Wenn Claudia Wiedemann Zaugg und Fredy Zaugg morgens das Haus verlassen, machen sie sich teilweise gemeinsam, meistens zu Fuss, auf den Weg zur Arbeit bei der Stadtverwaltung. «Vorher war das nicht möglich, da habe ich in Zürich gearbeitet oder wir haben uns bei der Kinderbetreuung daheim abgewechselt», erzählt Fredy Zaugg, Leiter Dienststelle Umwelt und Energie. Seit 11 bzw. 22 Jahren sind er und seine Ehefrau Claudia Wiedemann Zaugg, Leiterin Personal und Recht bei der Dienststelle Schule und Musik, beide für die Stadtverwaltung tätig. Jeden Morgen gehen sie von St. Georgen aus los, via Mühlegg, entweder in Richtung Hotel Einstein oder in Richtung der Talstation und von dort aus weiter ins Büro.
Aus den Augen, aus dem Sinn?
Spätestens beim «Globus» trennen sich die Wege des Ehepaars für den Rest des Arbeitstags. «Aus den Augen, aus dem Sinn?» könnte man sich jetzt fragen – zumindest verlieren sich die beiden aus den Augen, denn Berührungspunkte gibt es im Arbeitsalltag kaum. Als Ausnahme erwähnen sie die Zusammenarbeit im Rahmen der Steuergruppe des Projekts zur Erweiterung des Energiekonzepts, in dem alle Dienststellen vertreten sind. Die Tatsache, dass die beiden Arbeitsstellen in unterschiedlichen Direktionen angesiedelt sind, bestärkt die räumliche und arbeitsinhaltliche Distanz zwischen Claudia und Fredy. «Und in den Mittagspausen?» Diese verbringt das Paar selten gemeinsam. Früher, als die gemeinsamen Kinder noch in die Kantonsschule gingen, hatte es sich für die ganze Familie bewährt, sich einmal pro Woche auswärts zum Lunch zu treffen. Ansonsten waren entweder Fredy oder Claudia über Mittag daheim und kochten jeweils für die beiden Kinder.
Die Beschäftigung beim selben Arbeitgeber beeinflusst aus Sicht des Paares weder das Berufs- noch das Privatleben gross. «Wir würden auch über die Arbeit sprechen, wenn wir bei unterschiedlichen Arbeitgebern angestellt wären», ist Claudia überzeugt. Fredy fügt hinzu: «Der Austausch über verschiedene Themen oder Vorkommnisse ist sicherlich einfacher, da uns beiden teilweise die beteiligten Personen bekannt sind.» Beide sind sich darüber einig, dass aufgrund der Fülle an ähnlichen Themen und durch dieselben Prozesse die Möglichkeiten des Austausches einfacher sind.
Eine Anstellung im selben Betrieb eröffnet gewisse Vorteile, von denen das Ehepaar derzeit profitiert: So vereinfacht sich die private Planung, indem beide gelegentlich Einblick in den Outlook-Kalender des jeweils anderen erhaschen und dadurch Termine effizienter koordinieren können. «Ein Blick in den oftmals voll belegten Kalender lohnt sich zum Beispiel, wenn der Besuch im Theater eingeplant werden möchte», erzählt Claudia Wiedemann Zaugg. Ausserdem haben sie jeweils den Stadtspiegel in doppelter Ausführung erhalten, fügt Fredy lächelnd hinzu. Nachteile sehen beide keine, im Gegenteil: Es sei ein Vorteil, bei einer grossen Arbeitgeberin angestellt zu sein, auch mit Blick auf die Sicherheit des Arbeitsplatzes. Im Arbeitsumfeld werden die beiden nur selten darauf angesprochen, dass sie ein Paar seien. «Früher war das schon eher der Fall», sagt Claudia Wiedemann und erinnert sich, dass ihr aufgrund ihres Nachnamens häufig Fachkompetenzen im Rechnungswesen zugeschrieben worden seien, da ihr Vater, Walter Wiedemann, früher die Finanzkontrolle der Stadt St.Gallen leitete.
