Schon als sie selbst noch ein Kind war, wollte Kathleen Hahnenberg etwas mit Medizin machen. Heute arbeitet sie nicht nur als Zahnärztin, sondern ist auch dreifache Mutter und engagiert sich zusammen mit ihrer Familie für Kinder in Uganda. Kathleen hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Menschen in Uganda zu helfen, indem sie selbst vor Ort anpackt sowie hierzulande Spenden sammelt und über die Lebensbedingungen aufklärt. Ihr Glaube ist einer der grössten Beweggründe für ihr Engagement.
Zahnärztin aus Leidenschaft
Seit 16 Jahren lebt und arbeitet die Zahnärztin in der Schweiz. In ihrem Alltag dreht sich alles um Kinder und deren Zähne. Sie führt Zahnbehandlungen in der Klinik, Narkosebehandlungen im Kinderspital durch, macht Klassenuntersuche und besucht die Kinder im Kindergarten. Ihre Arbeitgeberin ist seit Oktober 2007 die Kinder- und Jugendzahnklinik der Stadt St. Gallen unter der Leitung von Yvonne Wagner.
Es sei zwar ein stressiger Job, aber sie und ihre Assistenz Eveline Lehmann seien ein eingespieltes Team und würden einander ohne viele Worte verstehen, erzählt Kathleen. Sie liebe die Herausforderung, die die Arbeit mit Kindern mit sich bringe. «Wir haben zurzeit eine Patientin, die ich nur mit Lachgas behandeln kann, weil sie so Angst hat. Trotzdem gefällt es ihr so sehr, dass sie ein Schnupperpraktikum machen möchte.» Dieses Kompliment spricht für sich.
Die Lebensaufgabe weit weg von zuhause gefunden
So gerne Kathleen Hahnenberg als Zahnärztin in St.Gallen arbeitet – ihr Herz schlägt für Uganda. Seit vielen Jahren hat sie Patenkinder im ostafrikanischen Land. Sie unterstützt die christliche Organisation «Vision for Africa», welche Kindern in Uganda einen Zugang zu Bildung ermöglicht. Vor zwei Jahren waren Kathleen und ihre Familie zum ersten Mal zu Besuch. Seit diesem Moment ist Uganda für sie ein Glaubens- und Herzensprojekt, denn sie hat gespürt, dass sie dort gebraucht wird: «Aufgaben gibt es viele, es fehlt an allen Ecken und Enden.» Ihr gehe es vor allem um die Kinder, die um ihr Überleben kämpfen müssen. Man sieht es Kathleen an, dass ihr das Schicksal dieser Kinder sehr nahe geht. «Es ist schwierig, meinen eigenen Kindern den richtigen Umgang mit Konsum beizubringen. Aber diese Reisen und Erlebnisse in Uganda erden uns.»
Bei ihrem ersten Besuch in Uganda haben die Gastfreundschaft und die Lebensfreude der Leute Kathleens Herz im Sturm erobert. Mit dem Auto ging es zu einer kleinen Farm mit einem hübschen Haus, in dem die Leute aus der Umgebung versorgt werden. Mit Gesang und Trommeln haben die Kinder die Familie begrüsst. Dieses Erlebnis hat sich bei Kathleen besonders eingeprägt.
Es ist schwierig, meinen eigenen Kindern den richtigen Umgang mit Konsum beizubringen. Aber diese Reisen und Erlebnisse in Uganda erden uns.
Fachwissen und Material im Gepäck
Mit ihrem Fachwissen als Zahnärztin kann Kathleen den Menschen in Uganda helfen. Sie kommt nicht mit leeren Händen, sondern bringt allerlei Instrumente und Materialien aus Spendenaufrufen mit. Diese werden in der Schweiz nicht mehr gebraucht, aber sind noch völlig in Ordnung. Sie bringt diese wichtigen Sachen einem befreundeten Ehepaar, das seit fast 3 Jahren im medizinischen Einsatz in Uganda lebt. Sie leitet als Gynäkologin ein Spital in Tongolo und er arbeitet als Zahnarzt im selben Spital. In diesem Jahr hat Kathleen zum ersten Mal mitangepackt und im Busch Zähne gezogen. Eindrücklich erzählt sie von den Behandlungen: «Für die Anästhesie werden keine dünnen Spritzen wie bei uns verwendet, sondern Spritzen gefühlt in der Grösse von Stricknadeln. Das kostet Überwindung!»
