Miriam Roth, Sie sind die Leiterin der neuen gemeindeübergreifenden Fachstelle Datenschutz der Stadt St.Gallen. Wie kommt man zu dieser Aufgabe?
Als gelernte Juristin habe ich mich in den letzten zehn Jahren in der Privatwirtschaft intensiv mit dem Thema Datenschutz beschäftigt. Nun hat mich der Wechsel zu einer Behörde besonders gereizt. Die Stellenausschreibung versprach, dass ich mit verschiedensten Akteurinnen und Akteuren sowie Anspruchsgruppen im Bereich Datenschutz zu tun habe. Dass ich dabei hier die Chance auf einen tiefen Einblick in die Tätigkeit einer Gemeinde bekomme, freut mich besonders. Ich sehe bei der Stadt St.Gallen die Möglichkeit, mich stark weiterzuentwickeln. Das war mir bei allen meinen Stellen sehr wichtig. Schliesslich hatte ich schon immer einen Hang zur Ostschweiz. Schon während meiner Zeit in Liechtenstein schätzte ich die schöne Natur, das besondere Klima und die Berge im St.Galler Rheintal sehr. Deshalb stimmt diese Stelle einfach für mich.
Das Thema Datenschutz scheint momentan allgegenwärtig. Wo sehen Sie Herausforderungen für Gemeinwesen wie die Stadt St.Gallen?
Die zunehmende Digitalisierung macht vieles leichter. Der Aufwand im Bereich Datenschutz und insbesondere bei der Datensicherheit nimmt hingegen stetig zu. Es ist deshalb angezeigt, offene Fragen schnell und effizient zu klären, damit auch wir neue Tools nutzen können. Auch die Einführung von KI bietet viele Vorteile. Doch auch ein Beschwerdeschreiben ist dank KI schnell und einfach verfasst und kann die Verwaltung mit viel Aufwand konfrontieren.
Für Privatpersonen ist mit dem Klick auf den Cookie-Banner die Auseinandersetzung mit dem Thema Datenschutz meist erledigt. Haben Sie praktische Tipps für den Alltag?
Stichwort: «Weniger ist mehr». Ich empfehle so wenige Daten wie möglich ins Netz zu stellen. Je mehr Daten verfügbar sind, desto einfacher lässt sich ein ausgeklügeltes «Phishing» oder sogar ein Identitätsdiebstahl bewerkstelligen. Ein zweiter Tipp ist: «löschen, löschen und nochmals löschen». Löscht eure Daten regelmässig. Wenn beispielsweise der private E-Mail-Account gehackt wird, stehen oft Daten eines halben Lebens zur Verfügung. Schliesslich empfehle ich auf alternative Messenger-Dienste umzusteigen. Threema, ein tolles Schweizer Produkt, oder auf Signal, verringern die Abhängigkeit von den Tech-Giganten. Wenn viele Kontakte nicht mittziehen, ist der Umstieg aber schwierig. Da rede ich aus eigener Erfahrung.
