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Gemeinsam heizen fürs Klima

Es ist das St.Galler Generationenprojekt, das diese Bezeichnung verdient wie kein anderes: die Fernwärme. Seit mehr als 40 Jahren arbeiten die St.Galler Stadtwerke daran, überschüssige Wärmeenergie für das Heizen von Gebäuden in der Stadt zu verwenden. Was in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit einem lokal begrenzten Verteilnetz im Westen der Stadt seinen Anfang nahm, ist in den vergangenen Jahren in weite Teile der Stadt hinein gewachsen. In den nächsten Jahren schliessen die Stadtwerke die ersten beiden Ausbauetappen ab und starten gleichzeitig die beiden letzten. Diese sollen noch vor 2040 realisiert sein. Ende des vergangenen Jahres haben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger für diese vorerst letzten beiden Ausbauschritte einen Kredit von fast 155 Millionen Franken gesprochen.

 
So funktioniert die Fernwärme

Unser Kehricht wird im Kehrichtheizkraftwerk St.Gallen sauber verbrannt (1). Durch die Verbrennung entsteht Dampf, mit dem Wasser auf 80 bis 130 Grad ­Celsius aufgeheizt und auch Strom produziert wird (2). Über ein gut isoliertes Lei­tungsnetz wird das heisse Wasser zu den angeschlossenen Haushalten und Betrieben transportiert (3). Die Energie wird über Wärme­tauscher an das interne Heizungssystem und an die Warmwasser­versorgung abgegeben (4). Das auf etwa 55 Grad Celsius abgekühlte Wasser fliesst zu einer Fernwärmezentrale zurück. Dort wird es wieder aufgeheizt und der Kreislauf schliesst sich (5). Zum Abdecken von Spitzen­lastzeiten liefern Fern­wärmezentralen zusätzlich Energie und tragen zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit bei (6).

Flammer spricht von Skalierungseffekten, wenn er die Geschichte des Ausbaus des städtischen Fernwärmenetzes erklärt: «Je mehr mitmachen, desto günstiger wird das Angebot.» Das Projekt war damit von Anfang an auf einen grösstmöglichen Ausbau ausgelegt. Je höher die Zahl an angeschlossenen Haushalten und je grösser die Nachfrage, desto mehr Wärme muss allerdings auch zur Verfügung gestellt werden. Dies bedeutet, dass die St.Galler Stadtwerke darauf angewiesen sind, neue Wärmequellen zu erschliessen, um ein immer grösseres Netz zu unterhalten. In lebhafter Erinnerung ist in St.Gallen auch zehn Jahre nach seinem Abbruch noch das Projekt für den Bau eines Geothermieheizkraftwerks. Mit den Bohrungen in die Erdkruste neben dem KHK, die zwischenzeitlich sogar Erdbeben ausgelöst hatten, waren die St.Galler Stadtwerke zwar in rund vier Kilometern Tiefe auf heisses Wasser gestossen. Es stellte sich aber heraus, dass für die erhoffte Nutzung für die Fernwärme zu wenig Wasser vorhanden war. Das Geothermiekraftwerk hätte das Rückgrat der damaligen Wärmestrategie dargestellt. Das Fernwärmenetz, das damals in einer ersten Etappe ausgebaut wurde, sollte vor allem mit Erdwärme betrieben werden.

Je mehr mitmachen, desto günstiger wird das Angebot.

Text: Benjamin Hartmann