Einen Ast in vier Meter Höhe absägen, ohne auf den Baum zu klettern? Die Mitarbeitenden von Stadtgrün schaffen das. Die Lösung heisst Stangensäge – eine Säge, die an einer Teleskopstange befestigt ist. Das ist praktisch. Solange es funktioniert. Und hier liegt das Problem der Stangensäge, die gerade auf der Werkbank von Stephan Zehnder liegt. «Die Teleskopstange war verbogen, ein Loch zum Einrasten der Stange durchgebrochen», erklärt er. Soeben hat der gelernte Metallbauschlosser ein neues Loch gebohrt, nun biegt er die Stange vorsichtig zurecht. Noch etwas Schmiermittel darauf, eine kurze Funktionskontrolle, ein zufriedenes Nicken – Reparaturauftrag abgeschlossen. Die nächsten Patienten stehen schon bereit: ein Laubrechen mit abgebrochenen Zähnen, einer mit defektem Stiel und ein Holzpfosten mit halb abgesplitterter Kante und der Aufschrift «bitte leimen».
«Warum wegwerfen?»
Defekte Produkte und Geräte werden nicht einfach durch neue ersetzt, sondern repariert – sofern möglich und wirtschaftlich vertretbar: Das gehört zu den Grundsätzen der Richtlinie Nachhaltige Beschaffung, die seit 1. Juli 2023 gilt. Für das Team der Stadtgrün-Werkstätten ist das nichts Neues. «Wir haben das schon immer so gemacht», sagt Stephan Zehnder. «Ich finde das sinnvoll. Warum soll man etwas wegwerfen, wenn man es noch gebrauchen kann?» Die Frage beantwortet er mit dem nächsten Handgriff: Stephan Zehnder ersetzt die kaputten Zähne des Laubrechens durch intakte, die er von einem nicht mehr zu rettenden Rechen behalten hat.
«Was geflickt werden kann, wird geflickt»: So bringt es im Büro gleich nebenan die Werkstattleiterin Christine Tarantino auf den Punkt. Selbstverständlich wäge man bei alten Geräten und grossem Aufwand ab, ob sich eine Reparatur lohnt. «Aber angesichts der Wegwerfgesellschaft ist es doch schön, wenn man Dinge überhaupt noch flicken kann.» Manchmal sei dazu Tüftlergeist nötig, zum Beispiel kürzlich bei der Reparatur des alten Loipenfahrzeuges. Aber es hat geklappt – zur grossen Freude von Christine Tarantino. Denn damit sende die Werkstatt, in der sie auch selbst Hand anlegt, eine Botschaft an die Mitarbeitenden draussen: «Seht, was alles möglich ist! Bringt defekte Geräte vorbei, wir finden eine Lösung.»
Sorgfalt ist entscheidend
Eine andere Botschaft könne nicht oft genug wiederholt werden, sagt Christine Tarantino: «Die Lebensdauer eines Produkts hängt weitgehend davon ab, wie man damit umgeht. Ich lege grossen Wert darauf, dass man den Geräten und Werkzeugen Sorge trägt.» Das sei eine Frage der persönlichen Haltung, vor allem aber auch eine Kostenfrage. Christine Tarantino weiss genau, welche Summen für Neuanschaffungen zusammenkommen. Denn als Leiterin Werkstatt und Material ist sie bei Stadtgrün auch für den Einkauf von Werkzeugen, Fahrzeugen und Bekleidung zuständig.
Im Werkhof fährt ein Stadtgrün-Lieferwagen vor. Eine Rasenpflegegruppe bringt zwei Rasenmäher zur Reparatur. «Diese Mäher kommen häufig zu uns in die mechanische Werkstatt», erklärt Fabio Körber, der Dritte im Bunde des Werkstattteams. «Das überrascht nicht, denn viele sind bereits zehn Jahre alt. Und im Gegensatz zum Privatgarten sind sie bei uns nicht alle zwei Wochen für eine Stunde im Einsatz, sondern eine Arbeitswoche lang, sechs bis sieben Stunden pro Tag.» Sommer ist Hochsaison für die rund 500 Maschinen und Geräte, um die sich Fabio Körber kümmert. «Das geht von der Heckenschere bis zum Traktor. Meine Arbeit ist enorm abwechslungsreich», sagt der gelernte Baumaschinenmechaniker und schraubt ein Rad an die Vertikutiermaschine, die er gerade auf Vordermann bringt. Und was läuft hier im Winter? «Dann führe ich bei allem, was einen Motor hat, einen Service durch.» Schliesslich sei auch das für die Langlebigkeit entscheidend: «Guter Service und gute Pflege.»
Nachhaltige Beschaffung
Mit der Richtlinie Nachhaltige Beschaffung neues Fenster hält der Stadtrat alle Dienststellen dazu an, beim Einkauf von Waren und Dienstleistungen noch mehr auf ökologische und soziale Aspekte zu achten. Dazu gehört, dass auch Alternativen zu einem Neukauf geprüft werden, zum Beispiel Sharinglösungen, der Kauf von Gebrauchtwaren oder – wie hier beschrieben – Reparaturen.
