Mit dem Handlungsfeld «Rausgehen» sensibilisieren Marco Käppeli, Schulleiter Primarschule Rotmonten-Gerhalde, und weitere Lehrpersonen Kinder mit Lernaktivitäten im Freien.
«Unser Unterrichtsentwicklungskonzept enthält acht Handlungsfelder, eines davon heisst «Rausgehen». Hierin geht es um die Nutzung des Aussenraums für Lernaktivitäten. Das haben wir in den letzten zwei Jahren vorangetrieben. Die Lehrplanziele setzen wir zur Abwechslung im Schulalltag im Aussenbereich rund um das Schulhaus um. Uns ist es wichtig, dass die Natur, die vor der Schultüre besteht, auch genutzt wird. Im Kindergarten und in der Grundstufe gibt es bereits seit Jahren einen festen Waldtag. Bei uns führen auch die dritten bis sechsten Klassen regelmässig Lernaktivitäten draussen durch. Dazu haben wir flächendeckend schulinterne Weiterbildungen mit der Stiftung Silviva durchgeführt, um Lehrpersonen dazu zu motivieren, den Aussenraum Natur mit den Schülerinnen und Schülern pädagogisch sinnvoll und unkompliziert zu nutzen. Von der Stiftung haben wir in diesem Sinne gute Inputs erhalten.
Zudem wird unser Schulgarten gerne und oft genutzt. Dort gibt es einerseits Hochbeete, andererseits eine Totholzecke, die von den Schülerinnen und Schülern gefüllt wird. Zudem hat es Sitzgelegenheiten, in denen man arbeiten kann und ein Insektenhotel, das die Kinder für den Umweltschutz sensibilisiert. Es ist dem Schulhausteam ein Anliegen, Lernaktivitäten in allen Klassen auch im Aussenraum als Gegenpol zur Digitalität zu gestalten. Deshalb nutzen wir die vielfältigen Möglichkeiten, die unsere natürliche Umgebung bietet und schaffen damit Wertschätzung für Umwelt und Nachhaltigkeit bei der nächsten Generation.»
Als Managerin Nachhaltigkeit bei sgsw verankert Clara Estève das Thema Nachhaltigkeit strategisch.
«Die St.Galler Stadtwerke definieren alle vier Jahre eine Unternehmensstrategie, die aus mehreren Teilstrategien besteht. Ende 2022 wurde die Teilstrategie «Nachhaltigkeit» durch die Geschäftsleitung verabschiedet. Daraus hat sich ein Massnahmenplan ergeben, für dessen Umsetzung wir das Projekt «Etablierung Nachhaltigkeit» gestartet haben. In einem ersten Schritt haben wir definiert, was Nachhaltigkeit in den vier Bereichen «Umwelt», «Soziales», «Nachhaltigkeit» und «Governance» bedeutet. Daraus entstanden vier Teilprojekte, die parallel laufen und sich ergänzen: Teilprojekt 1 befasst sich mit der Bilanzierung von Treibhausgasemissionen für das ganze Unternehmen. Teilprojekt 2 umfasst die Kommunikation sowohl intern mit Intranet-Beiträgen als auch extern mit der Integration vom Thema Nachhaltigkeit auf der sgsw-Website. Teilprojekt 3 befasst sich mit der Beschaffung und Integration von Nachhaltigkeitskriterien in Ausschreibungen, z.B. bei Infrastrukturprojekten wie neuen Rohrleitungen oder neuen Kabeln, aber auch bei Energieproduktionsanlagen und Software. Teilprojekt 4 steht in enger Verbindung mit dem ersten Teilprojekt und ermittelt Massnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen, etwa durch die Auswahl von ökologischen Strom-, Wärme- und Gas-Produkten für sgsw-Gebäude oder durch die Förderung einer nachhaltigen Mobilität bei der sgsw-Fahrzeugflotte, unseren Geschäftsreisen oder dem Pendelverkehr der sgsw-Mitarbeitenden.»
