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Zwischen Likes und Leitplanken – Soziale Medien im Schulalltag

Instagram, TiKTok oder Reddit – die sozialen Medien sind aus dem Lebensalltag nicht nur der Jugendlichen kaum wegzudenken. Das stellt die städtischen Schulen vor neue Herausforderungen: Welche Chancen stecken in der Integration der Plattformen in den schulischen Kontext? Welche Risiken birgt die Nutzung für Kinder und Jugendliche? Und welche Haltung vertreten Pädagoginnen und Pädagogen? Tamara Wenzler, Schulleiterin Oberstufenzentrum West, nimmt Stellung.

 
Zur Person

Tamara Wenzler ist seit dem Schuljahr 2025/26 Schulleiterin des Oberstufenschulzentrums West der Stadt St.Gallen. Zuvor war sie als Klassenlehrperson und Schulische Heilpädagogin im Schulhaus tätig. Als Präsidentin des Verbands Lehrpersonen Sektion St.Gallen (VLSG) trat sie mit der Übernahme der Rolle als Schulleiterin zum Ende des Schuljahres 2024/25 zurück. Im Interview mit dem Stadtspiegel gibt sie Einblick in die Haltung des Schulhausteams bzgl. des Umgangs von Jugendlichen mit Social Media.

Wie gehen Ihre Lehrpersonen mit dem Thema Soziale Medien um – im Unterricht und im Kontakt mit Schülerinnen und Schülern?

Unsere Lehrpersonen sind dazu angehalten, keine Freundschaftsanfragen von Schülerinnen und Schülern zu akzeptieren, so lange diese als Lernende der Schuleinheit registriert sind. Lehrpersonen wirken auch nicht im Rahmen der privaten Accounts der Lernenden mit. Wir trennen klar zwischen privater und schulischer Nutzung. Manche Lehrpersonen teilen auf den Plattformen, wie sie das Schulzimmer einrichten oder welche Arbeitsblätter sie gestalten. Alle Lehrpersonen verfügen als Privatperson über ein privates Profil auf Instagram. Ausnahmen sind sportlich oder künstlerisch aktive Lehrpersonen, die im Rahmen der Ausübung ihrer Tätigkeit ein öffentliches Profil nutzen.

Tamara Wenzler, Schulleiterin Oberstufenzentrum West, St.Gallen

Aufgrund der Schnelllebigkeit der Trends in den Sozialen Medien ist auf den Lehrplan allein kein Verlass. Es braucht eine Haltung zum Umgang mit Sozialen Medien.

 
Tamara Wenzler, Schulleiterin Oberstufenzentrum West, St.Gallen
Herausforderungen in der Nutzung der Sozialen Medien

Herausforderungen in der Nutzung der Sozialen Medien bestehen mit Blick auf verschiedene Aspekte:

a.     Datenschutz: Im Posten von Inhalt ohne vorheriges Einverständnis. Auch andere Personen müssen vor Veröffentlichung um Einverständnis gebeten werden. Sobald Inhalte hochgeladen werden, bleiben sie sichtbar. Nutzende müssen im Bewusstsein gestärkt werden, wie die Inhalte der Sozialen Medien unsere Aufmerksamkeit steuern und dass die Rechte am eigenen Bild abgetreten werden. Problematisch im Zusammenhang mit Datenschutz ist auch die Tatsache, dass die genutzten Plattformen nicht dem hiesigen Recht unterworfen sind.

b.     Schutz der Kinder & Jugendlichen: Im Suchtverhalten, das durch Studien zum Freizeitverhalten von Jugendlichen und der Nutzung des Smartphones in der Freizeit belegt wird und dem daraus resultierenden Schlafmangel und weiteren Folgen. Das Oberstufenschulhaus West setzt auf Aufklärungsarbeit: So schärft das Team das Bewusstsein der Eltern wie auch der Schülerinnen und Schüler und spricht Empfehlungen zu einem gesunden Umgang mit dem Smartphone aus (z. B. Ruhezeiten am Smartphone einstellen, nachts ausserhalb des Schlafzimmers aufbewahren).

c.     Handhabbarkeit des Mediums: In der stärkeren gesetzlichen Reglementierung in Form von Identitäts- und Altersprüfung. Der Schutz für Kinder und Jugendliche sowie für Erwachsene muss hinsichtlich der eigenen Identität umfangreicher gesichert werden (z. B. Recht am eigenen Bild, Einverständnis bei Installation der App). Trotz aller Aufklärungsarbeit sind Schulen gegen dieses Phänomen bislang machtlos.

d.     Einzelne Formate (Story, Post, …): In der Unklarheit der Jugendlichen darüber, dass das Format «Story» auf den Metadaten gespeichert bleibt und bei Bedarf weiterhin abgerufen werden kann, also nicht nach 24 Stunden verschwindet.

Gibt es an der Schule klare Regeln zur Nutzung von Smartphones und sozialen Medien?

Ja, Smartphones sind in der Schule verboten respektive «unsichtbar»: Schülerinnen und Schüler dürfen das Handy während des Schultags nicht aus der Tasche nehmen. Das Handy wird entsprechend eingezogen, falls sich die Jugendlichen nicht an diese Regel halten. Eine Ausnahme stellen Schnuppertelefonate dar, also Anrufe bei Firmen für eine Schnupperstelle. Diese Anrufe werden von zuhause aus oft nicht wahrgenommen, weshalb wir Jugendlichen im Rahmen der Schulzeit die Möglichkeit gewährend, diese Chance zu nutzen. Hierfür erhalten die Jugendlichen Bändel für das Handgelenk, sodass erkannt werden kann, wer während der Schulzeit schnuppertelefoniert.

Zwei Lehrpersonen sind ausserdem für den Schülerinnen und Schüler-Rat zuständig. Sie kontrollieren die Einhaltung des Datenschutzes, etwa das Einverständnis von Personen zu Posts, die veröffentlicht werden sollen, oder eine angemessene Wortwahl. Lehrpersonen verstehen sich sozusagen als Endredaktion, bevor ein geplanter Post online geht.

Interview: Lisa-Marie Olbinski