Abwechslung und Gemeinschaft
«Derzeit bin ich als Kantonsbaumeister Leiter des kantonalen Hochbauamts. Eine Rolle, die ich zuvor auch schon bei der Stadtverwaltung innehatte. Dort landete ich aber eher zufällig. Nach meinem Architekturstudium und einigen Jahren in meinem eigenen Büro wies mich die damalige Stadtbaumeisterin auf die Stelle bei der Stadt hin. In meinem Leben hat sich vieles auf solch ungeplante Weise ergeben. Die Zeit bei der Stadtverwaltung war geprägt von spannenden Projekten, wie beispielsweise dem Naturmuseum, dem Schulhaus St.Leonhard oder der Militärkantine – es gab immer etwas zu tun und zu meinem Glück konnte ich vieles auch schnell umsetzen.
Mit dem Sparprogramm Fit13plus änderte sich das rasch und ich wollte weiterhin Projekte entwickeln und realisieren, was mich schliesslich in den Kanton Thurgau führte. Der Wechsel dorthin bot mir erneut die Möglichkeit, zahlreiche Projekte in die Tat umzusetzen. Dieser Übergang von der Stadt zu einem Kanton lehrte mich vieles, auch politisch ist es ein anderer Blick. Zudem habe ich das Ländliche schätzen gelernt und erkannt, dass die Gräben zwischen Stadt und Land herbeigeredet sind: Stadt und Land bedingen sich gegenseitig. Und man sollte sie nicht gegenseitig ausspielen. Durch eine unglückliche Konstellation im kantonalen Hochbauamt St.Gallen hat sich unverhofft die neue Chance ergeben – wieder durch Zufall: Die Rückkehr nach St.Gallen, zum Kanton. Ich geniesse es nun sehr, wieder in der Stadt zu arbeiten und mit 59 Jahren nochmals etwas bewirken zu können. Ich kann mich auf ein wunderbares Team verlassen, und es laufen unglaublich viele spannende Projekte.
Was mir an der Arbeit bei der Stadt besonders gefiel, war das Gefühl, direkt etwas bewirken zu können und Teil einer Organisation zu sein, die sich für das Gemeinwohl einsetzt. Beim Kanton ist das vergleichbar, allerdings im Kantonsgebiet verstreuter und dadurch auch etwas weniger übersichtlich. Jede Verwaltung hat ihre Eigenheiten, schlussendlich waren meine Tätigkeiten im öffentlichen Bereich bis zu einem gewissen Grad aber immer ziemlich vergleichbar. Was ich von meinen Wechseln sicher mitnehme: Auch wenn es anstrengend sein kann, sich Neuem zu stellen, tut es geistig gut und hindert einen, sich nicht in der Routine zu verlieren.
Obwohl ich stets nach neuen Herausforderungen suchte, waren die Abschiede meist sehr emotional. Es war jedoch immer auch ein gutes Ankommen, und es war schön, nach meiner Zeit im Thurgau nach St.Gallen zurückzukehren. Dass ich nun Ueli Lanker, mit dem ich im städtischen Hochbauamt gearbeitet habe, erneut als Mitarbeiter habe, ist natürlich nur ein weiterer Pluspunkt.»
Am Puls und bei den Menschen
«Zunächst war ich beim Kanton Leiterin der Fachstelle Lotteriefonds, die später in das Amt für Kultur integriert wurde. Dort war ich neun Jahre als Fachspezialistin Kulturförderung tätig. Dass ich beim Kanton gelandet bin, war reiner Zufall, da ich nach meinem Studium keine konkreten Vorstellungen von meiner beruflichen Zukunft hatte. Ursprünglich wollte ich aber höchstens fünf Jahre in der Verwaltung arbeiten – mittlerweile sind es 20 Jahre geworden. Auch der Wechsel zur Stadt war zufällig, da ein Jobwechsel zu dem Zeitpunkt für mich eigentlich nicht zur Diskussion stand. Ein Gespräch mit Kristin Schmidt, welche ich damals nur flüchtig kannte, brachte hervor, dass wir beide gerne Kulturbeauftragte der Stadt wären. Aufgrund familiärer Verpflichtungen war dies für uns beide jedoch zeitlich nicht machbar, bis die Idee kam, uns gemeinsam im Jobsharing zu bewerben, um die Chance nicht verstreichen zu lassen.
Ob beim Kanton oder der Stadt, mein Beruf ist sehr abwechslungsreich und ich hatte und habe das Glück, ein tolles Team und gute Arbeitsbedingungen zu haben. Beim Kanton wurde mein politisches Gespür gefördert und ich konnte sehen, wie die fachliche und politische Ebene zusammenarbeiten können. Da ich innerhalb der Kulturförderung geblieben bin, hat sich der Fokus der Arbeit nicht geändert, wenn auch die an die Kulturförderung herangetragenen Themen sehr wohl. Was ich an der Arbeit für die Stadt besonders schätze, sind die mehrheitlich kurzen Wege innerhalb der Stadtverwaltung, wie auch innerhalb der Stadt. Ich empfinde es als Vorteil, in derselben Stadt zu arbeiten und zu wohnen, nicht zuletzt wegen der oft abendlichen Kulturanlässe. Man ist so näher bei den Menschen, für die und mit denen man arbeitet, ausserdem spürt man die Stadt St.Gallen.»
