Freitagvormittag im Volksbad. Schulkinder mit grünen Badekappen sitzen am Beckenrand und schauen zu Thomas Pleyer im Becken. Der Schwimmlehrer beendet die heutige Lektion und steigt auch aus dem Becken. Der nächste Termin wartet bereits. Mit tropfenden Badehosen und um den Hals geschlungenem Badetuch begrüsst er Fotograf Urs Bucher, der bereits alles für das Shooting eingerichtet hat. Heute stehen die Porträtaufnahmen anlässlich der kurz bevorstehenden Pensionierung von Thomas Pleyer an.
Soll er nur in Badehose abgelichtet werden? «Ja klar, das ist schliesslich meine Arbeitskleidung», sagt Thomas Pleyer und deutend schmunzelnd an sich herunter. 23 Schwimmlektionen gibt er pro Woche – er ist es also gewohnt, täglich mehrere Stunden im Wasser zu sein. Das wird sich bald ändern, denn nach 19 Dienstjahren als Fachlehrperson Schwimmen bei Schule und Musik wird Thomas Pleyer per Ende Schuljahr die Stadtverwaltung verlassen. Das Fotoshooting ist eine Art «Abschiedsgeschenk», das alle Mitarbeitenden kurz vor der Pensionierung auf Wunsch erhalten.
Pläne für die «Zeit danach»
Urs Bucher hatte in den vergangenen Jahren schon viele städtische Mitarbeitende vor der Linse. «Schöne Begegnungen und spannende Gespräche» nimmt er aus der halben Stunde mit, die er mit den Bald-Pensionierten jeweils an ihrem Arbeitsplatz verbringt. «Es beeindruckt mich immer wieder, wie vielfältig die Berufe bei der Stadtverwaltung sind», sagt der St.Galler Fotograf. Er erinnert sich auch gerne an ungewöhnliche Abreitsorte wie die Verkehrskontrolle-Zentrale der VBSG beim Brühltor-Durchgang. Oder an das Schulhaus Schönau, wo Urs Bucher vor über 45 Jahren selbst die Schulbank gedrückt hat: Da tauchen Erinnerungen auf. Auch die Begegnung mit dem abtretenden Stapo-Kommandant Ralph Hurni ist ein Wiedersehen. Urs Bucher hat ihn nämlich schon beim Stellenantritt porträtiert – damals noch als Fotograf beim St.Galler Tagblatt.
Es beeindruckt mich immer wieder, wie vielfältig die Berufe bei der Stadtverwaltung sind.
Die meisten Mitarbeitenden freuen sich sehr auf die Pensionierung, erzählt Urs Bucher. Von ehrenamtlichen Tätigkeiten über Grosseltern-Einsätze bis hin zu Auswanderungsplänen – auf die «Zeit danach» haben sich viele gut vorbereitet. Auch Thomas Pleyer hat einen klaren Plan: Er hat einen alten Feuerwehrwagen gekauft, den er eigenhändig umbaut. Danach geht es zusammen mit seiner Frau auf Weltreise– auf unbestimmte Zeit. «Wir suchen das Abenteuer und wollen uns einfach treiben lassen.» Starten soll die Reise in Richtung Balkan und Türkei, danach ist die Route noch völlig offen.
Die Leidenschaft für den Beruf bleibt
Was Thomas Pleyer aber jetzt schon weiss: «Meine Leidenschaft für den Schwimmunterricht gebe ich nicht ganz auf.» Überall auf der Welt könne er Menschen das Schwimmen beibringen. Er selbst hat es mit acht Jahren hier im Volksbad gelernt. Von seinem damaligen Schwimmtrainer hängt ein Foto im Eingangsbereich. «Das Element Wasser hat mich von Anfang an fasziniert. Es ist immer wieder ein Ansporn für mich, meine Faszination auf Kinder zu übertragen.»
Bei Fotograf Urs Bucher steht die Pensionierung erst in ein paar Jahren an. Aber auch er hat bereits einige Ideen für diesen Lebensabschnitt. Er freut sich, irgendwann mehr Zeit für seine Fotoaufträge zu haben, nicht mehr von Termin zu Termin zu springen. Er möchte in ein eigenes, längeres Projekt eintauchen und auf Reportagereise gehen, etwa nach Odessa, wo er bereits vor zwei Jahren auf Reportage war. Die nächste «Reise» führt ihn heute aber in die Primarschule Hebel-Bach, wo Kindergartenlehrperson Doris Signer auf ihn wartet.
Die Bildergalerie mit den pensionierten Mitarbeitenden finden Sie in den Personalnachrichten sowie im Intranet der Stadtverwaltung.
