Etwas abseits davon, dort wo sich bis vor wenigen Jahren ein Schiessstand befand, erbaute die Bauernfamilie Koch einen neuen, modernen Stall – jetzt sollte auch ein neues Wohnhaus direkt daneben folgen. Das Raumplanungsgesetz verlangt in solchen Fällen den Abbruch der nicht mehr benötigten Wohnbaute.
Vor dem Abbruch untersuchte und dokumentierte die Denkmalpflege das ihr bisher nicht bekannte bäuerliche Wohnhaus. Von aussen betrachtet ein unscheinbares Haus, mit Schindelschirm, geradem Satteldach, Einzelfenstern und Klappläden. Ein erster Blick in Küche, Gang und Stube zeigte eine einfache Ausstattung mit Oberflächen aus dem 20. Jahrhundert. Aber der erste Eindruck täuschte, denn vor uns stand ein Haus mit einer reichen Baugeschichte. Im Kern des Wohnhauses steckte ein Ständerbohlenbau aus dem 15. Jahrhundert – die dendrochronologische Datierung ergab ein Baujahr um 1463 für den östlichen Teil des Wohnhauses, die westliche Zone wurde um 1558 angebaut. Die Ausstattung im Innern stammte zu grossen Teilen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, namentlich Wand- und Deckentäfer, Türen und Fenster. Die Aufzeichnungen in den Lagerbüchern der Brandassekuranz bezeugen – nach einigen Handänderungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts – grössere Investitionen im Jahr 1838 und um die Wende zum 20. Jahrhundert, damals befand sich der Hof im Eigentum der Politischen Gemeinde Tablat. Vermutlich um diese Zeit wurde der östliche Teil abgebrochen und durch eine neue Stallscheune ersetzt – einzig diese bleibt noch vom alten Bauernhaus.
