Yvonne Bischof, warum benötigt die Stadt St.Gallen überhaupt eine Liegenschaftenstrategie?
Die Liegenschaftenstrategie bietet einen Überblick über das Gesamtportfolio der Stadt St.Gallen, um eine aktive und nachhaltige Bodenpolitik zu verfolgen. Die Liegenschaften, die sich im Finanzvermögen befinden, stehen dabei im Vordergrund, denn die Stadt benötigt klare Verhaltensmassnahmen was mit den von ihr gehaltenen Liegenschaften verfolgt werden soll. Das heisst, wo soll investiert werden? Wo veräussern wir? Welche unserer Liegenschaften müssen wie unterhalten werden. Mit einer aktiven Liegenschaften- und Bodenpolitik fördern wir ein ausgewogenes Wohnungsangebot und haben eine Basis, um bisher ungenutzte Flächenpotenziale im Sinne der Innenentwicklung zu aktivieren. Zudem bildet die Liegenschaftenstrategie zusammen mit der Wohnraum-, der Freiraum- und der Innenentwicklungsstrategie auch eine zu berücksichtigende Grundlage für die bevorstehende Gesamtrevision der Bau- und Zonenordnung.
Greifen diese Strategien ineinander und wenn ja, wie?
Ja, das tun sie. Die Liegenschaftenstrategie ist der Innenentwicklungsstrategie insofern nachgelagert, dass sie auf diese reagiert. Auch die Wohnraumstrategie lässt sich beispielsweise überall dort mit der Liegenschaftenstrategie kombinieren, wo ein sozialverträgliches, marktorientiertes und optimales Kosten-/Nutzenverhältnis realisierbar ist. Und nicht zuletzt sind auch die Empfehlungen, welche aus der Freiraumstrategie resultieren, wo immer möglich parallel zu den Massnahmen der Liegenschaftenstrategie umsetzbar, wodurch sich die beiden Strategien ergänzen.
Was sind die Herausforderungen heutzutage für das Immobilienportfoliomanagement der Stadt?
Im Immobilienportfolio der Stadt gibt es diverse Herausforderungen, welche ich aber immer auch als Chance sehe. Ich denke da zum Beispiel an die vorhandenen Standortqualitäten. Die Strategieerarbeitung hat gezeigt, dass gewisse Standorte nicht mehr den heutigen Nutzungsbedürfnissen entsprechen. Insofern sind in Zukunft mögliche Umzonungen und Arealentwicklungen zu prüfen, um solche Nutzungsanpassungen realisieren zu können.
Aber auch der Gebäudezustand gewisser städtischer Liegenschaften ist teilweise eine Herausforderung. Mit der Einführung eines Gebäudemonitorings (Ampelsystem) wurde in der Liegenschaftenstrategie nun ein Vehikel eingeführt, anhand dessen wir genau sehen können, bei welchen Liegenschaften in welchem Zeitraum Handlungsbedarf besteht. Dies sind zwar nur zwei Beispiele, welche meiner Ansicht nach die Herausforderungen aber exemplarisch aufzeigen.
Warum greift die Stadt aktiver in den städtischen Immobilienmarkt ein?
Die Strategie fokussiert sich hauptsächlich auf die Liegenschaften im Finanzvermögen, also auf jene Objekte, welche gehandelt werden können, ohne dass dadurch die öffentliche Aufgabenerfüllung beeinträchtigt wird. Diese Liegenschaften erfüllen neben wirtschaftlichen Zielen, auch wichtige politische und soziale Ziele. Mit der aktiven Bodenpolitik kann seitens Stadt zum Beispiel die gewünschte Siedlungsentwicklung unterstützt werden. Genau aus diesem Grund möchte die Stadt auch künftig wieder mehr Grundstücke und Liegenschaftendossiers prüfen, welche ihr zum Kauf angeboten werden. Jetzt, wo die Strategie abgeschlossen und veröffentlicht ist, startet mit der Umsetzung der definierten Massnahmen die eigentliche Arbeit. Ich freue mich darauf, dies nun zusammen mit meinem Team proaktiv anzugehen.
