Architekt Karl August Hiller, der in der Ostschweiz durch verschiedene eindrückliche Bauten bekannt ist, orientierte sich bei der Fassadengestaltung an den Stilformen der Renaissance. Der Bierhof ist nicht nur eines seiner grössten Bauwerke in St.Gallen, sondern auch sein letztes, er verstarb noch vor der Fertigstellung 1901. Der markante Gebäudesockel aus Tessiner Granit und die reich ornamentierten Backsteinfassaden der Wohngeschosse mit den runden Ecktürmen erinnern auch ein wenig an die Schlossarchitektur der Zollikofer.
Während das Restaurant im Erdgeschoss mehrfach umgebaut und verändert wurde, konnte der bürgerliche Ausbau mit raumhohem Täfer, fein stuckierten Decken und Holz-Parkettböden in vielen Wohnungen noch vorgefunden werden. Die Hauptaufgaben der umfassenden Gesamtsanierung bestanden darin, die Fassaden mit den vielen Natur- und Klinkersteinpartien instand zu stellen, die rund vierzigjährigen Fenster zu ersetzen sowie die Wohnungen an die heutigen Bedürfnisse anzupassen. Dies konnte nicht ganz ohne Verlust der originalen Raumstrukturen geschehen. Es wurde jedoch grosser Wert auf die Erhaltung der noch vorhandenen bauzeitlichen Ausstattungen gelegt. Das Abwägen zwischen Erhalt und Erneuerung ist eine dauernde Aufgabe der Denkmalpflege, die in diesem Fall zugunsten einer substanzschonenden Anpassung der Wohnungsgrundrisse ausfiel. Dabei haben sicher die nicht unbedingt privilegierte Wohnlage und die vorbildliche Instandhaltung und Renovation der Fassaden eine entscheidende Rolle gespielt.
