Lena, was macht eine Sexualpädagogin und was gefällt dir an deinem Beruf?
Wir Sexualpädagog:innen decken die sexualpädagogischen Themen ab, die für Lehrpersonen aufgrund der nahen Beziehung zu den Schüler:innen schwierig anzusprechen sind. Wir bieten ein schulergänzendes und stufenspezifisches Programm an. Unser Fokus liegt dabei auf der Mittel- und Oberstufe, wobei sich die Themen dem Alter der Schüler:innen entsprechend unterscheiden: In der Mittelstufe sind dies bspw. Identität, Freundschaft und körperliche Veränderungen während der Pubertät. In der Oberstufe thematisieren wir unter anderem Verhütung, übertragbare Krankheiten sowie Sexting und Pornographie. Die Körper- und Sexualaufklärung und der Schutz vor Übergriffen behandeln wir auf beiden Schulstufen.
Zudem beantworten wir auf jeder Stufe Fragen, die uns anonym gestellt werden können. So bleiben wir nahe an den Themen der Kinder und Jugendlichen dran. Das und die Klassenarbeit gefallen mir an meiner Arbeit besonders gut. Ich sehe, dass ich damit einen Beitrag zur Aufklärung der Jugendlichen leisten kann. Denn nach wie vor gilt: «Je besser aufgeklärt man ist, desto eher kann man seine Sexualität sicher und genussvoll erleben.»
Welche Themen stehen bei sexualpädagogischen Beratungen im Fokus und welchen Einfluss haben gesellschaftliche Entwicklungen wie zum Beispiel die Nutzung von Sozialen Medien?
Die häufigste Frage, mit denen uns die Jugendlichen konfrontieren, ist: «Bin ich normal?». Dabei kann es um das eigene Körperbild, die eigene Geschlechtsidentität und vieles mehr gehen. Die Nutzung Sozialer Medien leistet dabei ihren Beitrag. Im Positiven wie im Negativen. So kursiert bspw. über das Thema «Queersein» viel Halbwissen, welches die Schüler:innen aufnehmen und dem wir mit Aufklärung begegnen müssen.
Ich sehe aber auch einige Vorteile in der Nutzung Sozialer Medien. Sie bieten den Jugendlichen die Möglichkeit, Antworten auf Fragen zu erhalten, die sie zuhause nicht stellen können. Unsere Aufgabe besteht dabei darin, den Jugendlichen eine gute Medienkompetenz zu vermitteln und ihnen Webseiten mit qualitativen Inhalten zu empfehlen sowie sie vor online verübtem Missbrauch zu schützen und über rechtliche Konsequenzen und Schutzmassnahmen aufzuklären.
Wie gehst Du mit Tabuthemen oder schwierigen Gesprächen um?
Offenheit ist am wichtigsten. Sowohl den Schüler:innen als auch ihren Themen gegenüber. Wir nehmen die Kinder und Jugendlichen in ihren Bedenken und Ängsten ernst, gehen darauf ein und verurteilen sie nicht. Manchmal werde ich gefragt, wie ich in einer bestimmten Situation handeln würde. Da muss ich mich abgrenzen und darauf achten, keine privaten und persönlichen Erfahrungen in meine Arbeit miteinfliessen zu lassen. Wir betrachten die Situation der Schülerin bzw. des Schülers stets gesamtheitlich und aus ihrer bzw. seiner Perspektive heraus. Dafür sind Reflexionsfragen ein besonders gutes Werkzeug.
Bei heiklen Themen (z.B. Queerfeindlichkeit) ist es zentral, die Jugendlichen auch auf den rechtlichen Rahmen aufmerksam zu machen. Dieser gibt meiner Arbeit eine sichere Grundlage, auf die ich mich in solchen Momenten stützen kann.
