25. Mai 2022, 09:00 Uhr | Bereich Medienmitteilungen

Rekapitalisierung der Spitex St.Gallen AG

Um die Spitex St.Gallen AG finanziell zu stabilisieren und nachhaltig in die Lage zu versetzen, die ihr zugedachten Aufgaben zu erfüllen, braucht es zusätzliche Mittel. Diese sind nötig, um die bereits eingetretenen und noch zu erwartenden Verluste bis zum Erreichen der Gewinnschwelle aufzufangen. Der Stadtrat beurteilt die Sanierungswürdigkeit und -fähigkeit der Gesellschaft nach einer eingehenden Analyse als gegeben und beantragt beim Stadtparlament einen einmaligen Beitrag in der Höhe von CHF 3 Mio. à fonds perdu zu Lasten der Laufenden Rechnung 2022.

Spitex

Die Spitex St.Gallen AG wurde im August 2020 als Einheitsorganisation für das ganze Stadtgebiet gegründet, um ab 1. Januar 2021 im Auftrag der politischen Gemeinde die Grundversorgung der Bevölkerung mit Leistungen der Pflege zu Hause zu übernehmen. Ihr erstes Betriebsjahr war geprägt vom Change-Prozess, der sich aus der Zusammenführung der vier Vorgängerorganisationen ergab, sowie der Covid-Situation.

 

Finanzielle Situation, ordentliche Revision und zusätzliche Analyse durch die OBT AG

Die Rechnung des Langjahres 2020/21 schloss mit einem Verlust von CHF 1.76 Mio. ab. Damit waren per Bilanzstichtag mehr als die Hälfte des Grundkapitals aufgebraucht, so dass aufgrund der aktienrechtlichen Vorgaben Sanierungsmassnahmen nötig sind. Selbstverständlich wurde im Zusammenhang mit den finanziellen Problemen auch die Frage der Sanierungswürdigkeit und Sanierungsfähigkeit der Gesellschaft geprüft. Einerseits beauftragte der Verwaltungsrat die Revisionsstelle (OBT AG) statt mit der vorgesehenen eingeschränkten mit einer ordentlichen Revision. Darüber hinaus erhielt die OBT einen zusätzlichen Analyseauftrag, basierend auf einem gemeinsam vom Verwaltungsrat und der Stadt als Hauptaktionärin entworfenen Fragenkatalog.

Die SXSG AG hat, unterstützt durch die Expertise der städtischen Dienststelle Finanzen, von der statischen Budgetierung auf eine rollende Planung umgestellt und ein intensiviertes Monitoring implementiert. Für die Prognose der finanziellen Entwicklung wird mit zwei verschiedenen Szenarien gearbeitet. Beiden gemeinsam ist die kontinuierliche Steigerung der Produktivität und eine personelle Verbreiterung in den Kerndiensten im Hinblick auf eine bedarfsgerechte Leistungserbringung. Die Szenarien unterscheiden sich im Tempo des fachlichen Auf- und Ausbaus der Kompetenzzentren. Ausserdem ist im pessimistischen Szenario eine vierte Covid-Welle im kommenden Winter berücksichtigt, mit vergleichbaren Auswirkungen auf das Personal wie unter Omikron. Unabhängig davon wird die Spitex St.Gallen AG gemäss Prognose in beiden Szenarien die Gewinnschwelle gegen Mitte 2023 erreichen.

 

Herausforderndes erstes Geschäftsjahr

Der operative Start im Januar 2021 erfolgte mit einem Unterbestand von 30 Vollzeitäquivalenten gegenüber dem Businessplan. Die ohnehin dünne Personaldecke wurde zudem massiv geschwächt, als es im Frühjahr 2021 zu einer Kündigungswelle kam. Die Rekrutierungsanstrengungen sowie die Überbrückung mit temporären Arbeitskräften führten in einem von Covid geprägten Umfeld und einem schweizweiten Mangel an ausgebildeten Pflegefachkräften zu wesentlich höheren Personalkosten. Weitere ungeplante Kosten fielen an für Schulungen und Nachschulungen im Bereich der Prozesse und der IT. Es zeigte sich zudem, dass die Produktivität wesentlich tiefer lag als erwartet.

 

Anspruchsvolle Führungsaufgaben

Der Analysebericht der OBT verweist darauf, dass die Rahmenbedingungen für das erste Geschäftsjahr der Spitex St.Gallen AG von einer schwierigen Ausgangssituation und Entwicklungen geprägt waren, welche die Aufgabe des Verwaltungsrates und der Geschäftsführung enorm erschwert haben. Die Verantwortlichen hätten die Probleme jedoch erkannt und die Weichen derart gestellt, dass für die Mitarbeitenden zwischenzeitlich ein effizientes Arbeiten möglich sei. Die Anstrengungen zur Erhöhung der Produktivität würden zur Gesundung der Finanz- und Liquiditätslage der Gesellschaft beitragen, unterstützt durch die vom Verwaltungsrat zusätzlich beschlossenen Kostensenkungsmassnahmen.

Der Stadtrat beantragt dem Parlament einen einmaligen Betrag in Höhe von CHF 3 Mio. zu Lasten der Laufenden Rechnung 2022, um die Spitex St.Gallen AG zu rekapitalisieren, so dass für die Erfüllung des Versorgungsauftrages ein solides Fundament vorhanden ist, das es der jungen Gesellschaft erlaubt, Schwankungen im Geschäftsgang zukünftig aus eigener Kraft aufzufangen.

 

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