Die Sicherheit in der Stadt St.Gallen beruht auf einer bewährten Zusammenarbeit zwischen der Stadtpolizei und der Kantonspolizei St.Gallen. Während die Stadtpolizei tagtäglich sichtbar präsent ist und durch präventive Massnahmen das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung stärkt sowie bei Bedarf rasch intervenieren kann, tritt die Kantonspolizei insbesondere bei der Aufklärung und Verfolgung von Kriminalfällen in Aktion. Diese klare Aufgabenverteilung stellt sicher, dass die Schnittstellen zwischen Stadt- und Kantonspolizei reibungslos und effizient funktionieren.
Die Rolle der Stadtpolizei
Urbane Zentren brauchen für eine nachhaltige Sicherheit eine massgeschneiderte polizeiliche Versorgung. In St.Gallen ist die Stadtpolizei zu allen Tages- und Nachtzeiten präsent und interveniert, wenn es eine Situation erforderlich macht. Sie sorgt für Sicherheit im öffentlichen Raum, insbesondere auch an den Wochenenden, überwacht den ruhenden Verkehr, erteilt Bewilligungen für Veranstaltungen und ist für die Sicherheit von Grossveranstaltungen, wie beispielsweise die Fussballspiele des FCSG oder die OLMA, verantwortlich. Gerade die präventive Präsenz vor Ort ist entscheidend, um das Vertrauen der Bevölkerung in die Sicherheit ihrer Stadt zu gewährleisten. Die Stadtpolizei ist nicht nur während, sondern auch vor und nach Ereignissen sichtbar, was das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung positiv beeinflusst und ein jeweils schnelles Eingreifen ermöglicht.
Die Kantonspolizei: Spezialisiert auf Kriminalität
Die Arbeit der Kantonspolizei beginnt auf Stadtgebiet oft dann, wenn die Aufgaben der Stadtpolizei enden. Heisst: Wenn die Lage vor Ort unter Kontrolle ist, kommt die «Kripo» der Kantonspolizei und nimmt ihre Ermittlungen auf. Die für das Stadtgebiet zuständige Kripo-Abteilung der Kantonspolizei ist übrigens im selben Gebäude untergebracht, wie die Stadtpolizei: an der Vadianstrasse 57. Im gleichen Gebäude wie die Stadtpolizei zu sein, hat den Vorteil, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht je nach Anliegen zwischen Klosterhof und Vadianstrasse hin- und hergeschickt werden müssen.
Neben den Ermittlungen zuhanden der Staatsanwaltschaft St.Gallen im Rahmen von Strafverfahren nimmt die Kantonspolizei auch Anzeigen entgegen. Wobei Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz, aber beispielsweise auch Fälle von häuslicher Gewalt durch die Stadtpolizei, zur Anzeige gebracht werden. Die gute Zusammenarbeit zwischen Stadtpolizei und «Kripo» der Kantonspolizei ist dabei von grossem Wert. Sie ermöglicht eine reibungslose Übergabe von Fällen und eine enge Abstimmung, die für den Erfolg vieler Ermittlungen entscheidend ist. Nicht vergessen werden darf, dass die Stadtpolizei über ausgewiesene Orts- und Milieukenntnisse verfügt und diverse wichtige Schnittstellen auf kommunaler Ebene pflegt. Sei es zum Beispiel die Zusammenarbeit mit der Stiftung Suchthilfe, wenn es um die Drogenproblematik geht, die Zusammenarbeit mit dem FCSG, um die Sicherheit rund um Fussballspiele gewährleisten zu können, oder die Zusammenarbeit mit diversen städtischen Dienststellen. Dazu zählen, um nur einige zu nennen, die Sozialen Dienste, das Betreibungsamt, das Tiefbauamt, die Bevölkerungsdienste oder auch die VBSG sowie die SGSW. Aber auch Grossveranstaltungen wie OpenAir oder OLMA benötigen in Sicherheitsfragen zahlreiche Absprachen und Massnahmen. Würde sich die Stadt keine Stadtpolizei mehr leisten wollen, würde zwar die gut funktionierende Schnittstelle zwischen Stadt- und Kantonspolizei wegfallen, gleichzeitig würden aber mehrere neue Schnittstellen geschaffen.
