In der Ostschweiz ist in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme des Konsums illegaler psychoaktiver Substanzen zu beobachten. Die Veränderungen im öffentlichen Raum werden von der Bevölkerung wahrgenommen. Ein frühes, koordiniertes und pragmatisches Handeln ist deshalb wichtig, um einer weiteren Zuspitzung entgegenzuwirken und eine Entwicklung hin zu offenen Drogenszenen möglichst zu verhindern. Gleichzeitig nimmt die Stadt St.Gallen ihre Verantwortung gegenüber Menschen mit Suchterkrankung zusammen mit der Stiftung Suchthilfe wahr, um die Lebenssituation von suchtkranken Menschen nachhaltig zu verbessern. Die Stadt St.Gallen beabsichtigt deshalb an der Lagerstrasse 2/4, im Rahmen eines Pilotprojekts, eine Kontakt- und Anlaufstelle für Menschen mit einer Suchterkrankung einzurichten. Zentraler Bestandteil dieses neuen Angebots ist ein Raum für den Begleiteten Konsum. Ziel ist es, einen sicheren und hygienischen Rahmen für den Konsum von mitgebrachten Substanzen zu schaffen. Damit wird die Lebenssituation von Suchtbetroffenen Menschen verbessert, indem sie niederschwellig und unbürokratisch Unterstützung erhalten. Zusätzlich soll mit dem neuen Angebot der öffentliche Raum entlastet werden, indem der Konsum vermehrt in die Einrichtung verlagert wird.
Konsequente Weiterentwicklung des St.Galler Weges
Das neue Angebot ist in die Legislaturziele der Stadt St.Gallen eingebettet und leistet einen konkreten Beitrag zur sozialen Integration, zur Verbesserung der Lebensqualität sowie zu einem geregelten Umgang im öffentlichen Raum. Gleichzeitig setzt die Stadt mit dem Projekt zentrale Jahresziele 2026 des Stadtrats um, insbesondere im Bereich Suchthilfe und Umgang mit Sucht im öffentlichen Raum. Die neue Kontakt- und Anlaufstelle ist bewusst als Bestandteil eines Gesamtansatzes konzipiert. Die Stadt St.Gallen setzt damit auf die konsequente Weiterführung des seit den Neunzigerjahren bewährten St.Galler Weges. Die Stadt St.Gallen setzt sich zum Ziel, den Drogenkonsum und seine negativen Folgen für die Konsumierenden und die Gesellschaft nachhaltig zu vermindern. Dabei stützt sie sich auf die vier Säulen: Prävention, Therapie, Schadensminderung und Repression. Die Stadt und die Stiftung Suchthilfe bauen zudem gezielt auf bestehenden Strukturen auf. Dazu gehören insbesondere die niederschwelligen Angebote der Stiftung Suchthilfe, die eine wichtige Rolle bei der Prävention, im direkten Zugang zu Beratung und Unterstützung spielen. Zentral ist zudem, die enge Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren. Dazu zählen die Suchthilfe, die Polizei, die sozialen Dienste beziehungsweise die Sozialberatung sowie therapeutische Angebote. Durch dieses koordinierte und abgestimmte Vorgehen wird sichergestellt, dass Massnahmen ineinandergreifen und wirksam umgesetzt werden können.
Direkter Austausch mit Anwohnenden und lokalem Gewerbe
Im Zusammenhang mit einem Konsumraum können Fragen und Bedenken hinsichtlich Sicherheit und Ordnung im öffentlichen Raum entstehen. Die Stadt begegnet diesen Anliegen im Rahmen des koordinierten Gesamtansatzes. Die Stadtpolizei trägt im Zusammenspiel mit den beteiligten Stellen zur Stabilisierung der Situation bei, indem sie im öffentlichen Raum präsent ist, den Dialog pflegt und konsequent gegen illegale Aktivitäten vorgeht, und wirkt im Umfeld der Anlaufstelle sofern nötig deeskalierend. Eine offene, transparente Kommunikation und der direkte Austausch mit Anwohnenden, Gewerbe und weiteren Anspruchsgruppen sind schon in dieser frühen Projektphase zentral. Wie der öffentliche Quartier-Informationsanlass am Mittwochabend, 3. Juni 2026, gezeigt hat, besteht ein grosses Informationsbedürfnis. Die knapp 50 Anwesenden brachten Anliegen zu Sicherheit und Ordnung im Umfeld sowie zum Betrieb des geplanten Angebots ein. Die Anliegen fliessen nun in die anstehende Planung mit ein. Im Projektverlauf finden weitere Veranstaltungen statt, bei denen Betroffene aus dem Quartier ihre Anliegen einbringen können.
