6 Uhr früh, draussen ist es noch dunkel, bei Alfredo D’Abrosca im Büro beim KHK brennt schon Licht. Um 7 Uhr geht die Tour los – als Teamleiter von zwölf Leuten hätte er heute eigentlich seinen Bürotag. Doch weil gleich zwei Leute krankheitshalber ausfallen, springt er heute ein.
Gitarre auf Abwegen
Um 7 Uhr fährt der Kehrichtlastwagen mit der Aufschrift «Sackstark» im orangen Licht der aufgehenden Sonne daher – die Tour beginnt heute im Neudorf. Hinten stehen normalerweise zwei Müllmänner – heute fährt Alfredo D’Abrosca und hat auf dem Trittbrett nur einen Mitarbeiter, Marcel Geissler, dabei. Alfredo muss daher oft aussteigen, denn das geht nicht allein: Kehrichtcontainer, Unterflurcontainer, Sperrgut, fast alles lädt der 18.5 Tonnen schwere Lastwagen auf. Aus den Abfallbergen blitzen auch immer wieder verrückte Dinge hervor. So schaut heute eine Schaufensterpuppe aus der Müllpresse heraus, als würde sie um Erbarmen bitten. Unter dieser Rubrik erinnert sich Alfredo D’Abrosca auch an die Geschichte eines neuen Mitarbeiters, der an seinem ersten Tag eine brandneue Gitarre einlud, weil der Besitzer sie versehentlich neben den abzuholenden Abfall stellte. Eigentlich wollte dieser nur kurz sein Auto wegstellen. In dieser Zeit fuhr das Kehrichtfahrzeug vorbei – der Rest ist Geschichte.
Dass Alfredo D’Abrosca in diesem Beruf gelandet ist, sei eher zufällig. Nach seiner Lehre als Autospengler wurde er Heizungssanitär. Da erzählte sein Nachbar ihm von einer freien Stelle als Kehrichtchauffeur – und ehe er sich versah, feierte er vergangenes Jahr sein 25-Jahre-Jubiläum bei der Stadt.
«Heute ist es schöner als im Büro»
Er und sein zwölfköpfiges Team sind bei jedem Wetter im Einsatz – egal ob Wind, Regen, Sturm oder Schnee. «Am mühsamsten ist jedoch, wenn es den ganzen Tag regnet und die Kleidung mit der Zeit richtig vollgesogen ist», sagt Alfredo D’Abrosca. Heute um 8 Uhr hat es zwar nur zwei Grad Celsius, doch: «An einem solch sonnigen Tag ist es schöner als im Büro», sagt er zufrieden. Um die Temperaturen ein bisschen erträglicher zu machen, bietet das Kehrichtfahrzeug eine kleine Besonderheit: Die Haltegriffe für die Hände der Belader sind beheizt.
Gibt es eigentlich auch Beladerinnen? «Wir hätten gerne mehr Durchmischung im Team, aber leider haben wir zu wenig Bewerbungen von Frauen», gibt er zu bedenken. Was er am meisten an dieser Arbeit schätze, sei die Dankbarkeit, die er in den Quartieren erfahre: Lachende Gesichter und winkende Hände von Leuten, die Merci sagen für den Job, den sie machen. Der Sinn der Arbeit werde einem vor allem auf dem Nachhauseweg bewusst: «Dann sieht man, was man gemacht hat, und denkt sich «Das habe alles ich aufgeräumt, wieder ein sauberes Quartier!» – das macht mich zufrieden.»
