Das Stadtparlament hat im Mai 2023 über die Einführung von Tablets im Kindergarten entschieden. David Keller, Leiter Schulen Centrum/West, berichtet, wie das Projekt angelaufen ist und was es für Herausforderungen zu meistern gilt, bis die Kindergartenkinder zum ersten Mal im Unterricht ein Tablet in den Händen halten können.
Die Meinungen zum Einsatz von Tablets im Kindergarten gehen auseinander. Es gibt kritische Stimmen, die eine Gefährdung durch den frühen Medienkonsum befürchten. Die Befürworter hingegen sehen einen Vorteil im frühen Erlernen von Medienkompetenzen. David Keller, Leiter Schulen Centrum/West, kennt die Diskussionen, relativiert aber: «Man muss sich vor Augen halten, dass die Nutzungszeit nicht allzu gross sein wird. Jeder städtische Kindergarten wird bis ca. Februar 2024 mit drei Geräten ausgestattet. Bei 19 bis 20 Kindern wird sich die Bildschirmzeit somit in Massen halten», sagt er und ergänzt pragmatisch: «Früher hörte man Kassetten oder schaute einen Film im Fernsehen. Das waren damals aktuelle Medien. Heute sind es eben Tablets.»
Tablet kommen stufengerecht zum Einsatz
Vorteile sieht David Keller in den neuen Medieninhalten, die den Kindern zur Verfügung gestellt werden können. Die Tablets können auch im Teamteaching oder beim heilpädagogischen Arbeiten von grossem Nutzen sein, indem die Fortschritte der Kinder analysiert oder sprachliche Fortschritte gemessen werden. Einen Pluspunkt sieht David Keller auch darin, dass die Tablets die Kindergarten-Lehrperson bei der Eingewöhnung eines fremdsprachigen Kindes unterstützen können, indem sie mit Hilfe von speziellen Apps besser abgeholt werden können. Das Gerät kann beim Übersetzen behilflich sein und das Lesen von Texten oder das Lernen einer Sprache fördern. Natürlich liege auch viel Verantwortung bei den Lehrpersonen, so David Keller. Diese hätten die Aufgabe, die Geräte stufengerecht einzusetzen und könnten mitentscheiden, welche Lern-Apps zum Einsatz kommen.
Der Lehrplan bleibt auch analog
Die Frage wie viel Beaufsichtigung notwendig ist, stellt sich auch in anderen Bereichen: Es brauche eine gewisse Selbständigkeit der Kinder – so weit in diesem Alter möglich – und natürlich komme es auf die räumliche Situation und die Einrichtung der Kindergärten an, meint David Keller. Eine frühe medienpädagogische Bildung sei der heutigen Zeit angemessen, betont der Leiter Schulen Centrum/West. Nachteile gibt es aus seiner Sicht nur wenige. Natürlich könnten die Kinder durch die Geräte abgelenkt werden, räumt er ein. Bei drei Geräten pro Klasse sei diese Gefahr jedoch gering. Er weist auch darauf hin, dass viele Inhalte aus dem Lehrplan nicht mit elektronischen Geräten abgedeckt werden können. «Die Kinder werden nach wie vor draussen spielen, lernen wie man einen Stift hält oder mit der Schere umgeht.»
Die Kindergarten-Lehrpersonen werden mit Infoveranstaltungen auf die Nutzung der Tablets vorbereitet. Als Lehrpersonen haben sie zudem im Rahmen der kantonalen Bildungsoffensive die Möglichkeit, Weiterbildungen im digitalen Bereich zu besuchen. Teil des Konzeptes ist es, dass das vorhandene Wissen verteilt wird und sich die Lehrpersonen untereinander austauschen.
Eltern werden rechtzeitig informiert
Und wie reagieren die Eltern auf die anstehenden digitalen Veränderungen im Kindergarten? Laut David Keller hat es noch keine Reaktionen auf den Entscheid des Stadtparlaments gegeben. Für viele Eltern werde das Thema erst relevant, wenn ihre Kinder im Kindergarten tatsächlich mit Tablets arbeiten. Es sei eine umfassende Information der Eltern durch die Schulleitung und die Stufenteams geplant. «Da sicherlich nicht alle Lehrpersonen gleichzeitig beginnen werden mit den Tablets zu arbeiten – die einen brauchen etwas mehr Vorlaufzeit als die anderen – können wir Schritt für Schritt kommunizieren», sagt David Keller. Er geht von vorwiegend positiven Reaktionen aus.