Normalerweise finden die Behandlungen unter freiem Himmel statt. Weil aber gerade Regenzeit war, durfte Kathleen mit ihren Leuten die Menschen im Eingangsbereich einer Kirche behandeln. Auf einem einfachen Plastikstuhl hätten die Patienten gesessen, erzählt Kathleen: «Keine Person, die sich behandeln liess, hat einen Ton gesagt. Sie haben alles tapfer über sich ergehen lassen, weil sie wissen, dass es wichtig ist.»
Ein Projekt folgt auf das andere
Kathleens grösstes Anliegen ist das Wohl der Kinder. Gerade die Kinder mit einer Behinderung haben ein besonders schweres Schicksal. Sie werden als Fluch angesehen und ihren Grossmüttern überlassen. «Gäbe es diese Grossmütter nicht, wäre Uganda noch schlechter dran», davon ist Kathleen überzeugt. Eine gute Freundin von Kathleen, sie heisst Eva-Maria Wenger, hat in Uganda eine Hilfsorganisation gegründet, die sich um diese Kinder kümmert. Ihre Freundin versorgt die Kinder mit Lebensmitteln und unterstützt die «Good Samaritan School», eine integrative Schule, an der es Kinder mit und ohne Behinderung gibt. An dieser Schule sollten dringend einige Sachen renoviert werden. Es gibt lediglich einen Schlauch, um sich zu waschen, das Handtuch teilen sich zwanzig Kinder. Die Schulräume brauchen einen neuen Boden und die Kleinsten haben Unterricht in einer Wellblechhütte.
Seit diesem Jahr gibt es an der Schule eine Suppenküche. Kathleen hat zum ersten Mal mitgekocht. Es gab Reis mit Bohnen und eine Fleischsuppe. «Die Kinder haben solche Berge an Essen auf dem Teller gehabt, da hätte ich eine Woche davon leben können. Und sie haben das alles aufgegessen! Sie haben das Essen wortwörtlich verschlungen.» Die Augen von Kathleen leuchten vor Freude.
Auch um die Kinder in der Nachbarschaft kümmert sich Eva. Und das sind nicht wenige. Über dreihundert Kinder kommen montags und freitags vorbei und bekommen ein Stück Brot und eine Banane. Als Kathleen 2021 ihre Freundin begleitet hat, kam ihr die Idee, etwas Schweiz nach Uganda zubringen. Sie hat Chocolat Frey angeschrieben und um eine Spende gebeten. Gut hundert Kilogramm Schokolade kamen am Schluss zusammen. So viel, dass Kathleen die Hälfte der Schokolade einer anderen Organisation spenden konnte.
Arbeit gibt es genug
Nächstes Jahr will Kathleen noch mehr helfen. Ihr Mann und sie werden als Botschafterin und Botschafter von ProUganda.ch in der Schweiz nach Sponsoren suchen. Pro Uganda ist eine zehnjährige deutsche Organisation, die mittlerweile einen Ableger in der Schweiz hat. Viele Menschen in Uganda verlieren bei Unfällen Gliedmassen und brauchen Prothesen. Pro Uganda hat eine solche Prothesenwerkstatt und möchte in Zukunft eine Reha-Station mit Physiotherapie aufbauen. Kathleen und ihre Familie beteiligen sich an diesem Projekt. «Wir sind Praktiker, da können wir anpacken und gleich loslegen.» Kathleens Mann ist selbst Physiotherapeut und treibt gemeinsam mit ihr dieses neue Projekt voran.
Nach Uganda zu ziehen kommt für Kathleen Hahnenberg und ihre Familie aber nicht in Frage. Zu sehr liebt sie ihre (Wahl-) Heimat die Schweiz, um den eigenen Lebensmittelpunkt nach Uganda zu verlegen. Trotzdem will Kathleen weiterhin ein- bis zweimal im Jahr dorthin reisen und vor Ort mit anpacken.