Urs Studerus, Leiter Infrastruktur und Projekte der VBSG, sieht die Elektrifizierung der Busflotte auf gutem Weg.
«Um den CO2-Ausstoss zu reduzieren, sieht das Energiekonzept 2050 vor, alle Busse bis 2030 auf Elektroantrieb umzustellen. Im nächsten Jahr werden uns 12 neue Batteriebusse neues Fenster zur Verfügung stehen. Mit ihnen wird der elektrisch gefahrene Anteil auf über 95 Prozent steigen. Den dafür benötigten Strom beziehen wir aus Wasserkraft. Im Vergleich zu anderen Transportunternehmen sind die VBSG bei der Umstellung auf elektrische Antriebe schon weit fortgeschritten. Wir setzen neue Technologien teilweise frühzeitig ein, was auch Herausforderungen mit sich bringen kann. Auch ist die Flexibilität von elektrisch angetriebenen Bussen eingeschränkt. Dafür brauchen wir Lösungen - sei es mit zusätzlichen Fahrleitungen, Ladeinfrastrukturen oder Prozessanpassungen. Die Elektrifizierung hat aber auch einen willkommenen Nebeneffekt: Neben der Klimafreundlichkeit haben Elektrobusse auch geringere Lärmemissionen.»
Nuri Sarigül, Leiter Bereich Strassenbau beim Tiefbauamt, setzt beim Strassenbau auf Wiederverwertung.
«Die Normalien des Tiefbauamtes, also die technischen Grundlagen, nach denen wir projektieren und arbeiten, aktualisieren wir laufend. Die letzte Aktualisierung fand gemeinsam mit dem externen Partner «Consultest AG» (Institut für Materialprüfung, Beratung und Qualitätssicherung) im Januar 2023 statt und wurde hinsichtlich der Aspekte Recycling und Nachhaltigkeit überarbeitet. Die Anteile von Recycling-Belägen auf den Strassen wurden unter Berücksichtigung der gültigen Normen massiv erhöht. Als wesentliche Grundlage regeln die Normalien beispielsweise den Strassenoberbau, der sich aus mehreren Schichten wie z.B. Deck-, Binder und Tragschicht zusammensetzt. Mit den neuen Normalien bestehen die bituminösen Fundationsschichten, die in den Strassen eingebaut werden, zu 100 Prozent aus Recyclingmaterialien. Bei Tragschichten beträgt der Recyclinganteil 60 - 80 Prozent. Gussasphalt, der ausgebaut wird, wird nach dem Ausbau wieder aufbereitet und wieder eingesetzt. Mit diesem ökologisch optimierten System wird ein Wiederverwertungsanteil von ca. 90 Prozent erreicht. Pflastersteine, Randsteine oder Stellplatten, die in gutem Zustand sind, ersetzen wir nicht oder verwenden sie wieder. Neu haben wir einige Pilotprojekte durchgeführt: Die ausgebaute Fundationsschicht (ein ungebundenes Gemisch) wird ab sofort in einer Kieswaschanlage aufbereitet und wieder eingesetzt. Den gesamten Prozess der Aktualisierung der Normalien begleitet die Arbeitsgruppe «Normen».
Kevin Koller, Leiter Support der Stadtpolizei, weiss, dass elektrische Polizeifahrzeuge Signalwirkung haben.