Humor und Stillstand
«Als Teamleiter Projektmanagement beim Kanton St.Gallen führe ich derzeit ein Team von vier Projektleitenden, betreue aber auch selber Bauprojekte. Meine erste Erfahrungen in diesem Bereich sammelte ich aber bei der Stadtverwaltung. Dort begann ich als Projektleiter für Bauherrenvertretung, wo ich mir auch mein Wissen über das Projektmanagement im Bauwesen angeeignet habe. Den Wechsel damals in die Stadtverwaltung suchte ich bewusst, um die Perspektive zu wechseln – vom Architekt zum Bauherr. Ob dies eine Stelle im öffentlichen Sektor sein würde, war dabei zweitrangig.
Die Atmosphäre bei der Stadt war familiär und humorvoll und mir gefiel, dass die Strukturen eher klein und die Kommunikationswege kurz waren. Trotz dieser positiven Aspekte bedeutete diese Zeit für mich einen gewissen Stillstand in meiner beruflichen Entwicklung, was mich schliesslich auch zum nächsten Wechsel bewog. Die Entscheidung für die kantonale Verwaltung ergab sich dann aus verschiedenen Optionen.
Die Arbeitskultur wie auch Zusammenarbeit sind bei beiden Arbeitgebenden vergleichbar, jedoch spielen sich die politischen Entscheidungsprozesse in meiner jetzigen Position etwas weiter entfernt ab. Ich musste auch lernen, dass gewisse interne Abläufe beim Kanton komplexer sind und ich mir mehr Zeit für die Wege zu den Baustellen innerhalb des Kantonsgebiets einrechnen muss. Eine Besonderheit beim Kanton ist das Engagement in der Personal- und Organisationsentwicklung, das stark auf die Vermittlung gemeinsamer Werte abzielt.»
Flexibilität und Bevölkerungsnähe
«Heute arbeite ich als stellvertretender Leiter der Organisationsentwicklung und Fachspezialist für Digitale Transformation bei der Stadt. Zuvor war ich Programm- und Projektleiter für die Einführung der elektronischen Geschäftsverwaltung (GEVER) beim Kanton. Mein Einstieg in den öffentlichen Sektor war nicht geplant; ein dreimonatiges Praktikum im Staatsarchiv, das Teil meines berufsbegleitenden MAS-Studiums in Informationswissenschaften war, führte mich dorthin. Nach Abschluss des Praktikums bot sich mir dort eine Stelle, die den Grundstein für meine spätere Arbeit im GEVER-Programm legte.
Nach meiner Zeit beim Kanton wechselte ich in die Privatwirtschaft und arbeitete bei einer IT-Firma sowie einem Consulting-Unternehmen. Entgegen meines ersten Entscheids für die Arbeit im öffentlichen Bereich, wusste ich beim zweiten Mal, dass ich in einer öffentlichen Organisation meine Erfahrungen und Fähigkeiten am besten einsetzen kann.
Beim Kanton gefiel mir die teilweise tiefere Spezialisierung und auch die Grösse der Verwaltung. Bei der Stadt hingegen habe ich Freude an der thematischen Breite und der Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern. Hier sind die Hierarchien flacher und die Dienststellen tragen selbst viel Verantwortung, was ein schnelleres, hands-on Arbeiten ermöglicht. Diese Flexibilität ist ein grosser Vorteil, birgt aber auch eine Herausforderung, da die dezentrale Organisation mehr Koordination erfordert. Genau diese übergreifende Koordination zur Optimierung und Weiterentwicklung ist eine der zentralen Aufgaben meiner aktuellen Position. Eine Herausforderung, die ich mit meinen tollen Kolleginnen und Kollegen der Organisationsentwicklung gemeinsam tragen darf.»
Mitgestalten und Wertschätzung
«Bevor ich Dienststellenleiterin bei den Bevölkerungsdiensten wurde, war ich Juristin beim Amt für Soziales beim Kanton. Der Schritt in den öffentlichen Sektor habe ich bewusst gemacht, da ich einen Arbeitgeber wollte, der an meinem Wohnort verankert ist und etwas für die Bewohnerinnen und Bewohner von St.Gallen bewegt und bewirkt. Zur Stadt bin ich durch einen Kontakt im Stimmbüro gekommen, da ich viele Jahre Stimmenzählerin bei der Stadt St.Gallen war. Mein Vorgänger, Stephan Wenger, war damals Sekretär im Stimmbüro. Als er mir mitteilte, dass er bald in Pension geht, sah ich die Gelegenheit, mich bei der Stadt zu bewerben und noch näher an meinem Wohnort mitzuwirken.
