Die St.Galler Innenstadt hat nicht nur zahlreiche Restaurants zu bieten, bei schönem Wetter wird sie gleich selbst zur riesigen Gartenbeiz. Ob Markt-, Bahnhof- oder roter Platz, ob Kreuzbleiche- oder Klosterwiese: Auf Sitzbänken, Mäuerchen, direkt auf dem Boden, im Stehen und im Gehen wird gegessen und getrunken. Auch Mitarbeitende der Stadtverwaltung schätzen es, in der Mittagspause draussen zu essen und Take-away-Angebote zu nutzen (siehe Box). Eine mittägliche Recherchetour zeigt: Take-away-Klassiker wie Sandwich, Pizza, Döner und Bratwurst sind nach wie vor sehr hoch im Kurs, Salat- und andere Bowls sowie ganze Menüs scheinen aber auch sehr beliebt.
Allzu lang hinschauen wäre unanständig, mit Fragen beim Essen stören erst recht. Aber auch so wird klar: Jedes dieser Mittagessen ist mit Einwegmaterial verbunden – von der Serviette und dem Sandwichpapier über die Pizzaschachtel bis zur Plastikschale mit -deckel und -besteck. Das alles landet in einem Abfallkübel oder, im noch schlechteren Fall, irgendwo – Stichwort Littering. Dann, auf der als Sitzbank beliebten Mauer zwischen Klosterhof und Gallusstrasse, die grosse Ausnahme: Eine junge Frau packt ein Glasgeschirr und einen kleinen Mehrwegbehälter aus – Salat, Sauce und Kräuterquark. «Zu Hause selbst zubereitet und via Büro hergebracht», verrät sie, nachdem der Reporter ihr erklärt hat, warum ihr Zmittag so speziell ist, dass er fotografiert werden soll. Für Selbstgemachtes und -gekochtes Mehrweggeschirr, für Take-away-Einweggeschirr: Die Aufteilung scheint klar, ist sie aber nicht.
60 Tonnen Kaffeebecher in St.Gallen
Auch für Take-away- und gelieferte Speisen und Getränke lässt sich problemlos Mehrweggeschirr verwenden und damit eine Menge Abfall sparen. Eine Schätzung, basierend auf Studien und Zahlen aus anderen Städten: In St.Gallen werden pro Tag 7'600 Kaffees in Einwegbechern verkauft. Damit fallen 167 kg Abfall an. Aufs Jahr gerechnet sind das über 60 Tonnen. Die Grösse des Abfallbergs steht in keinem Verhältnis zur sehr kurzen Nutzungsdauer von Einweggeschirr.
Um Mehrweggeschirr zu fördern und damit die Abfallmenge zu reduzieren, hat die Stadt St.Gallen vor Kurzem zwei Aktionen gestartet. Zum einen beteiligt sie sich unter dem Slogan «St.Gallen isst abfallfrei» an einer Kampagne, die in anderen Städten bereits etabliert ist. Die Stadt stellt Take-away- und Gastrobetrieben kostenlos Aufkleber, Flyer und Plakate zur Verfügung. Damit können sie ihre Gäste darauf hinweisen, dass Speisen und Getränke in Mehrweggeschirr erhältlich sind. Und zwar auch in Geschirr, das Kundinnen und Kunden von zu Hause mitbringen.
Mehrweggeschirr mit System
Bei der zweiten Massnahme der Stadt geht es um das Geschirr selbst. Das Schweizer Unternehmen reCIRCLE vermietet Take-away- und Gastrobetrieben Mehrweggeschirr verschiedenster Art. Die auberginefarbenen Teller, Schalen und Boxen sind da und dort auch bereits in Aufenthaltsräumen der Stadtverwaltung zu sehen. Ein Vorteil: Dieses Geschirr kann bei allen Betrieben zurückgegeben werden, die bei reCIRCLE mitmachen. Die Stadt unterstützt die Verbreitung von solchem Mehrweggeschirr, indem sie sich bei den ersten 30 Betrieben, die mitmachen, an den Kosten für ein Probe- und das erste Jahresabonnement beteiligt.
«St.Gallen isst abfallfrei»: Wer Speisen und Getränke in Mehrweggeschirr bestellt, trägt dazu bei, dass aus der noch jungen Botschaft Realität wird und der Abfallberg sowie der Ressourcenverbrauch kleiner werden.
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