Hans Peter Arpagaus, wer sind Sie?
Ich bin 54 Jahre alt, verheiratet, vierfacher Familienvater und vierfacher Grossvater. Seit mehr als 28 Jahren bin ich als Berufsfeuerwehrmann bei der Stadt St.Gallen tätig und führe aktuell die Funktion als stellvertretender Zugführer der Berufsfeuerwehr im Zug 1 aus. Im Umfeld meiner grossen Familie erlange ich wertvolle Energie für all meine Aufgaben. Sport ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens, sei es als aktiver Läufer oder Fan und Supporter des FCSG und des LC Brühl Handball.
Wofür stehen Sie politisch?
Ich stehe für eine mehrheitsfähige, tragbare Politik. Früher war ich bei der SVP aktiv, machte dann aber familienbedingt eine lange Pause. Irgendwann sagte ich mir: Jetzt ist es Zeit, nicht nur auf den Tisch zu klopfen, sondern etwas zu machen. Vor meinem Wiedereinstieg und Entscheid für eine Partei habe ich mich mit diversen Politvertretenden getroffen und ausgetauscht. Bei der Mitte habe ich mich sofort wohl gefühlt.
Wie haben Sie den Wahlkampf und den Wahltag erlebt?
Ich habe einen engagierten Wahlkampf betrieben und sehr viel Zeit investiert. Unter anderem habe ich mich von der Generation Z beraten lassen und mehrere Videos für Social Media umgesetzt und beworben. Diese intensive Zeit war aber nichts im Vergleich mit dem Wechselbad der Gefühle, das am Wahltag folgte. Ich war überzeugt, dass die Mitte einen Sitz gewinnen wird. Die Enttäuschung am 22. September war dementsprechend gross: Ich war einerseits enttäuscht, dass Patrik Angehrn, mein politisches Vorbild, es als Stadtratskandidat nicht in einen möglichen, zweiten Wahlgang geschafft hat. Andererseits war ich natürlich ernüchtert, dass es für mich nur für den 1. Ersatzplatz im Parlament gereicht hat. Ich war angetreten, um zu gewinnen! Am nächsten Tag habe ich am Morgen früh mein Handy ausgeschaltet, meine Laufschuhe angezogen und bin losgerannt. Als ich zurückgekommen bin, waren bereits unzählige Nachrichten eingetroffen und ich erfuhr, dass etwas mit den Wahlresultaten nicht stimme. Ich prüfte mein Ergebnis nochmals und dachte mir: Es könnte vielleicht doch reichen! Am Abend kam dann die Gewissheit, jedoch nur eine verhaltene Freude – mir taten die vermeintlich Gewählten leid, die den Sitz nun wieder abgeben mussten. Die Zeit von Sonntagmittag bis Montagabend werde ich nicht mehr vergessen.
Irgendwann sagte ich mir: Jetzt ist es Zeit, nicht nur auf den Tisch zu klopfen, sondern etwas zu machen.
Die Stadtpolitik steht vor einer neuen Legislatur. Wofür möchten Sie sich politisch stark machen?
Die Stadt St.Gallen soll sich weiterentwickeln und in verschiedenen Bereichen attraktiv sein, bleiben und werden. Menschen sollen sich sicher und wohl fühlen, gerne hier wohnen und arbeiten. Ein grosses Anliegen ist mir auch die Reduktion des Fachkräftemangels: ohne Fachkräfte, egal in welcher Branche, sind die hochgesteckten Ziele der Legislatur nicht erreichbar. Stark machen möchte ich mich auch für bezahlbare, erneuerbare Energieformen und Speichermedien. Nur wenn wir dies in naher Zukunft vorantreiben, können die Ziele der Energiestrategie 2050 erreicht werden.
Was wird Ihr erster politischer Vorstoss sein?
Ich habe zwei Themen im Kopf. Einerseits beschäftige ich mich schon seit längerem mit Photovoltaik-Anlagen und der Frage wie Netzbelastungen reduziert werden können. Hierfür werde ich jedoch noch einige Gespräche mit Fachpersonen führen und das korrekte Vorgehen abklären. Ich möchte zudem nicht «hudlen», ein politischer Vorstoss soll durchdacht und gewinnbringend sein. Ein weiteres Thema, welches mich beschäftigt, sind Verkehrskonzepte im Rahmen von grösseren Überbauungen in der Stadt. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass grössere Bauvorhaben nur mit einem tauglichen Verkehrskonzept bewilligt werden können.
Was sind die Herausforderungen und Chancen, gleichzeitig bei der Berufsfeuerwehr zu arbeiten und im Parlament zu politisieren?
Als Mitarbeiter der Stadtverwaltung kann ich mein Wissen, welches ich seit bald 29 Jahren gesammelt habe, sicherlich gewinnbringend einsetzen, da ich Abläufe und Abhängigkeiten in meinem Umfeld sehr gut kenne. Jedoch ist mir bewusst, dass ich als Wissensträger gewisse Diskussionen wohl begleiten kann, jedoch im Parlament in den Ausstand treten muss. Will heissen: Ich darf und soll aus meiner Sicht lobbyieren, meine Erfahrungen miteinbringen, darf dann jedoch – je nach Geschäft – nicht an der finalen Abstimmung teilnehmen. Das sehe ich klar als Minuspunkt und Herausforderung an. Zudem arbeite ich im Schichtdienst, ich muss somit, um an möglichst allen Terminen (Stadtparlament, Fraktion, Kommission, etc.) teilnehmen zu können, arbeitsfreie Tage beziehen oder Überzeit abbauen. Dessen war ich mir selbstverständlich bereits im Vorfeld bewusst. Es wird sich jedoch zeigen, wie sich mein politisches Amt mit meinen Funktionen in der Berufsfeuerwehr vereinbaren lässt. Da ist Flexibilität und teilweise auch mit Abstrichen meinerseits zu rechnen. Ich bin bereit und stelle mich diesen Herausforderungen – getreu nach meinem Motto: Nicht labern, machen!
Wie bereiten Sie sich auf die ersten Sitzungen im Stadtparlament vor?
Obwohl ich noch nicht ein aktives Mitglied des Stadtparlaments bin, diskutiere ich regelmässig am Politstamm unserer Partei mit. Ich kann mich einbringen und meine Meinung wird abgeholt. Mein Ziel ist es, an möglichst allen Fraktionssitzungen und Kommissionssitzungen teilzunehmen.
