Die Stadt St.Gallen hat die Vision, sich zu einer lebenswerten, weltoffenen, ökologischen und innovativen Stadt zu entwickeln, welche das wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Zentrum der Ostschweiz bildet (aus Vision 2030 und Legislaturziele 2020-2024, Stadt St.Gallen). Dabei soll die Stadt durch ein ausgewogenes Verhältnis von Siedlungs- und Naturraum geprägt sein. Die Vision ist, diesen Naturraum für die Natur und die Bevölkerung gleichwohl attraktiv zu gestalten. So soll ein Miteinander von Menschen und Natur in einem vielfältigen grünen St.Gallen ermöglicht werden, verbunden mit einer hohen Lebensqualität für alle Bewohnenden. Tiere und Pflanzen sollen im Siedlungsraum ihren Platz haben und von der Bevölkerung positiv wahrgenommen, erkannt und geschätzt werden. Diese Wahrnehmung soll das Verständnis für die Natur, deren Vielfalt und die komplexen Zusammenhänge fördern und anregen eigene Möglichkeiten zur Förderung der Biodiversität zu erkennen und umzusetzen.
Im Jahr 2022 hat die Dienststelle Stadtgrün eine Biodiversitätsstrategie ausgearbeitet, mit welcher sich die Stadt ökologisch wertvolle Lebensräume und ihre «Bewohner» erhalten, vernetzen und fördern möchte. Nur durch einen bewussten und sorgfältigen Umgang kann sich die biologische Vielfalt positiv entwickeln. Im Rahmen dieser Strategie wurden acht Schwerpunkte neues Fenster erarbeitet. In jedem Handlungsfeld sind Ziele und detaillierte Massnahmen definiert, welche bis ins Jahr 2032 umgesetzt werden sollen. Anhand dieser Massnahmen soll sich der aktuelle Zustand der Biodiversität verbessern.
Zur Umsetzung dieser Ziele hat das Stadtparlament im Jahr 2022 einen Rahmenkredit gesprochen.
Unsere wichtigsten Ziele:
- Ein vielfältiges grünes St.Gallen
- Eine hohe Lebensqualität für alle Bewohnerinnen und Bewohner
- Mehr Biodiversität in der Stadt
- Ein Bewusstseinswandel verbunden mit mehr Respekt gegenüber der belebten und unbelebten Natur
Mit der Biodiversitätsstrategie möchte die Stadt St.Gallen ökologisch wertvolle Lebensräume sowie die darin lebenden Tier- und Pflanzenarten erhalten, vernetzen und fördern. Nur durch einen bewussten und sorgfältigen Umgang kann sich die biologische Vielfalt positiv entwickeln.
Mit der Biodiversitätsstrategie steht den Behörden, den beteiligten Fachpersonen wie auch der Stadtbevölkerung ein wichtiges Instrument für die Sicherung und Förderung der Biodiversität zur Verfügung. Sie beinhaltet acht Handlungsfelder mit 46 Zielen und 114 Massnahmen. Im detaillierten Massnahmenplan sind zudem Zuständigkeiten, Ressourcen und Erfolgskontrollen definiert.
Die Strategie soll innerhalb der kommenden 10 Jahre (2022 bis 2032) massnahmenorientiert umgesetzt werden.
Lebensraumförderung und Siedlungsökologie
Ökologisch wertvolle Lebensräume der Stadt werden erhalten, aufgewertet und neu geschaffen. Zusätzliches Baumvolumen verbessert die Siedlungsökologie und kühlt das Stadtklima.
Lebensraumvernetzung
Die Vernetzungen der verschiedenen Lebensräume sind essenziell, damit sich Tier- und Pflanzenarten zwischen den unterschiedlichen Grünflächen fortbewegen können. Deshalb werden intakte Vernetzungskorridore erhalten und wenn notwendig ergänzt. Isolierte Lebensräume erschliessen sich dadurch.
Artenförderung
Mit der Überbauung und Zerstückelung der Lebensräume und dem Klimawandel kommen seltene Tier-, Pflanzen- und Pilzarten verstärkt in Bedrängnis. Um diesem Prozess entgegenzuwirken, sind gezielte Fördermassnahmen nötig.
