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Denkmalpflege

06. Februar 2019, 15:40 Uhr | Bereich Denkmalpflege

Kugelgasse 8 und 10 – sanfte Restaurierung der Erker

Die Erker gehören seit dem späten Mittelalter zum Stadtbild von St.Gallen. Obwohl sich diese Tradition noch bis ins 20. Jahrhundert fortsetzte, erreichte sie die Hochblüte in der Barockzeit. Zu den prachtvollen Exemplaren dieser Zeit gehören auch die beiden Erker an der Kugelgasse.

Reich verzierter Erker an der Kugelgasse 8 / 10

1690 ersuchte Marx Friedrich Högger an seinem neu erworbenen Haus zum Schwanen einen Erker anzubringen. Dieser war vermutlich nur eingeschossig, der Überbau dürfte dann etwas später dazu gekommen sein. Dies zeigt sich auch in den Schnitzereien: Die oberen sind weit flacher ausgeführt und zeigen Szenen aus der griechischen Mythologie, während unten das ikonografische Programm der Wasserwelt entnommen ist, in welchem auch immer wieder der Schwan als Namensgeber für das Haus auftaucht. Als tragende Figuren des Erkers am Haus zur Kugel haben wir seitlich zwei mit Ketten behangene Galeerensklaven, während in der Mitte Herakles mit beiden Händen den Fries und damit auch die darüber befindliche Weltkugel trägt. Dies ist eine Anspielung auf die Sage, wonach Herakles dem Riesen Atlas das Weltall abnahm, während dieser für ihn die Äpfel der Hesperiden holte.

Die Erker erzählen nicht nur Geschichten aus der griechischen Mythologie, sondern dokumentieren auch eine lange Bau- und Renovationsgeschichte. Die letzte umfassende Restaurierung erfolgte 1972, als neben restauratorischen Massnahmen auch die verschiedenen Fassungen untersucht wurden. Während beim Schwanen-Erker angenommen wird, dass dieser, zumindest im unteren Teil, anfänglich nicht farbig gefasst war, konnten beim Kugel-Erker bis zu fünf unterschiedliche Fassungen festgestellt werden. Diese Anstriche waren stark zerrissen, was dazu führte, dass die verschiedenen Schichten damals abgenommen und der Erker weitgehend neu gefasst wurde. Eine Massnahme, von der man dieses Mal absah.

 
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