In der Schulsozialarbeit ist die Frage, was Kinder, Eltern und Erwachsene stärkt, ein täglicher Begleiter im Arbeitsalltag: Mit Blick auf das, was das Kind, die Eltern, die Lehrkraft und jedes Individuum stark macht, ist sich Beate Stritz, Abteilungsleiterin Schulsozialarbeit, Dienststelle Kinder Jugend Familie, sicher: «Wir können unser Potenzial am besten ausschöpfen, wenn wir uns wohl und ausgeglichen fühlen. Unsere Grundbedürfnisse und Emotionen werden durch Impulse gesteuert. Die Fähigkeit zur Impulskontrolle ist gefragt. Eine Stärkung durch Selbstfürsorge und Achtsamkeit durch verschiedene Techniken kann hilfreich sein, um mit unsicheren Situationen umgehen zu können». Ihr Team und sie sind der Meinung, dass Kinder vor allem den Schutz und die Wertschätzung von Erwachsenen brauchen, um sich sicher zu fühlen und frei entwickeln zu können. Positive Erfahrungen und Anerkennung fördern ihre Stärke und Resilienz.
Fünf Faktoren für Widerstandsfähigkeit
Gemäss Lilian Geiger-Heim, Leiterin Information und Beratung, Dienststelle Kinder Jugend Familie, tragen fünf Faktoren zur Widerstandsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen bei:
- Umfeld: Ein stabiles soziales Umfeld oder zumindest eine verlässliche Bezugsperson, die im Guten und bei Schwierigem an sie glaubt.
- Erfahrung: Die Erkenntnis, dass er/sie Hindernisse überwinden kann, dadurch wächst die Selbstwirksamkeit.
- Autonomie: Selbstwirksamkeit bedeutet, ich erkenne «ich kann etwas tun!»
- Positivität: Optimismus, Zuversicht und Vertrauen, dass ich durch meine Kraft Krisen überwinden kann.
- Kognitive Fähigkeiten: Eine gute Intelligenz und Extraversion gelten allgemein als Schutzfaktoren.
Lilian Geiger-Heim berät Eltern und Bezugspersonen, wie sie Kinder und Jugendliche achtsam begleiten können. Frustration, Langeweile und Hindernisse gehören zum Leben und dürfen in der Entwicklung ihren Platz haben. Auch schwierige Erlebnisse, negative Gefühle und Krisen gehören zum Erwachsenwerden. Eltern und Bezugspersonen sollten Kindern und Jugendlichen schrittweise zutrauen, Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen. So lernen sie, ihre Schwächen zu erkennen, an ihnen zu arbeiten und mit ihnen umzugehen. Gleichzeitig lernen sie ihre Stärken besser kennen, auf diese zu vertrauen und sie konstruktiv zu nutzen. In ihrem Umfeld machen Kinder und Jugendliche eigenständige Erfahrungen und lernen so auch, schrittweise Verantwortung zu übernehmen.
Eigene Ressourcen entdecken und trainieren
Rebekka Forster, Leiterin Ressort Kinder und Erwachsene, Dienststelle Soziale Dienste, ist darüber hinaus überzeugt, dass es bei Erwachsenen nicht nur um das Entwickeln einer dicken Haut gegenüber Stress gehe, sondern vielmehr darum, die eigenen Ressourcen und Strategien zu entdecken, um besser mit schwierigen Situationen umzugehen. Sie gibt deshalb aus Sicht ihrer Tätigkeit bei den Sozialen Diensten die folgenden Tipps zur Stärkung der Resilienz mit Blick auf den Erwachsenen als Teil der Organisation:
- Achtsamkeit und Reflexion: Durch regelmässige Selbstreflexion und Achtsamkeit können Menschen lernen, ihre Emotionen besser wahrzunehmen und darauf zu reagieren, anstatt von ihnen überwältigt zu werden.
- Netzwerke aufbauen: Ein starkes soziales Netz ist entscheidend, um in schwierigen Zeiten Unterstützung zu finden. Beziehungen zu anderen Menschen stärken das Gefühl der Zugehörigkeit und bieten emotionale Ressourcen.
- Problemlösungsfähigkeiten: Resiliente Menschen entwickeln eine positive Haltung gegenüber Herausforderungen und sehen diese als Chancen für persönliches Wachstum. Das Trainieren von Problemlösungsstrategien und die Fähigkeit, aus Misserfolgen zu lernen, sind
- Selbstwirksamkeit stärken: Wer das Gefühl hat, Kontrolle über sein Leben zu haben, ist resilienter. Dies kann durch das Setzen und Erreichen von Zielen, das Übernehmen von Verantwortung und das Entwickeln von Erfolgserlebnissen gefördert werden.
