«Mein Vorgänger Otto Bergmann, für einmal ohne Brille. Ein sehr liebenswürdiger Mensch, der gute Ideen hatte, beispielsweise die neue Form der Feier zum 1. August. Früher gab es in St.Gallen, wie in anderen Gemeinden auch, abendliche Funken und Bräteln mit Reden von Politikerinnen und Politikern, die niemand hören wollte. Die Quartiervereine organisierten diese Feiern abwechselnd. Mit der Zeit konnten sie es personell nicht mehr stemmen. Zum 700-Jahr-Jubiläum der Eidgenossenschaft machte Otto Bergmann den Vorschlag, die Feierlichkeiten am Vormittag gemeinsam mit den Kirchen und Gemeinden der öffentlich-rechtlich anerkannten Religionsgemeinschaften durchzuführen. Eine Idee, die sich bis heute bewährt hat. Leider verstarb Otto Bergmann im Sommer 1999 im Amt. Im Februar des darauffolgenden Jahres habe ich die Funktion des Stadtschreibers von ihm übernommen.»
«Heinz Christen – ein Zugezogener wie ich. Er stammte aus Wangen an der Aare und kam zum Studieren nach St. Gallen. Das muss in seinem Büro bei den Technischen Betrieben gewesen sein. Mit 34 Jahren, also noch recht jung, wurde Heinz Christen Stadtrat. Sieben Jahre später wurde er Stadtpräsident und blieb es von 1981 bis 2004. Das Diktiergerät im Hintergrund zeugt von einer technologisch anderen Zeit. Er war mein erster Stadtpräsident als Stadtschreiber. Er hat einem freie Hand gelassen, aber immer alles im Griff gehabt. Ausgestattet mit einem Elefantengedächtnis war er aus meiner Sicht auch ein brillanter Jurist. Er hat die Stadtratssitzungen mit harter Hand geführt. Ich meine das eher positiv. Er war eine dominante Persönlichkeit, nach aussen umgeben von einer Aura der Unnahbarkeit; aber er konnte auch sehr charmant sein. Die Aura war wohl eine Form des Selbstschutzes in diesem doch sehr exponierten Amt des Stadtpräsidenten. Er hat sich weit über St.Gallen hinaus engagiert, als sehr geschätzter Präsident des Schweizerischen Städteverbands.»
Alle meine Vorgesetzten waren und sind auf ihre eigene Weise hervorragend.
«Franz Hagmann, mein zweiter Vorgesetzter als Stadtschreiber – leider nur zwei Jahre, da seine alte Erkrankung wieder aufflammte und er deshalb sein Amt niederlegen musste. Auch er war immens gescheit. Es fröstelt mich noch heute, wenn ich an seinen (angekündigten) Anruf mit dem Befund zurückdenke: Sein Anruf erreichte mich in der Unterführung des Hauptbahnhofs Bern, auf der Rückreise von einer Schreiberkonferenz. Er teilte mir mit, dass der Befund schlecht sei, und dass wir nun das Timing der Informationen zu seinem Rücktritt festlegen müssen.
Vor seiner Zeit als Stadtrat war er Verwaltungsdirektor der HSG; wie sein Vorgänger Heinz Christen wechselte er von der Direktion Technische Betriebe dann als Stadtpräsident in die Direktion Inneres und Finanzen. Wie Heinz Christen war auch Franz Hagmann Fraktionschef im Kantonsrat, wenn auch nicht in der gleichen Partei…»
«Nachfolger von Franz Hagmann wurde Thomas Scheitlin. Er war Präsident der Ortsbürgergemeinde St.Gallen, bevor er zu uns kam. Er hat uns noch mehr machen lassen als alle vor ihm. Als er anfing, sagte er gleich zu allen seinen Direktunterstellten, dass seine Tür praktisch immer offen sei. Man könne dann immer reinkommen und davon ausgehen, dass man eine Entscheidung habe, wenn man sein Büro wieder verlasse. Seine Philosophie war: Ausprobieren, und wenn man auf die Nase fällt, daraus lernen und weitermachen. Diese schnelle Entscheidungsfindung kam mir entgegen. So hatten wir jeden Tag eine Besprechung – manchmal dauerte sie drei, manchmal 45 Minuten. Thomas war und ist völlig unkompliziert und immer für einen Lacher gut.»
«Das Herz am rechten Fleck, weiss Gott. Bewundernswert, dass sie immer ihr Lachen behält. Maria ist sehr fleissig, einfach zu anderen Tageszeiten als ich. Ich bin zwar oft abends noch da. Bei ihr geht es dann aber erst richtig los. Sie setzt sich zu später Stunde hin und arbeitet eine Mail nach der anderen ab. Sie hat einen anderen Rhythmus und ist dabei sehr gewissenhaft, spontan und völlig unkompliziert. Eingebürgert wie ich. Ich habe erst kürzlich mit Stadtparlamentspräsident Vića Mitrović darüber gesprochen, dass wir in diesem Jahr einen Präsidenten des Stadtparlaments, eine Stadtpräsidentin und einen Stadtschreiber/Ratssekretär haben, die allesamt eingebürgert sind.»
«Das ist Lynna, unsere Zuchthündin. Man erkennt sie hier am Strubbel auf dem Kopf. Sie ist eine Kromfohrländerin, eine Terrier-Rasse, die sich durch eine Mischung aus Sensibilität und Starrköpfigkeit auszeichnet. Kniehoch, weiss, mit braunen Platten – wobei Braun genetisch die Grundfarbe ist. Mit Lynna vom Herrenwis züchtete meine Frau neues Fenster, und die ganze Familie half mit. Drei Würfe, 25 Welpen, alle kräftig, alle gesund. Lynna ist jetzt zwölfjährig. Aus ihrem dritten Wurf haben wir Cassie vom Gerhaldenbach behalten. Dazu kommt Gino, unser schwarzer Kater. Die Tiere sagen schon, was sie wollen, aber Chef muss bei Hunden der Leinenhalter sein. Rudelführerin ist meine Frau. Vize-Rudelführer versuche ich zu sein.»
Schlüsselfigur mit Schlips
Früher kannte man ihn im Rathaus nur mit ihr, heute trägt er sie lediglich bei Stadtrats- oder Parlamentssitzungen, sofern die Temperaturen nicht über 30 Grad steigen. Die Rede ist von der Krawatte. Erst kürzlich habe ihm jemand während einer Parlamentssitzung eine Nachricht geschrieben. Die Person habe sich darüber gefreut, dass wenigstens einer vorne im Präsidium noch eine Krawatte trage. Da habe Manfred Linke festgestellt, dass er tatsächlich der Einzige im ganzen Saal gewesen sei, der noch einen Schlips getragen habe - einschliesslich der Person, die das Kompliment gemacht habe. Ein Grund, das anzupassen? «Nein, da bleibe ich altmodisch.»