Ein Balance-Akt zwischen Kosten und Nutzen
Würde sich die Stadt zukünftig keine Stadtpolizei mehr leisten wollen, würden für den Kanton erhebliche Mehrkosten entstehen, da er für die polizeiliche Grundversorgung des Stadtgebietes sorgen müsste. Unklar ist, ob und wieviel die Stadt einsparen würde. Der ruhende Verkehr, also die Erweiterte Blaue Zone (EBZ) und alle weissen Parkplätze müssten weiterhin durch die Stadt bewirtschaftet werden. Zudem müsste sich die Stadt auch weiterhin um alle gewerbepolizeilichen Aufgaben (unter anderem Bewilligungen) kümmern. Auch die Quartierpolizisten müssten, sollte es sie weiterhin geben, beim Kanton «geleast» werden. Und selbst dann bliebe das Dilemma, dass die Stadt für die «sicherheitspolizeilichen Aufgaben» zuständig bliebe. Das würde konkret bedeuten: Sie müsste noch immer selbst um eine präventive Präsenz an Wochenenden am Marktplatz oder auf Drei Weieren besorgt sein. Ob mit «geleasten» Polizistinnen und Polizisten der Kantonspolizei oder privaten Sicherheitsdiensten, bliebe ihr überlassen.
Enge Zusammenarbeit mit Grenzen
Es gibt zahlreiche Beispiele für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Stadt- und Kantonspolizei. Während die Kantonspolizei die Stadtpolizei bei Fussballspielen des FCSG unterstützt, kann sie umgekehrt auf die personellen Ressourcen der Stadtpolizei zählen, wenn ein Gebäude brennt, ein Ladendieb sein Unwesen treibt oder es spät nachts zu schweren Körperverletzungen kommt. Denn dann sind die Polizistinnen und Polizisten der Stadtpolizei als erste vor Ort. Diese gute Zusammenarbeit trägt massgeblich dazu bei, dass St.Gallen eine sichere und lebenswerte Stadt bleibt.
Dennoch gibt es auch Grenzen in der Zusammenarbeit. So nutzen die beiden Polizeien zwar das gleiche System für ihre Notrufzentralen, betreiben aber beide einen eigenen Standort. Würde einer der beiden Standorte ausfallen, könnte wie geplant auf den anderen zurückgegriffen werden (Redundanz). Zudem gehen bei der Stadtpolizei jährlich rund 130'000 Anrufe ein. Nur 10'000 davon sind Notrufe. Es müssten also auch ohne eigene Notrufzentrale 120'000 Anrufe entgegengenommen werden. Weitere Bereiche, welche die Grenzen einer Zusammenarbeit aufzeigen, sind die Interventionseinheit und das Bedrohungs- und Risikomanagement. Beide Themen wurden anlässlich von Vorstössen im Parlament behandelt und entschieden, dass die Stadtpolizei diese Bereiche weiterhin selbst verantwortet. Insbesondere das Miliz-System der städtischen Interventionseinheit, auch bekannt als «Grenadiere», leistet einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit in der Stadt St.Gallen. Die sehr gut ausgebildeten Grenadiere sind rund um die Uhr auf dem regulären Patrouillen-Dienst und bei gefährlichen Lagen wie beispielsweise einer Messer-Attacke, wie kürzlich an der Hochwachtstrasse, sehr schnell vor Ort.
Eine Partnerschaft mit Tradition
Die Zusammenarbeit zwischen der Stadt- und Kantonspolizei St.Gallen ist ein Paradebeispiel für eine gelungene Partnerschaft im Dienste der öffentlichen Sicherheit. Beide Korps bringen ihre Stärken ein und schaffen durch ihre abgestimmten Zuständigkeiten ein Umfeld, in dem sich die Bürgerinnen und Bürger sicher fühlen können. Diese Zusammenarbeit – es gibt seit rund 200 Jahren eine Stadt- und eine Kantonspolizei – ist sehr effizient und sollte daher unbedingt bewahrt und wo sinnvoll weiter ausgebaut werden.
Leiter Kommunikation, Stadtpolizei St.Gallen
