Esther Braun, wie kam es zur Urban-Farming-Idee auf dem KHK-Dach?
Es ging ESG darum, der Natur etwas zurückzugeben: Auf 1'700 Quadratmetern ist eine Grünfläche der speziellen Art entstanden: Neben 52 Trögen mit Reben dient eine Magerwiese mit einheimischen Pflanzen der Artenvielfalt. Inspiriert von einer Doku über einen Rebberg mitten in New York, haben wir uns dann Tipps und Ratschläge vom kantonalen Rebbaumeister geholt – nicht zuletzt, weil St.Gallen nicht gerade das günstigste Klima für Reben hat. Wir haben dann fünf verschiedene Sorten ausgewählt, die pilzwiderstandsfähig und somit robust gegen Schädlinge sind.
Warum betreibt ein Unternehmen wie ESG einen Rebberg?
Wir befassen uns den ganzen Tag mit Abfall, da spielt der Umweltgedanke natürlich immer mit. Das Projekt soll aufzeigen, dass man Abfallstoffe durchaus weiterverwenden kann: Die Magerwiesen wachsen auf Aushubmaterial der Deponie, die Rebtröge sind mit lokalen Aushubböden gefüllt und die Gehwege auf dem Dach sowie die Befüllung der Entwässerungsbereiche in den Trögen bestehen aus Schottermaterial aus Glasrecycling. Die Begrünung bietet Lebensraum für Pflanzen und Kleintiere. Zudem dämmt sie das Gebäude, reduziert damit den Energieverbrauch und erhöht die Lebensdauer des Dachs, da sie schädliche UV-Strahlen absorbiert.
Was sind die Erkenntnisse nach fünf Jahren?
Wir haben an den verschiedenen Produkten, die man aus den Trauben gewinnen kann, herumgeprobt. Für Wein eignen sich unsere Reben nicht, deshalb haben wir es zuerst mit Traubenschorle probiert. Was sich nun als bestgeeignetes Produkt herauskristallisiert hat, ist der «KHK-Brand» – ein Traubenbrand, den eine regionale Brennerei für uns herstellt. Davon gibt es pro Jahr etwa 30 Flaschen. Es hat sich auch gezeigt, dass trotz resistenter Sorten drei- bis viermal pro Jahr gespritzt werden muss, um etwa Mehltau zu verhindern. Wir machen das aber rein biologisch, zum Beispiel mit Fenchelextrakt.
