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Mal locker, mal ernst, aber nie beliebig: Die Stadt auf Social Media

Eine Stadtverwaltung, die locker, humorvoll und trendbewusst auftritt und trotzdem seriös bleibt? Fabian Kleemann zeigt, wie das geht. Im Gespräch verrät er, weshalb Social Media für uns unverzichtbar ist, wie er Authentizität mit Strategie verbindet und warum gerade die Mischung aus Professionalität und Menschlichkeit den Unterschied macht.

 

Eigentlich wählt die Bevölkerung die Plattformen.

Im Einsatz für die Stadt

Fabian Kleemann

  • Alter: 28
  • Bei der Stadt seit: Februar 2022
  • Verantwortlich für Social Media seit: Februar 2022
  • Expertise in Social Media durch: vieeel TikToks schauen 😄, Austausch mit Kolleg/-innen und auch ein bisschen durchs Kommunikationsstudium

Wie wählen du und die Verantwortlichen Plattformen?
Eigentlich wähle nicht ich sie, sondern die Bevölkerung. Wir sind schliesslich dort präsent, wo sich die meisten Leute aufhalten. Natürlich müssen wir auch immer beurteilen, ob wir die personellen Ressourcen für einen neuen Kanal haben. Es gibt eine zunehmende Fragmentierung, das heisst, es gibt immer mehr verschiedene Plattformen, während unser Pensum für die Inhaltsplanung, -erstellung und -moderation gleich bleibt. Da gilt es zu entscheiden, was wir mit einem verhältnismässigen Aufwand schaffen können. Schliesslich müssen wir unsere Inhalte zielgruppen- und deshalb kanalgerecht aufbereiten.

Worin besteht der Unterschied zwischen von der KOM betriebenen Accounts und solchen aus den Dienststellen?
Wir betreiben die gesamtstädtischen Kanäle, haben eine breite Zielgruppe und eine höhere Flughöhe bei unseren Inhalten, während zum Beispiel eine Stadtpolizei tiefer ins Detail gehen kann. Sie tut dies etwa mit Inhalten zu Prävention oder wenn sie über einen Unfall berichten und Zeugen suchen.

Die städtischen Inhalte sind mal locker verspielt, mal sachlich: Wie wählst du Themen und entscheidest, welche Art von Aufbereitung angebracht ist?
Einerseits muss man sich immer wieder fragen, ob ein Thema wirklich relevant ist für die Leute. Nur weil etwas die Verwaltung umtreibt, heisst es noch lange nicht, dass es die Bevölkerung wirklich einen Bezug dazu hat. Wir sind deshalb wie eine Schnittstelle zwischen Öffentlichkeit und Verwaltung. Was angebracht ist und wie wir es aufbereiten, handeln wir in unseren täglichen 15-Minuten-Newsroom-Sitzungen aus. Dort treffen sich KOM und alle, die in ihrer Dienststelle für die Kommunikation zuständig sind.

Geben ihr Wissen weiter: Fabian Kleemann und Charlotte Wirth von der KOM in der Kantonsschule am Brühl.

Wir veröffentlichen nur geprüfte Inhalte.

Konzentration von Macht, Polarisierung, Fake News, Cybermobbing, Verminderung der Aufmerksamkeitsspanne und vieles mehr: Auch ohne kontroverse Eigentümer und deren an die Plattform-Strategien geknüpften Absichten sehen Expert/-innen auf vielen Ebenen negative Auswirkungen von Social Media auf die Gesellschaft. Warum spielen wir da mit?
Weil Social Media inzwischen ein zentraler Teil des öffentlichen Diskurses ist. Wenn wir uns dort nicht beteiligen, riskieren wir, dass wir unsere Bevölkerung nicht erreichen. Unsere Zahlen zeigen, dass wir die Leute sehr gut erreichen, ohne zusätzliches Geld auszugeben. Die zehn erfolgreichsten Beiträge des Jahres 2024 erzielten gemeinsam 1,1 Millionen Aufrufe.

Wie agieren wir verantwortungsvoll?
Wir veröffentlichen nur geprüfte Inhalte. Die Fakten müssen stimmen. Manchmal frage ich lieber zwei Mal bei der Fachabteilung nach. Alles, was bei uns rausgeht, haben mindestens vier Augen gesehen. Mögliche Kontroversen lassen sich minimieren, indem wir alle Inhalte zuerst im Newsroom besprechen.

Welche Gründe kann es geben, eine Plattform nicht mehr zu bewirtschaften?
Wenn die Plattform so problematisch wird, dass ein Auftritt den Werten der Stadt widerspricht. Oder wie etwa bei Twitter: Dort sank die Reichweite so stark, dass sich der Aufwand nicht mehr lohnte.

Welche Inhalte passen nicht zur Stadt?
Dazu gehören zum Beispiel problematische Inhalte im Sinne von diskriminierenden Inhalten. Dafür haben wir unsere stadtsg.ch/netiquette neues Fenster, die solche Inhalte ausschliesst und die auch die Basis dafür ist, wie wir unsere Kommentare moderieren.

Es wird geschätzt, wenn man mal ein bisschen lockerer kommuniziert.

Interview: Nico Canori