«Alternativen Antrieben gehört die Zukunft, deshalb ist die Elektrifizierung unserer Flotte ein wichtiges Anliegen. Sie trägt nicht nur dazu bei, die Ziele des Energiekonzepts der Stadt St.Gallen zu erreichen, sondern hat auch Signalwirkung. Die Stadtpolizei will mit gutem Beispiel vorangehen. Bis Ende 2024 sollen knapp 20 Prozent unserer Fahrzeugflotte über einen alternativen Antrieb verfügen - unsere neun E-Bikes nicht mitgerechnet. Bei der Elektrifizierung müssen wir den Einsatzzweck der Fahrzeuge berücksichtigen. Es macht einen grossen Unterschied, ob es sich um einen Streifenwagen handelt, der fast rund um die Uhr im Einsatz ist, ob wir das Fahrzeug für lange Einsatzfahrten benötigen oder ob wir es sporadisch im Nahbereich einsetzen. Da Elektrofahrzeuge per se viel schwerer sind und wir teilweise neun Personen mit Ausrüstung und Material transportieren müssen, sind die Zulassungsvorschriften bezüglich des Gewichts ebenfalls zu beachten. Hinzu kommen diverse andere Kriterien. Noch ist die Ladeinfrastruktur tragfähig, aber mit der Anschaffung weiterer Elektrofahrzeuge werden wir ein Lademanagement benötigen. Unser ursprüngliches Ziel war es, bis 2030 die Hälfte unseres Fuhrparks mit alternativen Antrieben auszustatten. Aufgrund der finanziellen Situation und des aktuell knappen Angebots an Elektrofahrzeugen wird dies nicht möglich sein. Wir bleiben aber am Ball und prüfen bei jeder Ersatzbeschaffung, ob ein Fahrzeug mit alternativem Antrieb beschafft werden kann.»
Roman Breda, Leiter Abfalllogistik und Deponie, und sein Team setzen mit der RE-Kampagne im Alltag an.
«Wer seine Gewohnheiten überdenkt, weniger konsumiert und weniger Abfall produziert, tut nicht nur etwas für sein Wohlbefinden, sondern auch für die Umwelt. Hier setzt unsere neue RE-Kampagne an. Mit ihr sammeln und liefern wir wertvolle Anregungen, wie sich die fünf RE «REduce», «REuse», «REcycle», «REpair» und «REthink» in den Alltag integrieren lassen. Die neue Website www.re-sg.ch dient dabei als stetig wachsende Inspirationsquelle für einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. RE spannt einen weiten Bogen von den Entsorgungscentern (RE West und RE Ost) bis in den Lebensraum der Bevölkerung. Erstere sind ebenso wie die Wertstoffsammelstellen in der Stadt ein wichtiger Teil der abfallwirtschaftlichen Infrastruktur und Dienstleistungen. Mit dem Abfallkalender, den wir im Juni an alle Haushalte verschickt haben, ist die Bevölkerung erstmals mit der Kampagne in Berührung gekommen. Für die kommenden Monate sind zahlreiche weitere Aktivitäten geplant. Wir haben RE bewusst so konzipiert, dass wir die Kampagne neben dem Tagesgeschäft durchführen und Partner einbinden können.»
Birgit Capaul, Assistentin des Unternehmensleiters bei sgsw, organisiert das Büromaterial für 300 Mitarbeitende.
«Wir versuchen bei allen Produkten, den Nachhaltigkeitsgedanken in den Vordergrund zu stellen. Unsere Mitarbeitenden gehen sorgsam mit Büromaterial um. Benötigen wir Artikel nicht mehr, entsorgen wir sie nicht einfach, sondern geben sie zurück ins Materiallager. Auch gebrauchte Artikel. Das war schon vor der Richtlinie Nachhaltige Beschaffung so. Dieses Recycling trägt wesentlich zur Reduktion von Plastikmüll bei.
Das Ausmass unserer Bemühungen resp. deren Wirkung können wir nicht beziffern oder darstellen. Aber es ist anzunehmen, dass bei Schreibwaren mit Auffüllpatronen, die vorwiegend bestellt werden, weniger Abfall produziert wird. Zudem bieten Lieferanten immer mehr recyclierte Ware an. Mit der Digitalisierung wird künftig immer weniger Büromaterial gebraucht werden. Dies hat sich bereits vor der Richtlinie abgezeichnet.»
