«Zwillinge finden sich immer irgendwie» – bei Esther Schmid und Simon Netzle scheint dieses Klischee zuzutreffen. Aufgewachsen sind die Zwillinge in Diessenhofen im Kanton Thurgau. Ihre Ausbildung haben sie in weit voneinander entfernten Ecken der Schweiz absolviert. Simon hat Geschichte in Fribourg studiert, Esther nach einer Banklehre die Pädagogische Hochschule in Kreuzlingen besucht. Mittlerweile sind beide in der Stadt St.Gallen tätig: Sie als Lehrerin im Primarschulhaus Oberzil und er in der Kommunikation der Stadtverwaltung. Dass sie beide bei der gleichen Arbeitgeberin angestellt sind, ist einer von vielen Zufällen in ihrem Leben. Bewusst hätten sie sich nicht dazu entschieden. «Es passierte einfach», sagt Simon lachend. So sei es auch beim Wohnort gewesen: In ihrer Jugend hatten die Zwillinge keinen Bezug zu St.Gallen – «nicht mal zur OLMA» – sind aber beide der Liebe wegen in die Stadt gekommen. Und wie es der Zufall wollte, wohnen beide sogar am selben Hügelzug. Geplant hätten die beiden dies nie. «Vielleicht ist es eine Eingebung», sagt Esther und schmunzelt.
Die gleiche Arbeitgeberin, aber trotzdem weit entfernt
«Es ist bezeichnend, dass wir ähnlich gelagerte Jobs haben», sagt Esther. In beiden Berufen spiele Kommunikation eine wichtige Rolle, was ein weiterer Zufall, aber auch eine Verbindung der Beiden darstellt. Esther freut es, dass sie diese Gemeinsamkeit als Lehrerin ausleben kann und Simon in der Stadtverwaltung. Dennoch sind sie im «daily business» weit genug voneinander entfernt, was den Zwillingen durchaus passt: «Wir müssen uns nie bewusst meiden.»
Dadurch haben Simon und Esther kein Problem, Berufliches von Privatem zu trennen. Ohnehin tauschen sich Esther und Simon selten über die Arbeit aus. Wenn Simon mit Esther über die Arbeit spricht, ist das so, wie wenn er mit Anderen über seine Arbeit sprechen würde. Hinzu kommt, dass sie nicht auch noch im selben Haushalt leben und sich nicht tagtäglich sehen. Hier höre das Zwillings-Dasein definitiv auf. Da sei die Partnerin oder der Partner die erste Anlaufstelle.
«Verständnis für den Beruf ist grösser.»
Für Simon gibt es aber durchaus einen Vorteil, dass seine Schwester ebenfalls in der Stadtverwaltung arbeitet: «Ich bekomme einen Einblick, was sich auf das Verständnis für ihren Beruf auswirkt.» Die Abteilung Kommunikation arbeitet mit der Dienststelle Schule und Musik oft auf Ebene der Schulleitungen zusammen. Esther ermöglicht ihm einen Einblick in den praktischen Schulalltag. Esther ergänzt, dass sie selbst wenig mit der strategischen und konzeptionellen Ebene zu tun hat. «Für uns Lehrerinnen und Lehrer ist das ja wirklich weit weg.» Sie hätten in der Schule ihre eigene kleine Welt, in welcher sie vieles selbst entscheiden könnten. Ihr Bruder arbeite für sie irgendwo weit entfernt. Es erstaunt sie selbst, wie gross die Verwaltung ist und wie unterschiedlich die Berufsfelder innerhalb sind. Vielleicht ist diese Distanz für die Zwillinge besonders wichtig. Denn wie Esther sagt, müsse sich jeder für sich selbst entfalten können. Und genau das lässt die Stadtverwaltung mit ihrer Vielseitigkeit zu.