Nach dem Vorbild des Vaters
War es Zufall oder bewusste Entscheidung, bei derselben Arbeitgeberin tätig zu sein? Kennengelernt jedenfalls haben sich die beiden nicht in der Stadtverwaltung, sondern in der Jugend als Nachbarn. Claudia Wiedemann Zaugg hat ausserdem im Vergleich zu Ehemann Fredy viel Vorsprung mit Blick auf die Anzahl Jahre, die sie für die Stadtverwaltung tätig ist: Die heutige Leiterin Personal und Recht hat bereits ihre Lehre zur Kauffrau bei der Stadtverwaltung absolviert. Dannzumal war ihr Vater, Walter Wiedemann, bereits bei der Stadtverwaltung tätig. Rund 35 Jahre hat sich der ehemalige Dienststellenleiter der Finanzkontrolle, der als Mitarbeiter dieser Dienststelle angefangen hatte, für die Stadtverwaltung engagiert. Obwohl Claudia als Jugendliche nur eine vage Vorstellung von der Vielfalt an Tätigkeiten hatte, die bei der Stadtverwaltung ausgeübt werden können, hat sie – nicht zuletzt, weil ihr Vater bei der Stadtverwaltung arbeitete – ihre Berufslaufbahn hier gestartet. Während und nach ihrem Studium im Bereich Staatswissenschaften an der Universität St.Gallen (HSG) hatte Claudia Wiedemann Zaugg im Rahmen von befristeten Anstellungen immer wieder Gelegenheit, in verschiedene Bereiche der Verwaltung hineinschauen zu können. Direkt nach dem Studium stieg sie im Jahr 2001 bei der Direktion Soziales und Sicherheit (dannzumal Polizeiverwaltung) als juristisch-betriebswirtschaftliche Mitarbeitern mit einer Festanstellung ein. In den Folgejahren arbeitete sie mit dem Team der Dienststelle Gesellschaftsfragen zusammen, bevor sie schliesslich zur Dienststelle Schule und Musik wechselte.
Fredy Zaugg stieg 2012 bei den Technischen Betrieben ein. Damals war Walter Wiedemann zwar bereits pensioniert, aber seine Erfahrungen bei der Stadtverwaltung haben wohl auch den Schwiegersohn beeinflusst. «Mein Schwiegervater ist der Ursprung unserer familiären Mitarbeit bei der Stadt», erinnert sich Fredy Zaugg. Seine Ehefrau ergänzt, dass sie mit ihrem Vater ab und zu über die Arbeit spreche und er auch viel darüber erzähle, wie es früher war. Besonders auf die Vielfalt seiner Tätigkeit blicke der heutige Pensionär wertschätzend zurück: So hatte er die Chance, mit der gesamten Verwaltung zusammenzuarbeiten, von subventionierten Betrieben über den Stadtrat hin zum Stadtparlament. «Die Tätigkeit als Revisor hat ihm dabei sehr gut gefallen», erzählt Tochter Claudia und bringt die fortwährende Vernetztheit ihres Vaters in diesem Zusammenhang zur Sprache. So sei er als Dienststellenleiter der Finanzkontrolle stets bemüht gewesen, das Geld der Stadtverwaltung effektiv einzusetzen und die optimalen Abläufe sicherzustellen. Heute noch stehe er in Kontakt mit einzelnen ehemaligen Kollegen und Kolleginnen und erinnere sich gerne an die Zusammenarbeit zurück.
Die Familie als Gesicht einer Kampagne
Das Ehepaar Wiedemann Zaugg kann sich durchaus vorstellen, dass sich noch weitere Familienmitglieder für die Stadtverwaltung engagieren. «Möglich ist es immer», sagt Fredy Zaugg und erzählt von der älteren Tochter und von Claudias Bruder, die beide monateweise während des Studiums in den Betrieb hineingeschaut haben. «Es kommt natürlich auch auf die Stelle an», ergänzt Claudia Wiedemann und meint, dass keine ihrer Töchter eine Ausbildung absolviert habe, die in der Stadtverwaltung gesucht würde. Die jüngere Tochter hatte bereits die Gelegenheit, ein Praktikum bei der Schulgesundheit zu absolvieren und für die ältere Tochter sei das Zwischenjahr eine super Chance gewesen, vor dem Studium ein erstes Geld zu verdienen.
Familie Wiedemann Zaugg ist noch heute das Gesicht der städtischen Energieberatungskampagne. «Das hat sich so ergeben», erinnert sich Fredy Zaugg.
Als unsere Dienststelle für die Energieberatungsdienstleistung Werbung machen wollte und eine passende Familie suchte, haben wir uns spontan zur Verfügung gestellt.
Herausgekommen ist eine Kampagne, für die die Familie wieder werben würde. «Wenn es jedoch nochmals eine Siebenjährige bräuchte, hätten wir ein Problem», schmunzelt der Dienststellenleiter Umwelt und Energie und blickt Ehefrau Claudia entgegen, die nickt. «Eine solche Kampagne ist eine gute Sache» bekräftigt sie und berichtet von weiteren Energiesparkampagnen, für welche Tochter Anna-Lea erneut im Einsatz stand, diesmal, um für die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs zu werben.
War es nun Zufall oder bewusst entschieden, dass Claudia Wiedemann Zaugg und Fredy Zaugg beide für die Stadtverwaltung tätig sind? Ganz dem Zufall überlassen war die Entscheidung wohl nicht, denn auf langjährige familiäre Vorerfahrungen blicken beide gerne zurück.