Genetische Vielfalt
Um die genetische Vielfalt zu fördern, wird in der der Grünraumgestaltung auf den Einsatz von regionalem Saat- und Pflanzgut geachtet.
Invasive Neophyten
Invasive Neophyten breiten sich aus und können die einheimische Vegetation nach und nach verdrängen. Mit Gegenmassnahmen sollen Schäden an Lebensräumen und Infrastruktur sowie die daraus entstehenden Folgekosten reduziert werden.
Ökologischer Ausgleich
In intensiv genutzten Gebieten ist ein ökologischer Ausgleich vorgesehen. Dessen Umsetzung fördert die Biodiversität und schafft Erholungsräume für die Bevölkerung.
Beratung, Information und Förderung
Die gezielte Sensibilisierung und Informationsvermittlung zum Thema «Biodiversität» fördert das Verständnis bei den zuständigen Dienststellen und der Bevölkerung. Mit Anreizsystemen kann die Biodiversität besonders effizient gefördert werden.
Monitoring
Mit einem Monitoring sowie Wirkungskontrollen lassen sich der Zustand und die Entwicklung der Biodiversität erfassen und Rückschlüsse auf die Entwicklung und die Wirksamkeit der Massnahmen ziehen.
Um die in der Biodiversitätsstrategie gesetzten Massnahmen und Ziele zu erreichen, wurde vom Stadtparlament ein Rahmenkredit für 10 Jahre sowie zusätzliche Stellenprozente bewilligt. Dies ermöglicht dem Team von Natur und Landschaft von Stadtgrün laufend Aufwertungsprojekte zugunsten der Biodiversität zu initiieren und umzusetzen. Um unsere gesetzten Ziele zu erreichen, setzen wir auf:
- Schaffung von neuen Lebensräumen und Erhöhung der ökologischen Qualität von bestehenden
- Förderung eines höheren Artenreichtums z.B. durch Anpassung von Pflegemassnahmen
- Sensibilisierung der Einwohnerinnen und Einwohner für unsere Anliegen
- Beratung und Unterstützung der Bevölkerung bei eigenen Projekten
- Monitoring, um Zustand und Aufwertungspotenzial zu ermitteln
Auf der untenstehenden Karte finden Sie einen Überblick an Aufwertungsprojekten, welche Stadtgrün in den letzten Jahren umgesetzt hat. Ein Kurzbeschrieb einer Auswahl von Projekten und Massnahmen zur Biodiversitätsförderung in St.Gallen finden Sie weiter unten. Weitere Informationen zu einzelnen Projekten sind auch auf dem untenstehenden Link aufrufbar.
Aufwertungsprojekte von Stadtgrün neues FensterKostenlose Bäume für Private
Kostenlose Bäume für Private Die Stadt St.Gallen unterstützt die Pflanzung von Bäumen im Siedlungsraum auf privaten Grundstücken.
Die Baumpflanzaktion startete im Jahr 2024 anlässlich des 200-Jahre-Jubliäum des St.Galler Kinderfests, wobei 200 Bäume gepflanzt wurden: 100 auf öffentlichen Grundstücken und 100 auf privaten Liegenschaften.
Diese Bäume leisten in einigen Jahren einen wertvollen Beitrag für die städtische Biodiversität, bieten Lebensraum für verschiedene Tierarten und schaffen mit ihrem Kronendach ein angenehmes Stadtklima.
Aufgrund der erfreulichen Nachfrage und des grossen Nutzens von Bäumen innerhalb des Siedlungsgebietes für die Lebensqualität, das Stadtklima und die Biodiversität, führt die Stadt dieses Angebot bis auf Weiterest fort.
Aufwertung Grütliweg
In der Spiel- und Sportanlage Grütliweg befand sich eine grössere Rasenfläche, welche kaum benutzt wurde. Diese Fläche wurde mit Heckenpflanzungen, Wildblumenwiesen, wechselfeuchten Standorten, Ruderalbepflanzungen, einzelnen Baumpflanzungen und Kleinstrukturen ökologisch aufgewertet. In einem Bereich wurde ein Naschgarten mit Sitzgelegenheiten geschaffen, sodass Besuchende verweilen und die Naturvielfalt erleben können. Bei der Umgestaltung wurde auch die nähere Umgebung miteinbezogen und die Umwandlung von Formschnitthecken in Wildhecken realisiert. So konnte eine ökologisch wertvolle Umgebung mit einer Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume gestaltet werden.
