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«Diwanchösseliuflauf mit Tomatesosse»

Eine schnelle Portion Ravioli, ein Apfelmus zum Dessert, Birnen, Aprikosen, Bohnen, Erbsli, Rüebli, ein Confibrötli zum Zmorge oder Riz Casimir mit Fruchtsalat. Sie ahnen es: Es geht um Konservendosen. Die kleine Conservenfabrik St.Gallen AG war in den 1960er-Jahren für mehr als 50 % der schweizerischen Ravioliausfuhren verantwortlich. Ihre ehemaligen Räumlichkeiten in der Nähe des Bahnhofs Winkeln sind heute umgenutzt. Doch der Geist der alten Fabrik schlummert in den Akten: Lesen Sie im neuen «Fund aus dem Stadtarchiv» die konservierten, nicht blechernen, sondern durchaus lebendigen Stimmen der Fabrikarbeiterinnen und Fabrikarbeiter.

 

Anlieferung von Früchten zur Konservierung in die Fabrik (ca. 1955). Quelle: StadtASG, PA/X/61/5.

Strafen gab es, wenn man sich beispielsweise nicht an das Rauch- oder Essverbot während der Arbeitszeit hielt. Dann «bekam man es schriftlich» oder mit der «Donnerstimme» von Direktor Hüeblin höchstpersönlich zu tun. Diese wirkte auf gewisse Mitarbeitende offenbar so einschüchternd, dass sie während des «Donnerwetters» einfach davonliefen.

Das Dosenlager der «Conservi» (ca. 1955). Quelle: StadtASG, PA/X/61/4.

In der Dosenfabrikationsabteilung war es eine Zeitlang Mode, über den Mittag mit leeren Dosen an den Fäusten Boxkämpfe auszutragen. Ein frühzeitiger Kontrollgang setzte diesem Sport ein jähes Ende. Die improvisierten Boxerhandschuhe sassen so gut, dass die beiden Kampfpartner sie sich von den Händen wegschneiden mussten.

Text: Vera Zürcher, Stadtarchiv