Roland Lüthy, was bringt die Schwammstadt?
Die Schwammstadt schliesst den Wasserkreislauf. Das Wasser, zum Beispiel bei Starkregen, soll an Ort und Stelle wie bei einem Schwamm zurückgehalten und versickern. Denn in der Stadt haben wir das Problem, dass das Stadtgebiet durch die verdichtete Bauweise zunehmend versiegelt wird und das Regenwasser nicht mehr im Boden versickern kann. Das Regen-Rückhaltebecken in einem ehemaligen Kinosaal des alten «Kino Rex» ist ein grosses Puzzleteil für die Schwammstadt. Hier können wir 450 Kubikmeter Wasser – das entspricht etwa 3'000 Badewannen – zurückbehalten und gedrosselt wieder an die Kanalisation abgeben, so wird diese nicht überlastet. Ohne diese Lösung müssten wir die Kanalisation ausbauen.
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Machen das andere Städte auch?
Schweizweit beschäftigen sich immer mehr Städte mit Massnahmen zur Minderung der Folgen aus der Klimaerwärmung. Wir waren die ersten, die einen Schwammstadt-Fonds ins Leben gerufen haben. Das heisst, nicht nur Bauprojekte der öffentlichen Hand werden zum Schwamm, sondern auch Private können mit Fördergeldern zum Handeln motiviert werden. Schwammstadt-Massnahmen können auf privatem Grund oftmals effizienter und wirkungsvoller umgesetzt werden als im öffentlichen Grund. Ein Biotop wäre die klassische Massnahme, aber das können auch sonstige Grün- und Wasserflächen sein, wo Wasser versickern kann. Oder eben Rückhaltebecken wie im Beispiel Kino Rex.
Die Stadt erhält für weitere Schwammstadt-Projekte Fördergelder von der Mobiliar. Was ist der Hintergrund?
Die Mobiliar hat sich bei uns gemeldet, weil sie engagierte Partner in der Prävention von Naturrisiken sucht. Die Schwammstadt setzt gezielt solche Massnahmen um. Für die Versicherung ist das Thema relevant, weil eine gute Schwammstadt weniger Versicherungsfälle bedeutet und sie sich als Expertin in diesem Feld positionieren will. Deshalb erhalten wir im Rahmen des «gesellschaftlichen Engagements» der Mobiliar finanzielle Förderung in der Höhe von einer halben Million Franken für unsere Projekte – zum Beispiel, um den Kantipark oder den Marktplatz schwammstadt-tauglich zu machen. Davon profitieren beide: Die Mobiliar kann das Thema besetzen und wir können dank ihres Beitrags umfassendere Massnahmen umsetzen, als wenn die Stadt die Projekte allein finanzieren müsste.
Mit dem Schwammstadtfonds unterstützt die Stadt St.Gallen Projekte von Privaten und Unternehmen zugunsten Gewässerschutz und Klima.
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