Lukas Saborowski, Edgar Bürki und Nicholas Scherrer steigen aus dem weissen Stadtgrün-Bus und nähern sich dem ersten Spielplatz beim Moosweiher. Edgar zwängt sich in die «Villa Mopla», ein winziges hölzernes Starthäuschen der Rutschbahn, klopft gegen Dach und Wände und scannt mit seinen Augen sorgfältig jeden Zentimeter. Zufrieden stellt er fest, dass die Beschläge, mit denen eine gefährliche Lücke gefüllt wurde, noch halten. Die Villa ist somit keine Gefahr. Derweil dreht Nicholas am grossen Rad, sprich am flexiblen Kletterturm-Gerüst, prüft, ob dieses noch rund läuft, zerrt und rüttelt an den Seilen. Edgar erklimmt den Turm mit seinem ganzen Gewicht, dabei zittert die ganze Konstruktion. In zwei Sätzen ist er an der Spitze angelangt und lächelt – nicht nur für die Kamera.
Wöchentlich auf Spielplatz
Mit ihren rund 80 Mitarbeitenden ist die Dienststelle Stadtgrün zuständig für Pflege und Unterhalt der Gärten sowie der Friedhöfe, Parks, Sportanlagen und damit auch der rund 50 öffentlichen Spielplätze auf Stadtgebiet neues Fenster. Auch wenn dies rund 5% ihrer Tätigkeite ausmacht, wird ziemlich oft geprüft: Einmal wöchentlich gibt es eine «visuelle Routineinspektion». Einmal pro Quartal folgt eine «operative Inspektion», bei der aktiv nach Schäden gesucht wird, und schliesslich die jährliche «Hauptinspektion» im Sommer, bei der sämtliche Anlageteile, Geräte und Böden gecheckt werden. Sechs Spielplätze des Sektors West klappern die drei Prüfer an diesem Morgen ab, am Nachmittag ist dann das Dutzend voll. Innerhalb von zwei Wochen spielt sich die Hauptinspektion ab, bei der auch die Spielplätze der Schulen, Kindergärten, Tagesbetreuungen etc. überprüft werden. Auf seinem Tablet führt Lukas Mängellisten und organisiert die Reparaturen. Kleinere Arbeiten übernimmt die sogenannte «Pflegegruppe», die jeweils für eine der vier städtischen Sektoren zuständig ist. Grössere, wie etwa die Versetzung einer Rutschbahn oder das Auswechseln eines Querbalkens, gehen an die Baugruppe oder an die Gerätehersteller selbst.
Sicherheit ist das oberste Gebot
Doch die Spielplatztester kümmern sich nicht nur um den Unterhalt der Anlagen, sondern auch um die Sicherheit. Ein grosses Thema ist der Fallschutz. Ist beispielweise ein Kletterturm über 60 cm hoch, braucht es einen stossdämpfenden Boden mit genügend grosser Fläche. Wie gross dieser «Fallraum» sein muss, beschreiben die Spielplatznormen SN EN 1176 und SN EN 1177. Weniger nüchtern sind die Schilderungen aller möglichen Gefahren: Wenn man darin liest, was alles schiefgehen kann, bleiben einem Horrorbilder im Kopf hängen. Und als selbst Lukas Saborowski einmal auf einer feuchten Holzwippe ausrutscht, bleibt ein klammer Eindruck zurück – und zugleich der Respekt vor dieser verantwortungsvollen Aufgabe. Tatsächlich ist Spielplatzprüfer oder Spielplatzprüferin zu werden kein Kinderspiel. Sämtliche für die Spielplatzkontrollen eingesetzten Mitarbeitenden bei Stadtgrün sind dafür ausgebildet und besitzen das Zertifikat Fachkraft Spielplatzsicherheit.
Normen versetzen Drachen
Beim Spielplatz Hinterberg an der Lehnstrasse zücken Nicholas und Edgar zwei Hohlkörper aus Metall. Diese symbolisieren Köpfe von Kindern. Passen Sie bei einer Schaukel durch einen Zwischenraum der aufgehängten Ketten, muss dieser verkleinert werden. Dies ist heute tatsächlich der Fall, die Sicherungskette muss gekürzt werden um die Lücke zu verkleinern. Manchmal gar muss ein Gerät ganz entfernt werden, weil die Normen verschärft wurden. So geschehen beim roten Stier-Drachen «Pippaloff», den hier Generationen von Kindern – unter anderem auch des Schreibenden – bestiegen haben. Auch wenn er nicht lebendig ist, bergen seine Stacheln und Hörner Gefahren. Inzwischen wurde er versetzt, ausserhalb der Anlage, und belebt nun als Kunst im öffentlichen Raum das Quartier. Die Entwicklung geht weiter: Die vor zwei Jahren während der Sanierung des Spielplatzes Hinterberg gepflanzten Bäume entwickeln sich und werden dereinst dem Aufenthaltsbereich wertvollen Schatten spenden. So werden jährlich zwei bis drei Spielplätze saniert. Die Erkenntnisse aus der Spielplatzkontrolle zum Zustand der Geräte aber auch zur Nutzung fliessen ebenso in die Projekte ein wie die Förderung der Biodiversität – eine weitere Kernaufgabe von Stadtgrün.
