Im «Schwabenländle», im Umkreis von Friedrichshafen aufgewachsen, waren der See und das gegenüberliegende Ufer von Kindesbeinen an präsent. Das viele Wasser nimmt sie denn auch nicht als trennendes Element wahr. Die Bodenseeregion ist für sie ein gemeinsames, durchlässiges Gebiet. Im Elternhaus hörte man zu bestimmten Zeiten bewusst Schweizer Radio (auch im erwachsenen Haushalt Olbinski wird die Tradition hochgehalten). Ihre höhere Bildung absolvierte sie in einem Kooperationsstudiengang von deutschen und Schweizer Bildungseinrichtungen beidseits des Sees. Dass sie den Weg nach St.Gallen gefunden hat und diesen auch bei Wellengang immer wieder findet, ist deshalb kein Zufall.
Bei der Dienststelle Schule und Musik ist die studierte Erziehungswissenschaftlerin heute als Fachreferentin für Pädagogik tätig. Dass sie, mit Grundschullehramt und einem Master in frühkindlicher Bildung und Erziehung, nicht selbst im Klassenzimmer steht, ist irgendwie typisch für die Grenzgängerin. Dabei war für Lisa-Marie von klein auf schon ganz klar gewesen, dass sie irgendwann mit Kindern würde arbeiten wollen. Ihre Geschwister wie auch ihre Kuscheltiere mussten schon früh als Versuchskaninchen für ihre ersten Gehversuche als Grundschullehrerin herhalten. Dass ihre pädagogische Ausbildung sie dennoch nicht auf direktem Weg ins Schulzimmer führte, ist vor allem ihren breiten Interessen sowie ihrem Talent und ihrer Leidenschaft für Sprachen, für das Schreiben und das Geschriebene geschuldet. Ihre Neugier zog sie zunächst in die pädagogische Forschung. Frei nach dem Motto «Man muss ja nicht nur etwas machen!?» entführte sie ihre Lust daran, Neues zu entdecken und Grenzen zu überschreiten, schliesslich ins Verlagswesen – sinnigerweise bei einem der grössten deutschsprachigen Verlage für schulische Lehrmittel im Osten Deutschlands. Heimweh brachte sie wieder in den Süden, ins Breisgau, wo sie bei einem anderen Verlag nach einem Volontariat während dreieinhalb Jahren für Lektorat und Marketing verantwortlich zeichnete. Die Ausschreibung für ihre jetzige Stelle in der Stadtverwaltung im Jahr 2022 war schliesslich die willkommene «Ausrede», in die geliebte Bodenseeregion zurückzukehren und zugleich ihre Fähigkeiten und Erfahrung voll einzubringen.
Es sind der «Blick über den Tellerrand» und das «Gefühl, etwas beitragen zu können», die Lisa-Marie an der vielfältigen Arbeit, die sich hinter der Stellenbezeichnung der «Leiterin Fachdienst Pädagogik» verbirgt, faszinieren und motivieren. Im Rahmen des schulischen Qualitätsmanagements erarbeitet sie gemeinsam mit ihrem Team Konzepte, überarbeitet und entwickelt diese weiter. Langweilig wird ihr dabei so schnell nicht: mal beschäftigt sie sich mit dem Umgang mit künstlicher Intelligenz, mal mit der strategischen Ausrichtung der Oberstufe und wieder ein andermal mit den pädagogischen Grundlagen des Waldkindergartens. Im Querschnitt von Direktion und Schulverwaltung, an der Schnittstelle von Praxis und strategischer Planung unterstützt sie andere bei deren eigenen Projekten, wirkt in Gremien mit, bearbeitet politische Geschäfte. Die eigenen Überlegungen und die Gedanken anderer zu Papier zu bringen, fällt ihr leicht. Motivation ist ihr dabei insbesondere die Möglichkeit, mit «vielen vielfältigen Menschen bereichsübergreifend» zusammenarbeiten zu können, neue Ein- und Ausblicke zu erhalten. Zugleich schätzt sie auch die Freiheit, ihren Gestaltungs- und Handlungsfreiraum kreativ in der selbständigen Arbeit auszuloten. Im Zentrum steht der Wunsch, über Grenzen hinweg einen Beitrag leisten zu können: «Ich habe die Chance, vielfältige Interessen vereint in einer Position einzubringen».
Ich habe die Chance, vielfältige Interessen vereint in einer Position einzubringen.
Als Grenzgängerin unterwegs zu sein, ist für Lisa-Marie nicht nur eine berufliche Bereicherung. Sie schätzt die Herausforderung auch aus persönlichen Gründen: «Ich bin eine sehr reflektierte Person und suche bewusst die kontinuierliche persönliche Weiterentwicklung». Zeit zur Reflexion des eigenen Selbstverständnisses findet sie nicht erst, seit sie täglich Zeit auf dem See verbringt, die Gelegenheit hat, auch einmal den Blick und die Gedanken schweifen zu lassen. Mit vegetarischen Eltern aufgewachsen, begleiten Lisa-Marie seit früh die grundlegenden Fragen. Sie achtet denn auch auf eine bewusste Ernährung und einen gesunden Lebensstil mit viel Bewegung in der Natur. Weil ihr der Tierschutz am Herzen liegt, ist sie überzeugte Vegetarierin geblieben. Als «Hundefan durch und durch» hat sie sich zudem zum Ziel gesetzt, sich ehrenamtlich im Tierheim zu engagieren. Es ist mitunter eine Konzession an das Pendeln, dass sie trotz allem keinen eigenen Hund hat und es (noch) vorzieht, stattdessen eine Patin auf Zeit zu sein. Einem Haustier gerecht zu werden, verträgt sich schlecht mit dem Wunsch nach der Flexibilität, sich von den eigenen Interessen leiten lassen zu können.
Ihren breiten Interessen zugrunde liegt die Leidenschaft für Sprache und Geschriebenes. Die Leserin ist dabei vor allem auch immer eine passionierte Schreibende. Nicht von ungefähr bespielt sie für Schule und Musik auch die interne Kommunikation, verfasst als Redaktionsmitglied Texte für den «Stadtspiegel». Das «Wagnis», sich als Lektorin oder gar als Schriftstellerin zu versuchen, ist sie bisher zwar nicht eingegangen. Früher oder später eine Publikation zu realisieren, «sei das ein Kinderbuch, ein pädagogisches Fachbuch oder eine grössere wissenschaftliche Arbeit», begleitet sie. Gut möglich, dass sie auf der täglichen Fährfahrt über den Bodensee Material und Anregung dazu findet.