Der Arbeitsbereich, den ich beim Kanton innehatte, war ein ganz anderer als jetzt bei der Stadt und daher nicht vergleichbar. Trotzdem konnte ich durch die Arbeit beim Kanton bereits die Verwaltung und ihre Abläufe sowie die politischen Abläufe kennenlernen. Generell war die Arbeit als Juristin beim Kanton sehr bereichernd, da Gesetze ausgearbeitet werden können, die dann für den ganzen Kanton gelten. Der Bezug zur Anwenderin oder zum Anwender fehlt jedoch in manchen Bereichen. Bei der Stadt bin ich nun näher an der Bevölkerung und der Austausch ist – innerhalb der Verwaltung und gegen aussen – oftmals einfacher.
Ich durfte lernen, wie wertvoll es ist, Arbeitskollegen und -kolleginnen von anderen Direktionen oder Departementen persönlich kennenzulernen. Die persönlichen Kontakte verkürzen die Wege bei Fragen oder Anregungen. Generell sind die kurzen Wege etwas, was mir an der Arbeit bei der Stadt gefällt. Obwohl ich nur kurz beim Kanton tätig war, konnte ich Kontakte knüpfen, welche auch jetzt noch wertvoll sind bei meiner Arbeit.»
Arbeitsklima und persönliche Kontakte
«Ich leite derzeit die Rechtsabteilung des kantonalen Bau- und Umweltdepartements, wo wir als Rechtsmittelinstanz hauptsächlich Rekurse im Planungs-, Bau- und Umweltrecht bearbeiten. Zuvor habe ich den St.Galler Stadtrat und die Verwaltung als Rechtskonsulent beraten und die Stadt in Rechtsmittelverfahren vertreten.
Schon vor meiner Zeit bei der Stadtverwaltung war ich in der Rechtsabteilung des kantonalen Bau- und Umweltdepartements tätig. Doch die Möglichkeit, als Rechtskonsulent zu arbeiten, reizte mich. Insbesondere die Chance, für «meine Stadt» in verschiedenen Rechtsgebieten tätig zu sein, gefiel mir sehr. In dieser Zeit hatte ich Kontakt zu Mitarbeitenden aus allen Direktionen und lernte viele nette Menschen kennen. Auch bleibt mir das sehr angenehme Arbeitsklima und natürlich die grandiose Aussicht aus dem 11. Stock in schöner Erinnerung.
In dieser Zeit wurde mir aber auch bewusst, dass ich mich im Bau- und Planungsrecht am wohlsten fühle und gerne in einem grösseren Team arbeite. Der Wechsel wieder zurück zur Rechtsabteilung war daher eher eine Rückkehr als ein Neuanfang. Die Zeit bei der Stadtverwaltung war jedoch alles andere als umsonst – nebst den positiven Arbeitserfahrungen und den bleibenden Kontakten habe ich durch meine Position unter anderem auch an Sicherheit im Auftreten sowie im Vertreten der eigenen Position dazugewonnen.»
Wertschätzung und Teamgeist
«Die Polizei hat mich schon immer interessiert. Aus diesem Grund habe ich 1995/96 die Polizeiausbildung absolviert. Nach 24 Jahren im Schichtdienst stellte ich mir die Frage, wie lange ich das noch machen möchte. Eine perfekte Gelegenheit, dem Schichtdienst den Rücken zu kehren und eine neue Herausforderung anzunehmen, bot sich mit einer Stelle beim kantonalen Veterinärdienst als Fachspezialist für auffällige Hunde. Da ich selbst 20 Jahre einen Diensthund bei der Polizei führte, war mir dieser Bereich nicht völlig fremd. Beim Veterinärdienst baute ich das neue kantonale Hundegesetz für den Kanton auf. Die Arbeit dort hat mir sehr gefallen. Bei diversen Einsätzen und Kontrollen von Hunden wurde in schwierigen Fällen die Polizei hinzugezogen, wodurch ich weiterhin Berührungspunkte mit der Kantons- wie auch Stadtpolizei hatte.
Nach knapp vier Jahren beim Kanton entschied ich mich, zur Polizei zurückzukehren, jedoch nicht mehr im Schichtdienst, sondern als Leiter Fachdienste. Der Teamgeist bei der Polizei war immer etwas, das ich sehr geschätzt habe und irgendwie hatte man Heimweh nach dem Umfeld und den Kollegen. Durch den Wechsel konnte ich einige Erfahrungen sammeln, darunter auch, dass man seinen Arbeitgeber mehr schätzen sollte. Oftmals fehlt die Zufriedenheit gegenüber dem Arbeitgeber und man sieht nur das Negative, obwohl es viel Positives gibt.»
