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Medienmitteilungen

20. März 2026, 09:00 Uhr | Bereich Medienmitteilungen

Schwammstadt: Neue Analyse zeigt, wie Wasser durch St.Gallen fliesst

Eine neue Übersicht zum Wasserkreislauf der Stadt St.Gallen zeigt erstmals umfassend, wie viel Regen-, Trink- und Abwasser jährlich durch das Siedlungsgebiet fliesst. Während Trinkwasserversorgung und Abwasserreinigung sehr effizient arbeiten, machen die Daten deutlich, wo Verbesserungen im Umgang mit Regenwasser möglich sind. Dieses soll vermehrt vor Ort zurückgehalten werden, wie es das Konzept der Schwammstadt vorsieht.

Foto: Sandro Büchler

Foto: Sandro Büchler

Erstmals liegt eine umfassende Wasserbilanz des Siedlungsgebiets der Stadt St.Gallen vor. Eine gemeinsame Analyse von Entsorgung St.Gallen und den St.Galler Stadtwerken in Zusammenarbeit mit dem Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute zeigt, wie viel Regen-, Trink- und Abwasser jedes Jahr im Schnitt durch die Stadt fliesst und wo die grössten Herausforderungen für die Zukunft liegen. Grundlage dafür sind Daten aus der Trinkwasserversorgung, der Abwasserreinigung, meteorologische Messungen und Abschätzungen. Daraus wird sichtbar, wie Wasser in der Stadt genutzt, verteilt und wieder in die Gewässer zurückgeführt wird. Mit Blick auf den Weltwassertag vom kommenden Sonntag verdeutlichen die Ergebnisse: Trinkwasserversorgung und Abwasserreinigung arbeiten auf hohem Niveau, aber insbesondere beim Umgang mit Regenwasser zeigt sich weiterer Handlungsbedarf.

2.2 Mio. Kubikmeter Mischabwasser landen in Gewässern

Mit Abstand die grösste Wassermenge stammt aus dem Niederschlag. Jährlich fallen 24.6 Millionen Kubikmeter Regen auf die Siedlungsfläche der Stadt St.Gallen. Das entspricht rund 10'000 olympischen Schwimmbecken. Ein Teil dieses Wassers verdunstet oder versickert. Fast ein Drittel gelangt aber in die Kanalisation.

Dies ist besonders bei Starkregen problematisch. Dabei gelangen jährlich rund 2.2 Millionen Kubikmeter verdünntes Mischabwasser in die Gewässer. Das passiert, wenn Regen- und Abwasser gemeinsam in der Kanalisation fliessen und das System bei grossen Regenmengen entlastet werden muss. Während normalerweise die Kläranlagen mit ihrer hohen Reinigungsleistung die Gewässer effektiv schützen, kann das aus der Kanalisation entlastete Abwasser allenfalls grob gereinigt werden. Langfristig soll darum mehr Regenwasser dort zurückgehalten werden, wo es anfällt. Dies kann etwa durch Versickerungsflächen, Grünräume oder getrennte Entwässerungssysteme erreicht werden. Diese Ansätze sind Teil der sogenannten Schwammstadt: Sie speichert Regenwasser, lässt es versickern oder verdunsten, anstatt es möglichst schnell in die Kanalisation abzuleiten.  

Auch dezentrale Rückhaltebecken helfen, die Gewässer vor Entlastungen bei Regenwetter besser zu schützen. Im ehemaligen Kino Rex wurde ein solches Becken bereits umgesetzt, weitere sind auf dem Marktplatz und im Kantonsschulpark geplant.

Zu viel sauberes Wasser in der Kanalisation

Ein weiterer Befund betrifft sogenanntes Fremdwasser: Rund 1.7 Millionen Kubikmeter sauberes Wasser gelangen jedes Jahr über undichte Leitungen oder Drainagen in die Kanalisation. Dieses Wasser muss in den Kläranlagen unnötig mitgereinigt werden.

Effiziente Trinkwasserversorgung

Die Analyse zeigt gleichzeitig, dass zentrale Teile des Systems sehr effizient funktionieren. Jährlich werden 6.4 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Bodensee zu Trinkwasser aufbereitet und über das städtische Leitungsnetz verteilt. Weniger als zwei Prozent gehen dabei verloren, was im schweizweiten Vergleich eine Spitzenposition darstellt.

Mehr Flächen schaffen, die Wasser zurückhalten

Um den Umgang mit Regenwasser zu verbessern, hat das Stadtparlament 2022 die Schaffung eines Schwammstadt-Fonds beschlossen. Damit unterstützt die Stadt St.Gallen Private bei Projekten, die Regenwasser zurückhalten, versickern lassen oder vor Ort nutzen, etwa durch Entsiegelungen oder Begrünungen.

Seit der Einführung des Fonds wurden rund 1.2 Millionen Franken an Fördergeldern ausbezahlt oder zugesagt. Private können Beiträge auf www.stadtsg.ch/schwammstadt neues Fenster beantragen. Der Fonds übernimmt bis zu 50 Prozent der Projektkosten, mit dem Ziel, Regenwasser im Sinne der Schwammstadt zurückzuhalten und den natürlichen Wasserkreislauf lokal zu schliessen.

 

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