nimmt die Einkommenspfändung in Anspruch. Bei einer Einkommenspfändung wird jener Teil des Einkommens gepfändet, der über dem Existenzminimum liegt. «In der Stadt St.Gallen haben ca. 1’500 Personen eine laufende Einkommenspfändung. Für jede einzelne Person wird das individuelle Existenzminimum berechnet, da jede Person andere monatliche Ausgaben hat», erzählt Bogdan Todic. Eine weitere Aufgabe, die jedoch seltener vorkommt, ist die Versteigerung einer zuvor gepfändeten Liegenschaft.
Kontakt mit Kundschaft steht im Zentrum
Die Mitarbeitenden im Betreibungsamt sind täglich im Kontakt mit Menschen. «Deshalb ist es umso wichtiger, dass man Freude am Umgang mit Menschen hat und auch ein starkes Durchsetzungsvermögen besitzt», erzählt Patrick Stauffer. Hausbesuche im Aussendienst stehen an der Tagesordnung. «Manchmal muss man auch Detektivarbeiten verrichten, wenn beispielsweise ein Briefkasten unkenntlich gemacht wurde.» Es gibt Geschichten, die Patrick Stauffer während seiner Tätigkeit im Betreibungsamt besonders bleiben: «Nicht alle Schuldnerinnen und Schuldner geben wahrheitsgetreu Auskunft. In einem Fall haben wir auf Social Media ein Foto entdeckt, auf dem ein Kunde mit seinem Töff posierte.» Dessen Besitz habe er bei der Einvernahme jedoch bestritten. Es kommt auch vor, dass Mitarbeitende des Betreibungsamtes ihre Kundschaft privat in der Stadt antreffen. «Wir pflegen einen wertschätzenden Umgang mit unseren Kundinnen und Kunden und grüssen uns gegenseitig, wenn wir uns beim Einkaufen begegnen», sagt Patrick Stauffer.
Jährlich werden in der Stadt St.Gallen ca. 30’000 Betreibungen eingeleitet. Im Jahr 2023 konnten insgesamt 27,4 Millionen Franken eingetrieben und an Gläubigerinnen und Gläubiger ausbezahlt werden, während weitere fünf Millionen Franken durch Gebühren eingenommen wurden. Die durchschnittlichen Kosten für eine Betreibung belaufen sich auf etwa 170 Franken.
Schwierige Situationen im Alltag meistern
Bei der täglichen Arbeit im Betreibungsamt gibt es wenige negative Zwischenfälle mit konkreten Bedrohungen, es kann aber zu Widerstand oder Unzufriedenheit seitens Kundschaft kommen. «Das darf man nie persönlich nehmen. Eine klare Abgrenzung ist wichtig und gehört dazu», erklärt Patrick Stauffer. «Wenn es zu einer unangenehmen Situation gekommen ist, besprechen wir das im Nachhinein im Team», ergänzt Bogdan Todic. Die Mitarbeitenden dürfen offen kommunizieren, wenn sie an ihre Grenzen stossen. «Damit man diese Situationen im Alltag nicht nach Hause nimmt, ist der Austausch zentral. Es handelt sich um Schicksale von anderen Menschen, mit denen die Mitarbeitenden konfrontiert sind. Dass man Mitleid verspürt, ist menschlich», führt Bogdan Todic aus. Gemäss Patrick Stauffer gibt es aber auch immer wieder schöne Momente. Diese zeigen sich beispielsweise, wenn sich Personen nach einem Verfahren bedanken und froh sind, ein schuldenfreies Leben zu führen.