Lebensraumvernetzung und ökologische Infrastruktur
Die Vernetzung von Lebensräumen ist für die Tier- und Pflanzenwelt wichtig zum Erhalt und der Förderung der Artenvielfalt. Wie wir die technische Infrastruktur (u.a. Verkehrswege) benötigen, braucht auch die Natur ein Netz aus wertvollen Lebensräumen für den genetischen Austausch. Wo befinden sich wertvolle Lebensräume und wie können diese vernetzt werden? Wo befinden sich Barrieren? Wo Potenzialflächen? Diese und weitere Fragestellungen werden derzeit bearbeitet.
Für nachtaktive, lichtsensible Arten wird derzeit eine Dunkelkarte erarbeitet, welche ins städtische Lichtkonzept integriert wird. Welche Strukturen sollen nachts dunkel, d.h. nicht beleuchtet sein, damit Fledermäuse von ihrem Tagesquartier in ihren Jagdlebensraum fliegen können? Diese und ähnliche Fragen sollten mit Hilfe des Dunkelplanes berücksichtigt werden.
Artenförderung Gelbbauchunke
Die Gelbbauchunke ist eine gefährdete Amphibienart und ist eine der prioritären Arten nach unserer Biodiversitätsstrategie. An verschiedenen Orten wurden neue Kleingewässer angelegt und bestehende gepflegt, damit diese von Gelbbauchunken besiedelt werden können. Im Sommer 2025 wurden in der Joosrüti drei neue Amphibienweiher geschaffen, um die gefährdete Amphibienart und weitere Tier- und Pflanzenarten zu fördern.
Artenförderung Braunes Langohr
Zur Förderung des Braunen Langohrs wurden im Frühjahr 2024 rund 60 Nisthilfen für Fledermäuse in vier Hochstammobstgärten montiert.
Weiter wird in der Stadt St.Gallen aktuell ein Fledermaus-Monitoring durchgeführt. In Kirchen, Scheunen und weiteren potenziellen Gebäuden werden frische Spuren gesucht, um Quartiernachweise des Braunen Langohrs zu erbringen.
Das Braune Langohr ist eine in der Schweiz gefährdete Fledermausart mit sehr hoher nationaler Priorität. Die Art bewohnt im Sommer Dachstöcke, Baumhöhlen und Fledermauskästen in Hochstammobstgärten. In ihren Wochenstuben ziehen die Weibchen in Kolonien ihre Jungen auf. Für die Nahrungssuche sind sie auf Flugkorridore und Jagdlebensräume ohne Lichtverschmutzung angewiesen – ausladende Baumkronen, Waldränder, Parks und Obstgärten.
Bekämpfung invasiver Neophyten
Invasive Neophyten sind Pflanzenarten, die absichtlich oder unabsichtlich aus fremden Gebieten in die Schweiz eingeführt wurden, sich stark verbreiten, Schäden verursachen und deshalb zum Problem werden. Diese Pflanzen müssen frühzeitig reguliert und entfernt werden. Um die weitere Verbreitung zu verhindern, ist es wichtig die Pflanzen fachgerecht zu entsorgen. Hierfür wurde der Neophytensack lanciert.
Monitoring Biodiversität
Im Jahr 2023 wurden alle Flächen innerhalb des Siedlungsgebietes flächendeckend erfasst und mit einem Schlüssel aus 170 verschiedenen Einheiten zugeteilt. Jede dieser Einheiten entspricht einem Lebensraum mit einer biologischen Wertigkeit und gibt so Auskunft über das ökologische Potenzial resp. den ökologischen Wert eines Gebietes. Die so entstandene Karte soll als Planungsgrundlage für die Förderung und den Erhalt der Biodiversität dienen.
Neuerstellung Ruderalfläche Winkeln
In Winkeln wurde auf einem Abschnitt des ehemaligen Stammgleises eine neue Ruderalfläche angelegt. Auf der kiesigen und steinigen Fläche wurden einheimische Pionierpflanzen angesät und eine Hecke angelegt. Zusammen mit den Kleinstrukturen und den temporären Wasserflächen kann sich der Abschnitt in eine artenreiche und für die Vernetzung wichtige Fläche entwickeln.
