Wie ist deine Liebe zum Rennfahren entstanden?
Als ich zweieinhalb Jahre alt war, hat mir mein Vater ein «Pocket Bike» geschenkt. Er selbst war ein angefressener Töff-Fahrer. Die Leidenschaft hatte ich also im Blut. Auch mein jüngerer Bruder nimmt an Rennen teil und wir trainieren oft zusammen. Mit dem Pocket Bike flitzte ich dann stundenlang in der Tiefgarage herum. Später verbrachten wir viel Zeit auf der Kartbahn in Sulgen, wo wir erfahrene Rennfahrer kennengelernt haben, die bereits bei den Schweizermeisterschaften angetreten sind und uns mit Tipps und Tricks versorgt haben. Durch diese Bekanntschaften wurde ich ebenfalls zum Rennfahren inspiriert und habe auch schnell erste Erfolge erlebt. Heute fahre ich in der italienischen Superbike Meisterschaft in der Kategorie Supersport 600.
Was spornt dich an?
Die Geschwindigkeit und das Adrenalin während der Rennen mag ich besonders. Ein gewisser Ehrgeiz, mein Können zu zeigen, ist da natürlich auch mit dabei. Und wenn dann entsprechende Resultate kommen, spornt das noch weiter an. Eine grosse Motivation ist auch der Traum, eine Saison lang in der Superbike-Weltmeisterschaft zu fahren. Diese Vision begleitet mich schon seit fast 18 Jahren. Bevor ich irgendwann mit dem Rennfahren aufhöre, möchte ich sicher sein, alles probiert zu haben, um meinen Traum zu verwirklichen.
Natürlich ist zeitweise alles etwas viel. Vor allem auch mit der Schule, die ich zurzeit absolviere, um den Fachausweis zum Immobilienbewirtschafter zu erhalten. Dafür gehe ich montags und mittwochs am Abend in die Schule – diese Tage sind lang. Zudem spüre ich die Anspannung und den Druck in der Woche vor einem Rennen stark. Da braucht es dann mehr Energie als sonst, die nötige Konzentration beizubehalten. Am Renn-Sonntag selbst sind diese Gefühle dann jeweils am stärksten. Besonders wenn ich an meine Sponsoren und alle, die mich seit Jahren unterstützen, denke. Ich möchte ihnen etwas bieten können. Und zuletzt auch mir selbst – ich verliere nicht gerne.
Wie lassen sich deine Arbeit und dein Hobby vereinbaren?
Das geht ziemlich problemlos. Das Rennfahren ist das komplette Gegenteil des Büroalltags, was einen guten Ausgleich bietet. Zeitlich ergänzt es sich auch super: Ich arbeite fünf Tage in der Woche bei der Dienststelle Liegenschaften, meine Rennen sind am Wochenende. Oftmals müssen wir dazu zwar bereits am Donnerstag oder Freitag mit dem Camper los, aber dann beziehe ich einfach Ferientage. Mit den insgesamt sechs Rennen pro Jahr geht das gut auf.
Das Zeitaufwändigste ist nämlich nicht das Rennfahren, sondern vielmehr die Organisation rundherum und das Trainieren. Für Trainings muss ich immer nach Deutschland, Frankreich oder Italien, da es in der Schweiz keine Rundstrecken gibt. Um generell fit zu bleiben, gehe ich unter der Woche oftmals joggen und boxen.
In meinem Team unterstützen mich alle sehr und finden es eine tolle Sache. Letzte Woche kamen sogar drei meiner Mitarbeitenden zu meinem Rennen in Cremona, was etwa eine halbe Stunde von Mailand entfernt ist. Sie waren positiv überrascht und hatten grosse Freude, das ganze Geschehen mitsamt dem ganzen Drumherum einmal live mitzuerleben.
