«Ich bin ein Bewegungsmensch», sagt Erich Kuster. Selbstverständlich fährt er fast täglich mit seinem Alltagsvelo von seinem Wohnort Eggerstanden zur Arbeit bei der Stapo in St.Gallen. Zum Langlaufen kam der 48-Jährige erst spät. Mit 26 Jahren suchte er einen Ausgleich zu seiner anderen Leidenschaft, dem Mountainbiken, bei dem er es auch schon oft zu nationalen Ehren gebracht hat. Da er Fitness-Studios meidet, suchte er eine Outdooraktivität, die er auch im Winter ausüben kann. Das Langlaufen erfüllte alle seine Ansprüche: «Ein super Krafttraining – verschiedene Muskelpartien wie Schulter, Arme und Rumpf werden trainiert. Gleichzeitig werden beim Gleiten die Gelenke geschont.»
Zum Einstieg empfehle ich klassisch – diese Methode ist einfacher, weil sie unser natürliches Gehen imitiert.
Wer frisch mit dem Langlaufsport beginnen will: Was gilt es zu beachten?
«Am besten ist ein Schnupperkurs. Dort kann man ausprobieren, was einem am besten liegt – das klassische Langlaufen in der Loipe oder das Skating, bei dem man sich im Schlittschuhschritt auf gewalzter Piste vorwärtsbewegt. In kurzer Zeit kann man sich mit Ausrüstung und Technik vertraut machen.»
Womit soll man beginnen – klassisch oder Skating?
«Zum Einstieg empfehle ich klassisch. Diese Methode ist einfacher, weil sie unser natürliches Gehen imitiert. Zudem ist die Belastung auf die Knie weniger hoch als beim Skaten. Es kann auch besser dosiert und mal gemächlich gelaufen werden. Schliesslich ist man geführt in einer Spur unterwegs und rutscht seitlich nicht weg. Beim Skaten braucht es etwas mehr Übung, bis man den Schlittschuhschritt und die Gewichtsbelastung auf einem Ski beherrscht. Dafür lässt sich im hügeligen Geländer besser bremsen und steigen – ähnlich wie beim Skifahren.»
Angenommen, jemand möchte einmal am Engadiner Skimarathon teilnehmen. Was braucht es alles dafür?
«Rein von der Kondition her gar nicht mal viel. Der Engadiner ist ein einfacher Marathon, bei dem es tendenziell abwärts geht. Wer genug Pausen zum Trinken und Essen einlegt, schafft diesen problemlos. Allerdings kann der Engadiner ermüdend sein, steht man doch bis über drei Stunden auf den Ski. Wer also den Lauf geniessen will, sollte körperlich fit sein und an seiner Technik arbeiten. Ziel ist es, ins Gleiten zu kommen und die Stöcke sparsam einzusetzen. Sonst macht es weniger Spass. Damit man weiss, wie es sich anfühlt, sollte man mindestens einmal zuvor zwei Stunden am Stück trainieren.»
Den Engadiner ist Erich Kuster selbstverständlich schon öfters gelaufen. Seit 2018 hat er aber vorerst damit abgeschlossen. Grund: Obwohl er diesen mit 1 Stunden und 44 Minuten – «einer Superzeit» – absolviert hatte, verpasste er damals erstmals die erforderliche Qualifikation, um in der obersten Eliteklasse mitzulaufen – um läppische drei Sekunden und zwei Plätzen! Eine Stufe tiefer bedeutet im grossen Pulk lange vorher einzustehen und am Start lange nicht wegzukommen. «Ich laufe viel lieber vorneweg, bei top präparierter Loipe.» Mittlerweile geniesst Erich Kuster auch die Stille und Naturerlebnisse, wie etwa bei Abendrot durch tief verschneite Wälder und Landschaften zu ziehen.
Wie setzen Sie Ihre Fitness und Kondition im Polizeiberuf ein?
«Man sollte eigentlich in jedem Beruf fit sein – körperlich und mental. Das wird mir besonders in schwierigen Situationen oder bei längeren Einsätzen bewusst. Zum Beispiel waren wir vor einigen Jahren beim WEF in Landquart bei einer Einkesselung mit mehreren hundert Demonstranten beschäftigt. Bis alle einzeln identifiziert waren, dauerte es einige Stunden. Bei Kälte mit Helm und schwerer Schutzausrüstung war das anstrengend. Doch dank des Sports lernt man, sich durchzubeissen und solche Belastungen besser zu meistern.»
Dank seiner Hochlage bietet St.Gallen im Gegensatz zu anderen grossen Schweizer Städten erstaunlich viele Möglichkeiten. Allein auf Stadtgebiet gibt es fünf Loipen, die bei genügend Schnee von Stadtgrün für klassisch und Skating präpariert werden. Auf einer eigenen Website wird der aktuelle Pistenbericht angezeigt (Link siehe unten). Aber auch grössere Langlaufgebiete wie Gonten oder Gais mit Längen bis zu 35 km sind in weniger als 40 Minuten per Bahn erreichbar. Eine Übersicht bietet Appenzellerland Tourismus AR.
