Anfang Juli 2025 startete die Erneuerung und Erweiterung des städtischen Hallenbads Blumenwies neues Fenster. Kaum waren die Türen geschlossen, wurden einige von ihnen entfernt – und eine kam bald darauf als «Aluminiumtür mit Zarge (Saunabereich)» auf den Markt für gebrauchte Bauteile. Dorthin gelangten noch weitere Elemente, die im Zug des Rückbaus demontiert wurden: Lampen, Handläufe, eine Trennwand, Holz- und Metallteile. Einige davon haben bereits eine neue Bestimmung gefunden: Die Aluminiumtür kam fürs Erste als Filmkulisse zum Einsatz, Bodenriemen wurden in einem Wohnhaus verbaut, und aus einer Saunabank wurde ein drei Meter langer Tisch.
Stadt fördert Kreislaufwirtschaft
Welche Bauteile lassen sich gut und wirtschaftlich demontieren und wiederverwenden? Um das zu klären, zog die Stadt St.Gallen Michael Wick von der Wick ReUse AG bei. Er verkauft einige der ausgewählten Bauteile in seinem Baumarkt in Winterthur und hat auch berechnet, was die Wiederverwendung dieser Teile zum Klimaschutz beiträgt. Denn die Reduktion des Treibhausgasausstosses ist ein wesentlicher Grund die Wiederverwendung, bei der man auch von Bauteil-Re-Use und zirkulärem Bauen spricht. Damit lassen sich die Treibhausgasemissionen vermeiden, die durch die Entsorgung alter und den Einsatz neuer Bauteile anfallen würden. Die Förderung der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen neues Fenster ist deshalb auch ein Handlungsfeld des städtischen Energiekonzepts 2050.
Der Schlüssel zum Erfolg: Frühe Planung
Im Fall des Hallenbads Blumenwies konnten nach Michael Wicks Rechnung knapp 11 Tonnen CO2 eingespart werden. Das ist ungefähr so viel, wie eine Person in der Stadt St.Gallen pro Jahr verursacht. Und es ist laut Peter Wenig von Umwelt und Energie Stadt St.Gallen relativ viel, wenn man bedenke, dass die Demontage und Rettung der Bauteile ziemlich spontan, mit wenig Aufwand und wenig Zeit erfolgt sei. «Das zeigt», sagt Peter Wenig, Fachmann für nachhaltiges Bauen, «dass man mit einer vertieften Vorabklärung eine sehr hohe Einsparung erzielen könnte.» Ähnlich ist die Erkenntnis von Karianne Christensen, Projektleiterin beim Hochbauamt: «Die Wiederverwendung von Bauteilen erfordert ein Umdenken und ist spannend. Entscheidend ist, dass man bei einem Rückbau alle Beteiligten frühzeitig ins Boot holt. Das fördert das Mitdenken und die Begeisterung. Gemeinsam lässt sich sehr viel erreichen!»
Die Wiederverwendung von Bauteilen erfordert ein Umdenken und ist spannend. Entscheidend ist, dass man bei einem Rückbau alle Beteiligten frühzeitig ins Boot holt.
Freudiges Wiedersehen mit alter Bekannter
Das Re-Use-Projekt hat der Stadtverwaltung neue Erkenntnisse gebracht – und der Tagesbetreuung Gerbeweg neue Elemente auf dem Spielplatz: Ein Teil der ausgedienten Wasserrutsche ist nun als Sitzbank im Einsatz, die Schlange vom Kinderbecken steht als Spielgerät zur Verfügung. Ganz zur Freude der Kinder, wie Barbara Spycher Reetz, Leiterin der Tagesbetreuung Gerbeweg, berichtet. «Einige von ihnen haben viele Stunden im Blumenwies verbracht. Die Schlange weckt die Erinnerung an diese angenehmen Stunden.» Das Team freue sich, dass die zuständigen Stellen beim Re-Use-Projekt an die Tagesbetreuung gedacht und sie einbezogen haben. Für Barbara Spycher Reetz ist klar: «Der Wiederwendungsaspekt ist überzeugend.»
