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Lust auf Mode machen

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Vier St.Galler Geschäfte organisieren die ersten St.Galler Fashion Days. Damit soll das Verständnis für hochwertige Mode gefördert und Lust darauf gemacht werden. Denn die Online-Konkurrenz ist gross und lästig.


Das Stakkato der Nähmaschine tönt leise aus den Hinterzimmern. Es unterstreicht – beabsichtigt oder nicht – die Wirkung der edlen Stoffe und Kleider im vorderen Teil der Boutique der Manufaktur. Mittendrin, zwischen Stoffmustern und Schnittvorlagen, skizziert Karin Bischoff, eine der zwei Teilhaberinnen der Manufaktur, ein Gewand nach den Wünschen einer Kundin. In der Boutique Die Manufaktur an der Bahnhofstrasse 8 entsteht Mode von St.Gallern für St.Galler. Massgeschneidert aus St.Galler Textilien. Für Karin Bischoff ist Mode und Kleidung mehr als T-Shirts für zehn Franken einer günstigen Modekette. Deswegen organisiert «Die Manufaktur» zusammen mit der Boutique La Folie, dem Schuhfachgeschäft Elisabeth Berger und dem Optikgeschäft Bienz die ersten St.Galler Fashion Days. «Ein Anlass für unseren Stammkunden und hoffentlich auch für neue Kunden, die hochwertige Produkte und Beratung schätzen», sagt Bischoff.

Der Detailhandel macht schwierige Zeiten durch. Das nahe und günstige Ausland, aber auch das bequeme Online-Shopping von zu Hause sind eine grosse Konkurrenz für die Geschäfte, das bekommen auch die St.Galler Läden zu spüren. «Jammern wollen wir deswegen aber nicht», sagt Claudia Gehrig, Geschäftsinhaberin der Boutique La Folie. «Viel lieber wollen wir etwas machen und gestalten, unseren Kunden etwas bieten.» Die vier Geschäfte haben eines gemeinsam: In ihren Auslagen finden sich ausgewählte, hochwertige Stücke. Mit den Fashion Days sollen die St.Gallerinnen und St.Galler wieder Lust auf «richtige Mode» bekommen. Am Freitag und Samstag bieten die vier teilnehmenden Geschäfte daher ein Spezialprogramm (siehe Kasten).

Als man noch einen Sonntagsstaat hatte

Lust auf Mode, das vermisst Claudia Gehrig oft. «Egal, ob man in München, Zürich oder in St.Gallen ist, viele Leute kleiden sich beliebig, oft auch mit schlecht sitzenden Kleidern», sagt Gehrig. Früher hatte man viel weniger Kleidungsstücke im Schrank hängen, dafür hochwertige, schöne Sachen. «Man hatte noch einen Sonntagsstaat.» Also besonders repräsentative Kleidung, die dann aber jahrelang getragen und nicht so schnell ausgewechselt wurde.

Die Fashion Days werden in dieser Art zum ersten Mal durchgeführt. «Eine Wiederholung wäre wünschenswert», sagt Karin Bischoff. Am liebsten sogar mit weiteren Anbietern. «Ein Schmuckgeschäft oder ein Blumenladen beispielsweise würden auch gut ins Konzept passen.» Wichtig sei ihnen, dass Geschäfte mitmachten, die von den Inhabern geführt werden, also keine Ketten mit beliebiger Ware.

Pro City scheiterte mit der Idee

Das Engagement findet Anklang bei verschiedenen Institutionen. St.Gallen-Bodensee Tourismus und die städtische Standortförderung hätten sich bei ihr gemeldet, sagt Bischoff. Auch bei der Detaillistenvereinigung Pro City begrüsst man die Initiative. «Jeder Anlass für die Stadt und das Gewerbe ist erfreulich», sagt Pro-City-Präsident Ralph Bleuer. Pro City habe dieses Jahr vergeblich versucht, Geschäfte zu einer gemeinsamen Modeschau zu bewegen. Weil die Vorstellungen und Möglichkeiten von Filialen grosser Ketten und kleineren Boutiquen aber so unterschiedlich gewesen seien, habe die Idee schliesslich verworfen werden müssen. Dass sich Geschäfte zusammentun und Eigeninitiative ergreifen, sei umso erfreulicher, sagt Bleuer.

 

Quelle: St.Galler Tagblatt vom Mittwoch, 13.09.2017 


Standort St.Gallen - Lust auf Mode machen (14.09.2017 08:27)



 

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