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In zwei Welten zuhause

Mit zwanzig Jahren zieht Karianne Christensen für das Architekturstudium von Norwegen nach Konstanz. Wegen der Liebe ist sie in der Schweiz geblieben. Wo sie in St.Gallen ein bisschen norwegische Heimat wiederfindet und weshalb auf sie das Bonmot «Wie die Mutter, so die Tochter» zutrifft, erzählt Karianne im neuen «Persönlich».

 
Beruf im Fokus Projektleiterin beim Hochbauamt

Kariannes Faszination gilt dem Holzbau. Entsprechend begeistert ist sie vom Neubauprojekt Dreifachkindergarten und Tagesbetreuung am Schubertweg. Als Projektleiterin vertritt sie die Stadt als Bauherrin und ist somit Schnittstelle zwischen Planung und Nutzung. Auch die Kommunikation mit dem Quartier ist ein wichtiges Thema. Ihr Ziel dabei ist, dass alle an einem Strang ziehen, damit die Projekte gemeinsam umgesetzt werden können. Das ist herausfordernd, macht ihr aber gleichzeitig ungemein Spass. Dabei stehen für Karianne die Anliegen der Nutzer:innen an erster Stelle, denn wichtig ist: «Die Bedürfnisse der Nutzer:innen gemeinsam mit dem Planungsteam sinnvoll in Architektur umzusetzen.» Auch als Leiterin der Hochbauamt-Fachstelle «Hindernisfreie Bauten» sind die vielen Anforderungen an ein Bauprojekt und die Auseinandersetzungen mit den damit oft verbundene Zielkonflikten ein wichtiges Thema: «Unser Auftrag ist, eine entwicklungsfähige und für alle lebenswerte Stadt zu bauen. Für das Heute und die Zukunft.»

Bei der Wahl ihres Studienlandes war sie wohl auch geprägt von den Erzählungen ihres Vaters, der jedes Mal mit funkelnden Augen von seiner Studienzeit in Deutschland in den 1960er-Jahren berichtete. Auch wenn die deutsche Sprache eine grosse Herausforderung war, überwog für Karianne der Reiz, eine neue Sprache zu lernen und in eine neue Kultur einzutauchen.

Kurz erklärt Midtsommer-Fest

Das norwegische Midtsommer-Fest, auch Sankthansaften oder Jonsok genannt, wird am Abend des 23. Juni gefeiert und geht auf heidnische Sonnenwendriten sowie christliche Traditionen zurück. Im Mittelpunkt steht das Entzünden großer Lagerfeuer (Sankthansbål), die böse Geister und Hexen vertreiben sollen. Familien und Gemeinden kommen zusammen, feiern entlang der Küste der Schäreninseln die helle Sommernacht mit Lagerfeuer, Picknick, Musik, Tanz und Spielen.

Auf ihre Migrationserfahrung angesprochen, betont Karianne ihre «gute» Ausgangslage als Norwegerin: «Die Schweizer:innen haben ein positives Bild von Norwegen. Das macht natürlich vieles einfacher und ich bin mit wenig Gegenwehr konfrontiert.» Karianne bezeichnet sich indes als begeisterte Wahl-St.Gallerin und schätzt einerseits die Vorzüge der Schweiz und lässt andererseits die norwegischen Traditionen hochleben. Dabei bindet sie nicht selten auch ihre Freunde ein: «Wir feiern typisch norwegisch Weihnachten, Geburtstage und natürlich das Midtsommer-Fest!» Besonders berührt und an ihre Heimat erinnert, ist Karianne während des Kinderfestes, das sehr ähnlich zelebriert wird, wie der norwegische Nationalfeiertag. Für Karianne ist es wichtig, das Gute aus beiden Welten mitzunehmen: «In der Schweiz lebe ich mehr die Norwegerin und in Norwegen merke ich, wie schweizerisch ich doch bin. Ich kann aber beide Orte mein Zuhause nennen und das ist ein wundervolles Geschenk!» Und so ist Karianne, wenn es ihr Terminkalender zulässt, zwischen drei bis fünf Mal in Norwegen. Besonders geniesst sie dort die Zeit auf dem alten «Familiengehöft» der Christensens, das mitten in der Natur steht, umgeben von Wäldern und Seen.

Das «Familiengehöft» der Christensens. Kariannes Lieblingsort in Norwegen.

Halte deine Augen und dein Herzen für Neues offen. Nur so kannst du lernen.

 
Karianne Christensen, Projektleitung Hochbauamt
Text: Basil Kunz, KOM